Berlin - Joachim Gauck hat seine Vorstellungsrunde bei den Parteien gestartet: Der designierte Bundespräsident besuchte drei Wochen vor seiner geplanten Wahl zum Staatsoberhaupt die nordrhein-westfälische CDU im niederrheinischen Hamminkeln. Das Treffen sei eine Gelegenheit zu zeigen, "dass die ursprünglichen Pläne der Union und meine Person gut zueinander passen", sagte Gauck.
Das fand man offenbar auch bei der CDU - obwohl sich Parteichefin Merkel lange gegen eine Kandidatur Gaucks gesperrt hatte. Der 72-Jährige habe sehr überzeugt und könne auf breite Unterstützung bauen, sagte der CDU-Landeschef und Bundesumweltminister Norbert Röttgen nach dem knapp zweistündigen Zusammentreffen. "Er hat hier wirklich Eindruck gemacht."
Zu aktuellen politischen Themen nahm Gauck bei der NRW-CDU nicht öffentlich Stellung. "Ich werde noch nichts darüber sagen, was ich vorhabe oder schon gar nicht, was ich für ein toller Typ bin", sagte er auf Journalistenfragen.
In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für den "Focus" wünschte sich jeder zweite Bundesbürger, dass sich Gauck in seiner Amtszeit verstärkt zum Thema der sozialen Gerechtigkeit äußere. 21 Prozent wollten als Schwerpunkt den Zustand des Kapitalismus, 11 Prozent die Integration von Ausländern und sieben Prozent die Vollendung der deutschen Einheit. Die Freiheit - ein Kernthema Gaucks - wünschen sich der Umfrage zufolge acht Prozent der Bürger als Themenschwerpunkt.
Der frühere Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde soll am 18. März als Nachfolger für Christian Wulff von der Bundesversammlung ins höchste Staatsamt gewählt werden. Die nordrhein-westfälische CDU schickt dazu unter anderem die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer als Wahlfrau nach Berlin.
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An diesem Montag wird Gauck bei den Vorstandssitzungen von CDU und SPD erwartet. Später will er die Fraktionen besuchen. Auch einem Gespräch mit der Linkspartei, die seine Kandidatur ablehnt, wird er sich seinem Sprecher zufolge nicht verweigern. "Wenn die Linkspartei Herrn Gauck zu einem klärenden Gespräch einlädt, wird er dieses sehr gern annehmen", sagte der Sprecher des Kandidaten von Union, FDP, SPD und Grünen, Andreas Schulze, der "Leipziger Volkszeitung". Linken-Chef Klaus Ernst sagte der Zeitung, seine Partei werde Gauck selbstverständlich einladen. "Dann werden auch die Punkte zur Sprache kommen, an denen wir unterschiedlicher Auffassung sind, zum Beispiel seine Pro-Banken-Haltung in der Finanzkrise." Die Linkspartei will einen Gegenkandidaten für die Wahl des Staatsoberhauptes durch die Bundesversammlung am 18. März benennen, ist sich aber uneins, wer das sein soll.
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) erwartet von einer Präsidentschaft Gaucks positive Auswirkungen auf das Bild Deutschlands im Ausland. Gauck werde ein Bundespräsident sein, "der mit seiner Freiheitsvita das Ansehen Deutschlands auch international mehren wird", sagte Westerwelle dem "Tagesspiegel" aus Berlin.
Klar ist inzwischen, dass die FDP von der Unterstützung Gaucks in der Wählergunst nicht profitiert: Im aktuellen Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid erhebt, bleiben die Liberalen mit 3 Prozent auf dem Wert der Vorwoche. Stärkste Kraft bleibt unverändert die Union mit 35 Prozent.
Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt bereitet sich derweil auf ein Leben an der Seite des Staatsoberhaupts vor. Sie will künftig nicht mehr als Journalistin arbeiten und sich neuen Aufgaben in Berlin zuwenden. "Es gibt aber noch keine konkreten Entscheidungen. Ich weiß im Moment noch nicht so genau, wie es weitergeht", sagte sie in Fürth. Die Situation sei einfach noch so neu für sie. Schadt, die bisher bei der "Nürnberger Zeitung" als Leitende Politikredakteurin beschäftigt war, lebt seit rund zwölf Jahren mit Gauck zusammen, der noch verheiratet ist.
anr/aar/Reuters/dpa/dapd
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