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Deutsch-arabische Gesellschaft: "Möllemann war kein Antisemit"

Von Carolin Emcke

Die deutsch-arabische Gesellschaft, deren Präsident Möllemann war, reagiert geschockt auf den Tod des Politikers. Für Generalsekretär Bock war er "einer der mutigsten deutschen Politiker".

Harald Bock, Generalsekretär der deutsch-arabischen Gesellschaft: "Eine große Lücke"

Harald Bock, Generalsekretär der deutsch-arabischen Gesellschaft: "Eine große Lücke"

Die deutsch-arabische Gesellschaft in Berlin verliert mit Jürgen Möllemann ihren Präsidenten. Generalsekretär Harald Bock, der Möllemann seit 22 Jahren kannte, zeigt sich am Donnerstag erschüttert von der Todesnachricht. "Es hat uns tief getroffen, sein Tod reißt eine große Lücke in die Arbeit der deutsch-arabischen Gesellschaft. Für Bock war Möllemann "einer der mutigsten deutschen Politiker". Immer sei ihm der Schalk im Nacken gesessen, immer sei er bereit gewesen, heiße Eisen anzupacken. "Wenn ich die anderen Affen in der Partei sehe, die hatten nie diesen Mut. Das sind doch alles Langweiler dagegen", sagt Bock gegenüber SPIEGEL ONLINE.

"Möllemann war kein Antisemit", sagt Bock im Hinblick auf die Flugblattaffäre des FDP-Politikers. Die darauf folgende Trennung von seiner Partei habe ihm allerdings stark zugesetzt: "Wenn Sie ihn in der letzten Zeit gesehen haben, war das ein Mann, dem fehlte der Glanz in den Augen. Das war ein Mann, dem war seine Spontaneität verloren gegangen."

Bock beklagte auch den scharfen Umgang der Medien mit dem schillernden Politiker: "Die Journalisten haben ihren Spaß mit ihm gehabt, und nun wird er ihnen fehlen."

Gestern noch hatte Möllemann eine Stunde lang mit einem Mitarbeiter der Gesellschaft telefoniert. Bock selbst war heute mit ihm zum Gespräch verabredet. Sie wollten über eine geplante Veranstaltung am 27. Juni reden, eine Bootsfahrt. Nach der Todesnachricht hat Bock die Fahrt abgesagt. Dagegen hält Bock an einem Lieblingsprojekt Möllemanns für die deutsch-arabische Gesellschaft fest: Zwischen dem 13. und 26. Juli wird ein internationales Sommercamp für Jugendliche veranstaltet. 70 Jugendliche, unter anderem aus Griechenland, Frankreich, Deutschland, Israel und Palästina werden daran teilnehmen.

Auch Bocks Büro wurde heute Morgen gegen 11 Uhr von der Polizei im Zuge der bundesweiten Razzia gegen Möllemann aufgesucht. "Bei uns findet sich nichts von Herrn Möllemann", teilte Bock den Beamten mit.

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