Mordaufruf Islamkritiker Abdel-Samad abgetaucht

"Er muss getötet werden": Für ägyptische Islamisten ist Hamed Abdel-Samad seit vergangener Woche ein Apostat - einer der den Tod verdient hat. Der Autor selbst nimmt die Drohungen ernst. Er ist untergetaucht.

Abdel-Samad  (Archivbild): "Er nimmt den Mordaufruf ernst"
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Abdel-Samad (Archivbild): "Er nimmt den Mordaufruf ernst"


Hamburg - Ägyptische Islamisten haben ihn zum Ungläubigen erklärt und seine Ermordung gefordert. Jetzt hat der deutsch-ägyptische Autor Hamed Abdel-Samad die Konsequenzen gezogen. "Er nimmt den Mordaufruf ernst und ist derzeit untergetaucht", teilte sein Verlag Droemer Knaur in München mit.

Der gebürtige Ägypter hatte in der vergangenen Woche in Kairo einen Vortrag über religiösen Faschismus im Islam gehalten. "Kurz darauf begann im Internet eine Hetzkampagne gegen mich, auf Facebook erschienen mehrere Seiten mit Fotos von mir, auf denen 'Wanted Dead!' geschrieben war", sagte Abdel-Samad SPIEGEL ONLINE in einem Interview.

Am vergangenen Freitag hatte Assem Abdel-Maged, einer der Führer der militant-islamistischen Bewegung Gamaa Islamija, in einer Sendung des TV-Kanals al-Hafez die ägyptischen Muslime aufgerufen, den Autoren zu ermorden. Auch Mahmud Schaaban, Rhetorikprofessor an der Azhar-Universität in Kairo und erklärter Gegner des Säkularismus, nannte Abdel-Samad einen Apostaten. "Selbst wenn er bereut, was er gesagt hat, muss er getötet werden", sagte er im Sender al-Hafez. "Seine Reue mag ihm im Jenseits helfen, aber er muss umgebracht werden."

Bundesregierung fordert Schutz für Abdel-Samad

Abdel-Samad, 1972 als Sohn eines Imams geboren, geht davon aus, dass die Hetzkampagne gegen ihn aus dem Umfeld des ägyptischen Staatspräsidenten Mohammed Mursi stammt. "Abdel-Maged ist in meinen Augen ein enger Verbündeter von Mursi", sagte der Autor.

Gegenüber der ägyptischen Tageszeitung "al-Ahram" forderte Abdel-Samad die ägyptische Justiz auf, ihn zu schützen. Die Regierung versuche sich selbst im Namen Gottes über die Justiz und die Polizei zu stellen. "Was in Ägypten gerade passiert, gleicht einer kulturellen Invasion und ideologischem Terrorismus", sagte Abdel-Samad.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, forderte die Regierung in Kairo auf, die Sicherheit des Politologen zu gewährleisten. "Ich erwarte, dass sich die ägyptische Regierung deutlich und unmissverständlich distanziert", sagte Löning der "Süddeutschen Zeitung".

Der Droemer Knaur Verlag sagte seinem Autor jede Unterstützung zu. "Denn wenn es eines braucht in dieser Lage, dann kritische Aufklärung, und für die steht Hamed Abdel-Samad nicht nur in Deutschland", sagte Verlagsleiterin Margit Ketterle. "Dafür wird er nun mit dem Tod bedroht."

syd/AFP/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
humblebee 11.06.2013
1. Gemäßigte Mörder
dabei versucht man gerne, uns die Salafisten als einziges islamistisches Problem zu verkaufen: Europas Moscheen vor Femen schützen? | Aron Sperber (http://aron2201sperber.wordpress.com/2013/06/07/europas-moscheen-vor-femen-schutzen/) man sieht jedoch, dass sich die Muslimbrüder in ihrer Mordlust kaum von den Salafisten unterscheiden, auch wenn sie ihr Eigentum etwas gemäßigter verschleiern
20099 11.06.2013
2.
Da Herr Samad sich in Deutschland aufhält wäre es ja angebracht wenn sich zumindest die Muslime in Deutschland von dem Mordaufruf distanzieren statt stillschweigend zuzustimmen!
frank2013 11.06.2013
3.
DassAbdel-Samad in unserem demokratischen Staat abtauchen muss und wir ihn nicht schützen können, ist eine Schande. Alle bekannten radikalen Islamisten, Salafisten, Prediger und was auch immer sollten ausgewiesen werden. Das Aufenthaltsgesetz sollte geändert werden.Leute, die das Lebensrecht etwa sogenannter Ungläubiger negieren, haben den Asylschutz verwirkt, weil sie selber die Menschenrechte nicht achten, auch wenn ihnen in dem Rückkehrland die Todersstrafe droht. Das sollte diese Leute daran erinnern, dass man nicht das heilige Gastrecht hier verletzen darf.Der Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit sollte auf Widerruf bzw. unter Bewährung von 10 Jahren gestellt werden, um solchen Leuten keinen dauerhaften Schutz zu gewähren.
temp1 11.06.2013
4.
Der Islam wird mal wieder mißbraucht .... und viel zu wenige bemerken es. Der Pöbel am allerwenigsten, der rennt jetzt los und sucht den vermeintlichen Bösewicht ...
kommentator222 11.06.2013
5. Sehr geehrter Herr
Hamad Abdel-Samad, vielleicht lesen Sie die Kommentare in Spiegel Online. Ich wünsche Ihnen persönlich alles Gute und gratuliere Ihnen zu Ihrem Mut. Wir brauchen mehr Menschen wie Sie.
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