Deutsch-französische Beziehungen Sarkozy ist von Merkel genervt

In der deutsch-französischen Partnerschaft kriselt es. Die Regierungen in Paris und Berlin begegnen sich derzeit bestenfalls höflich distanziert - trotz öffentlicher Freundschaftsbekundungen. Frankreichs Präsident Sarkozy soll einem Zeitungsbericht zufolge genervt von Kanzlerin Merkel sein.


Meseberg/Berlin - Was herzten und umarmten sie sich: Die Bilder für die Fotografen beim Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy gestern auf dem brandenburgischen Schloss Meseberg sollten vor allem eines zeigen: Einigkeit und herzlich entspannte Stimmung zwischen Frankreich und Deutschland.

Nicolas Sarkozy und Angela Merkel: Der französische Präsident ist von der Kanzlerin angeblich genervt
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Nicolas Sarkozy und Angela Merkel: Der französische Präsident ist von der Kanzlerin angeblich genervt

So reibungslos ist das Verhältnis zwischen Sarkozy und Merkel aber längst nicht. Schon länger stößt sich das Kanzleramt an Alleingängen des französischen Präsidenten - wie etwa im Fall der Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern aus libyscher Gefangenschaft. Damals hatte Sarkozy im Anschluss an die Freilassung der Frauen eine Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Libyen auf dem Gebiet der Kerntechnik abgeschlossen und besonders die Rolle seiner Frau bei der Freilassung der Krankenschwestern betont. In Deutschland reagierten Politiker verärgert auf das Verhalten Sarkozys und verwiesen auf die Vorbereitungen durch die EU-Kommission und die EU-Ratspräsidentschaft in dem Fall.

Aber auch in Frankreich ist man über den Nachbarn verstimmt: Sarkozy ist laut einem Zeitungsbericht hochgradig verärgert über Merkel und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). Die "Rheinische Post" schreibt unter Berufung auf Informationen aus dem Elysée-Palast in Paris, Sarkozy sei bei einem Treffen mit den EU-Finanzministern in Brüssel mit Steinbrück aneinandergeraten. Der Deutsche habe Sarkozy vorgeworfen, lieber milliardenschwere Steuergeschenke an die Wähler zu verteilen, als sich an den auf Europa-Ebene vereinbarten Sparplan zu halten. Daraufhin habe der Präsident den Finanzminister angefahren: "Was fällt Ihnen ein, in diesem Ton mit mir zu reden!"

Der Zeitung zufolge ist der Name Steinbrück seitdem in Paris ein rotes Tuch. Richtig sauer wegen des Zwischenfalls sei Sarkozy aber auf Angela Merkel. Dass die Kanzlerin ihren Minister wegen der rüden Attacke nicht öffentlich rüffelte, habe Sarkozy der "lieben Angela" bis heute nicht verziehen. Auch sonst gäre im Elysée-Palast die Unzufriedenheit mit der Kanzlerin. Merkel gehe Sarkozy "zunehmend auf die Nerven", zitiert die Zeitung einen Kenner aus der UMP-Partei des Präsidenten.

Auch das gestrige Treffen zwischen Merkel und Sarkozy hat bereits erste Kritik an Frankreich in der Bundesregierung ausgelöst: Umweltminister Sigmar Gabriel widersprach dem französischen Präsidenten beim Thema Kernenergie: "Atomkraft ist alles andere als eine Zukunftstechnologie. Weltweit gehen mehr Atomkraftwerke vom Netz als neue gebaut werden", betonte der SPD-Politiker gegenüber dem "Tagesspiegel". Sarkozy hatte sich zuvor dafür ausgesprochen, die Kernkraft zu einem festen Bestandteil einer gemeinsamen europäischen Energiepolitik zu machen. "Atomenergie ist die Energie der Zukunft", sagte der Staatspräsident.

hen/ddp/AFP

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