Deutsch-amerikanische Zusammenarbeit Operation Alberich deckte Terror-Plot auf

Die Zusammenarbeit war "so eng wie nie", lobt Washington: Unter dem Codenamen "Operation Alberich" haben deutsche und amerikanische Ermittler im Fall der deutschen Terrorverdächtigen zuletzt Hand in Hand gearbeitet - und so bereits sehr konkrete Anschlagspläne durchkreuzt.


Hamburg - Bei der Beobachtung der am vergangenen Dienstag im Sauerland ausgehobenen deutschen Terror-Zelle haben deutsche und amerikanische Sicherheitsbehörden bis zum Zugriff nach SPIEGEL-Informationen intensiv zusammengearbeitet. So hatte sich die bereits über Monate laufende Überwachung der Verdächtigen zuletzt zu einem der wichtigsten Themen in den deutsch-amerikanischen Beziehungen entwickelt. Schon während des G-8-Gipfels in Heiligendamm hatte US-Präsident George W. Bush Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die laufenden Ermittlungen angesprochen.

Die Geheimdienste hatten die Ermittlungsaktionen angelehnt an einen König der germanischen Mythologie "Operation Alberich" getauft. In Berlin arbeitete gar eine gemeinsame Arbeitsgruppe deutscher Behörden und der amerikanischen CIA an dem Fall. Die Kooperation sei "so eng wie nie" gewesen, sagte US-Heimatschutzminister Michael Chertoff dem SPIEGEL.

Bereits am Tag nach der Festnahme der Verdächtigen Fritz G., Daniel S. und Adem Y. hatte die US-Regierung das Vorgehen der deutschen Behörden bei der mutmaßlichen Vereitelung von Bombenanschlägen gegen US-Ziele in Deutschland gewürdigt. US-Präsident George W. Bush sei unmittelbar über die Festnahmen in unterrichtet worden, teilte sein Sprecher Tony Fratto mit. US-Außenamtssprecher Tom Casey betonte die gute Zusammenarbeit mit der Bundesregierung in Bezug auf den Austausch von Informationen.

Die Anschlagsvorbereitungen des verdächtigen Trios waren offenbar bereits sehr weit gediehen. So wurden die Islamisten aus Pakistan massiv unter Druck gesetzt, schon bald einen Anschlag in Deutschland zu begehen. Nach Informationen des SPIEGEL hörte das Bundeskriminalamt (BKA) Ende August einen Telefonanruf eines Unbekannten aus Nordpakistan ab, der den deutschen Islamisten eine Frist von 14 Tagen setzte. Die Bundesanwaltschaft sucht deshalb nach zwei Unbekannten mit den Decknamen "Sule" und "Jaf".

Die möglichen Ziele für einen Anschlag leiten die Ermittler aus einer Autofahrt von Fritz G. und Adem Y. am 20. Juli ab. Auf dem Weg zu einem Chemikalienhändler in Hannover diskutierten die beiden Männer, welche Ziele man ins Auge fassen könne. Genannt wurden neben Flughäfen auch Nachtclubs oder "eine Disco mit amerikanischen Schlampen". Weil das BKA das Auto verwanzt hatte, konnten die Ermittler den Dialog abhören.

Die Bundesanwaltschaft bestätigte inzwischen Berichte, nach denen die Männer in Frankreich bereits drei gebrauchte Kleintransporter gekauft hatten. Es gebe aber keinen Beweis dafür, dass die Fahrzeuge für Autobomben gedacht waren.

Ein Bericht, dem zufolge die drei inhaftierten Terrorverdächtigen in den laufenden Vernehmungen hartnäckig schweigen, ist laut der Bundesanwaltschaft richtig. Die "Bild"-Zeitung hatte unter Berufung auf ranghohe Sicherheitskreise außerdem berichtet, dass es noch keine belastbaren Erkenntnisse über den Verbleib der fünf bis sieben weiteren Personen aus dem Umfeld der drei Inhaftierten gebe. Die Mehrzahl solle sich ins Ausland abgesetzt haben.

In dem Fall gebe es derzeit konkret zehn Beschuldigte, drei davon seien in Haft, gegen die sieben anderen werde ermittelt, sagte Kneuer. Klar sei aber auch, dass ein Netzwerk normalerweise aus mehr Personen bestehe. Die "Welt" berichtete, dass der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, am Freitag auf der Sondersitzung der Innenministerkonferenz (IMK) von 49 Personen gesprochen habe, die im Zusammenhang mit dem Fall im In- und Ausland im Visier der Ermittler stünden. Kneuer bezeichnete diese Größenordnung als "nicht unrealistisch".

phw/AP/dpa/ddp/AFP

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