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Designierte Linke-Chefin Lötzsch "Die SPD ist nicht mein Feind"

2. Teil: "Die DDR hatte ein riesiges Demokratiedefizit"

SPIEGEL ONLINE: Was war nicht gut in der DDR?

Lötzsch: Die DDR hatte ein riesiges Demokratiedefizit. Es gab nur für wenige die Möglichkeit, an Entscheidungen teilzunehmen. Zudem konnte man sich nicht frei bewegen, das hat viele zunehmend gestört, vor allem die Jüngeren. Und die ökologischen und ökonomischen Probleme, die es damals gab, waren auch kein Geheimnis.

SPIEGEL ONLINE: Die Verfolgung von Regimekritikern in der DDR haben Sie jetzt gar nicht angesprochen.

Lötzsch: Das meinte ich auch, als ich von Demokratiedefizit gesprochen habe.

SPIEGEL ONLINE: Gehört zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit auch, dass Sie in Berlin-Lichtenberg bei Podiumsdiskussionen eines Vereins aufgetreten sind, der von früheren Stasi-Leuten gegründet wurde?

Lötzsch: Ich weiß nicht, wer diesen Verein gegründet hat. Aber Tatsache ist, dass ich mich für Rentengerechtigkeit einsetze.

SPIEGEL ONLINE: Es geht Ihnen hierbei um die Renten von früheren Mitarbeitern der Staatssicherheit.

Lötzsch: Nicht nur, hier wird oft ein Teil unterschlagen. Es geht auch um frühere Mitarbeiter von NVA, Polizei und Zoll.

SPIEGEL ONLINE: Und wofür setzen Sie sich konkret ein?

Lötzsch: Dafür, dass sie, wie auch Eisenbahner und Balletttänzer, eine Rente bekommen, die den normalen Rentenpunkten entspricht. Es gibt Abschläge für sogenannte Staatsnahe und Nichtanerkennung von Zusatzrenten. Wir als Linke sagen: Das Rentenrecht darf nicht als Strafrecht missbraucht werden.

SPIEGEL ONLINE: Oskar Lafontaine hat Gerhard Schröder ein Gespräch angeboten. Wann reden Sie mit SPD-Chef Sigmar Gabriel?

Lötzsch: Herr Gabriel und ich sind beide Abgeordnete im Bundestag. Wir haben also pausenlos die Gelegenheit, miteinander zu sprechen. Aber wie gesagt: Ich bin noch nicht Parteivorsitzende, mit offiziellen Gesprächen kann ich mir noch Zeit lassen.

SPIEGEL ONLINE: Hat er Ihnen schon gratuliert?

Lötzsch: Sigmar Gabriel hat mir nicht gratuliert. Aber um eins klar zu sagen: Die SPD ist nicht mein Feind, unser Gegner heißt Schwarz-Gelb. Alle, die sich in diesem Land links fühlen, müssen sich überlegen, ob man Schwarz-Gelb als Ende der Geschichte betrachten möchte.

SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie in der Zukunft Berührungspunkte zwischen SPD und der Linken?

Lötzsch: In einer Frage gibt es schon längst eine große Übereinstimmung: bei der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns. Wenn wir solche Fragen gemeinsam umsetzen können, wäre die Linke die Letzte, die sich dagegen stellt. Das ist doch logisch.

SPIEGEL ONLINE: Manche Sozialdemokraten sprechen bereits von einer möglichen Fusion von SPD und der Linken.

Lötzsch: Wir haben den Eindruck, dass seit der Bundestagswahl auf jeden Politiker der Linken mindestens drei Sozialdemokraten angesetzt sind, die uns mindestens dreimal am Tag freundlich umarmen sollen. Wir dürfen unsere Positionen nicht verlassen, für die wir gewählt wurden. Die Bürger auf der Straße fragen mich nicht: Wie sieht es aus mit einer Fusion? Die fragen mich: Was wird aus dem Mindestlohn?

SPIEGEL ONLINE: Das "Handelsblatt" hat Sie zuletzt als "Ex-PDS-Ikone" beschrieben. Stimmen Sie zu?

Lötzsch: Das hat mich ein bisschen gewundert. Ich habe mich nie als Ikone empfunden. Außerdem lebe ich ja noch!

Das Interview führten Björn Hengst und Roland Nelles

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insgesamt 826 Beiträge
Rosbaud 30.01.2010
Lieber SPIEGEL, man riecht förmlich den Braten: Ihr wollt eine Krise herbeischreiben und die ganz natürlichen Turbulenzen nach dem Rücktritt von Lafontaine verstärken. Jetzt freut Euch doch erst einmal, dass Euere [...]
Zitat von sysopDie bisherige Bedeutung von Oskar Lafontaine für seine Partei Die Linke kann schwerlich überschätzt werden. Nach seinem Rückzug mehren sich die Anzeichen einer Krise. Meistert die Partei diese Situation, oder versinkt sie in einem Richtungsstreit?
Lieber SPIEGEL, man riecht förmlich den Braten: Ihr wollt eine Krise herbeischreiben und die ganz natürlichen Turbulenzen nach dem Rücktritt von Lafontaine verstärken. Jetzt freut Euch doch erst einmal, dass Euere „Wunschkoalition“ am Ruder ist. Diese „Narrenschiff“-Besatzung arbeitet doch ganz in Euerem Sinne, oder?
Klaus.G 30.01.2010
natürlich ist der Rückzug von Lafontaine nich leicht für die Partei. Aber jetzt schon darin eine Krise sehen zu wollen bzw. herbeizuschreiben ist völlig unsinnig. Es wird auch zu keinem Richtungsstreit kommen weil die Linken in [...]
natürlich ist der Rückzug von Lafontaine nich leicht für die Partei. Aber jetzt schon darin eine Krise sehen zu wollen bzw. herbeizuschreiben ist völlig unsinnig. Es wird auch zu keinem Richtungsstreit kommen weil die Linken in Ost und West nur gemeinsam gewinnen können. Also erst mal abwarten. Glückauf.
UweZ 30.01.2010
Rückzug...??? Krise...??? Warum sollte die "Bedeutung" Oskar Lafontaines denn geschwunden sein, nur weil er sich aus verständlichen Gründen (temporär?) aus bundesweiten Führungspositionen zurückzieht? Der Mann hat [...]
Zitat von sysopDie bisherige Bedeutung von Oskar Lafontaine für seine Partei Die Linke kann schwerlich überschätzt werden. Nach seinem Rückzug mehren sich die Anzeichen einer Krise.
Rückzug...??? Krise...??? Warum sollte die "Bedeutung" Oskar Lafontaines denn geschwunden sein, nur weil er sich aus verständlichen Gründen (temporär?) aus bundesweiten Führungspositionen zurückzieht? Der Mann hat sich von seiner Überzeugung doch nicht losgesagt und sein kluges und rhetorisch geschliffenes Wort dürfte durch die jüngsten Ereignisse an Gewicht keinesfalls verloren haben! DASS die selbsternannt kapitalistisch Bürgerlichen ihrerseits einen "Führerkult" anbeten, und deshalb die Wahnvorstellung eines "Führers" der LINKEN halluzinieren, ist nach den Regeln simpler Logik doch vollkommen ohne Bedeutung für die Entwicklung derer, die von den kapitalistisch Bürgerlichen augenscheinlich so tief verhasst und so panisch gefürchtet werden...:-) Richtungsstreit...??? Ein kopfzahlmässig so rasch und effektiv prosperierendes Projekt, wie das der bundesrepublikanischen Linksdemokraten, kann nach guter demokratischer Sitte doch noch gar keine im Detail unumstösslich fixierte "Richtung" haben, vom verbrüdernd wirkenden _Wunsch nach Sozialer Gerechtigkeit_ mal abgesehen. Auf welchem Wege genanntes, solidarisierend wirkendes Gerechtigkeitsbedürfnis der Projektteilnehmer befriedigt werden soll, kann doch erst dann ganz demokratisch festgelegt werden, wenn die gegenwärtig noch stetig zunehmende Zahl der Parteimitglieder und Wähler aus der gegenwärtigen Wachstumsphase in eine halbwegs konstant bleibende, stabile Basis übergegangen ist. Die von der aufgeklärten LINKEN präferierte Basisdemokratie, mit ihren weitgehenden Mitwirkungsmöglichkeiten für das Individuum, führt zu einer inherent wandlungsfähigen Struktur. Allzu detailierte Festlegung von oben herab ist doch nur etwas für diejenigen, die sich nicht trauen, selber ihre ureigenen Hirnzellen zu gebrauchen! "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. *Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!* ist also der Wahlspruch der Aufklärung." Immanuel Kant (1784) - Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?
Brand-Redner 30.01.2010
Ich muss meinen Vorrednern beipflichten. Beim Lesen des Themas befällt einen der Verdacht, hier könnte der Wunsch wieder mal Vater des Gedankens gewesen sein. Wirkliche linke Parteien haben in der deutschen Geschichte schon ganz [...]
Ich muss meinen Vorrednern beipflichten. Beim Lesen des Themas befällt einen der Verdacht, hier könnte der Wunsch wieder mal Vater des Gedankens gewesen sein. Wirkliche linke Parteien haben in der deutschen Geschichte schon ganz andere Szenarien überstanden als den Rücktritt von 2-3 Spitzenfunktionären. Die Frage des sysop unterstellt im Grunde das Modell bürgerlicher Parteien, die oft in geradezu archaischer Weise auf ihre(n) Vorsitzende(n) zugeschnitten sind, und in denen die Mitglieder zu bloßen Claqueuren verkommen. Um nicht missverstanden zu werden: Auch die alte SED war aus meiner Sicht eine solche (klein)bürgerliche Partei. Die Nachwendelinken waren aufgefordert, daraus die Lehren zu ziehen und mehr innerparteiliche Demokratie zu wagen. Nun, wo sie es versuchen, ist es dem bürgerlichen Lager freilich auch nicht Recht: Dieses wäre erst befriedigt nach der vollkommenen Abschaffung jeglicher linker Aktivitäten. Dann wäre endlich "Ruhe" in Deutschland. Friedhofsruhe nämlich.
Waldo1 30.01.2010
O.L. ist doch noch da. Seine Worte wird man weiterhin hören auch wenn es einigen nicht gefällt. Da wo keine Krise ist muß man halt eine machen, wie groß ist die Angst der Etablierten vor der Linken und dem Wähler. Die Rezepte [...]
O.L. ist doch noch da. Seine Worte wird man weiterhin hören auch wenn es einigen nicht gefällt. Da wo keine Krise ist muß man halt eine machen, wie groß ist die Angst der Etablierten vor der Linken und dem Wähler. Die Rezepte der Etablierten sind immer noch die gleichen nichts hat sich geändert und keiner hat aus den folgen seines tuns gelernt. Wenn die SPD zu ihren Fehlern der Schröder Jahre stehen würde hätte sie vielleicht noch eine Chance aber so zu tun als wäre man eigentlich "nicht dabei gewesen" und jetzt wird alles gut das klappt nicht. Die Linke wird ihren Weg gehen Mit O.L. und vielen anderen die für eine andere Republik stehen.
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Die Linke - Aufstieg und Krise
dpa
16. Juni 2007: Die Linke entsteht auf dem Gründungsparteitag in Berlin. Die ostdeutsche Linkspartei.PDS verschmilzt mit der westdeutschen Wahlalternative Arbeit & Soziale Gerechtigkeit (WASG), die auch aus Politikern besteht, die von der SPD enttäuscht sind. Gleichberechtigte Vorsitzende werden Oskar Lafontaine von der WASG und Lothar Bisky von der PDS.





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