Botschaftertreffen Anshu Jain bezirzt Deutschlands Diplomaten

Er kam, sah und charmierte: Anshu Jain, neuer Vorsitzender der Deutschen Bank, sprach in Berlin vor den deutschen Botschaftern über die Globalisierung, die Krise des Euro und das schlechte Bild der Banken. Ein ungewohnt lockerer Auftritt.

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Deutsche-Bank-Chef Jain: "Wir haben Fehler gemacht"
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Deutsche-Bank-Chef Jain: "Wir haben Fehler gemacht"


Berlin - Anshu Jain hat sich vorgenommen, Deutsch zu lernen. Aber hier, vor den Botschaftern der Bundesrepublik Deutschland und den Vertretern der Wirtschaft spricht der neue Chef der Deutschen Bank natürlich Englisch. Guido Westerwelle, der Gastgeber, hält nur sein Eingangs- und Schlusswort auf Deutsch, dann wechselt auch er ins Englische. "This is the foreign office, let's have a bilingual afternoon", sagt der Außenminister gut gelaunt.

Vorbei die Zeiten, als Westerwelle kurz nach dem Wahlsieg 2009 noch einen Journalisten anraunzte, weil dieser es gewagt hatte, eine Frage auf Englisch zu stellen. Auch der FDP-Politiker ist längst in seinem Amt angekommen.

Jain, Jahrgang 1963, ist ohnehin schon lange ein Kind des neuen Zeitalters: Geboren in Indien, Studium in den USA, Frau und zwei Kinder in London, seit Juni dieses Jahres neuer Chef der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Er ist einer der mächtigsten Männer in dieser Republik. Locker sitzt er auf dem Podium im "Weltsaal" des Auswärtigen Amtes. Jain, leicht ergrautes Haar, weiß sein Publikum gleich zu fangen. Auf die Frage des Moderators Henning Krumrey, Vize-Chefredakteur der "Wirtschaftswoche", ob er ein Kind der Globalisierung sei, antwortet er blitzschnell: Die 250 Botschafter und er hätten schließlich eines gemeinsam - "niemand von uns hätte seinen Job, wenn es nicht die Globalisierung gäbe".

Da gibt es das erste zustimmende Lachen im Saal. Jain schmeichelt und charmiert: Er bewundere das Netzwerk des Auswärtigen Amtes. Woraufhin Westerwelle unter dem Gelächter der Gäste kontert: "Ich kann Ihnen versichern, Ihres ist besser bezahlt!"

Jain ist zum Abschluss des Wirtschaftstags auf der Botschafterkonferenz erschienen. Das Thema ist diesmal Europa. Schon am Vormittag hat Westerwelle erneut einige Worte zu den jüngsten Euro-Schelten aus der CSU verloren. Die Wirtschaft im südlichen Bundesland hänge so stark an Exporten, "dass es geradezu unpatriotisch, dass es geradezu gegen Landesinteressen wäre, wenn man partiell in Bayern der Auffassung wäre, dass man Europa aufgeben oder das Ausfransen Europas zulassen könnte".

Auch hier, beim Auftritt Jains am späten Nachmittag, geht es um das, was die Welt seit Jahren jeden Tag bewegt: die Krise des Euro. Jain ist nicht gekommen, um böse Worte fallenzulassen. Aber er lässt durchblicken, dass zur Bewältigung der Euro-Krise aus seiner Sicht noch manches getan werden muss. Die Länder der Peripherie der Euro-Zone kämpften, sagt er. Eine fundamentale Restrukturierung aber brauche "lange Zeit", und leider sei es wahrscheinlich, dass "die Märkte ihnen nicht genug Zeit geben." Dabei sei Zeit doch "entscheidend".

Jain lobt zwar den Fiskalpakt, den Kanzlerin Angela Merkel auf den Weg gebracht hat. Aber er merkt auch an, dass der allein die Krise nicht lösen werde. Die Rettungsschirme EFSF und ESM seien wichtige Instrumente. "Aber es braucht noch mehr als das", sagt er. Und dann wird Jain, hier vor den Diplomaten, selbst ganz und gar diplomatisch. Man brauche eine "mächtige Institution", raunt er in den Saal. Daher stimmten er und seine Bank mit dem überein, was die Europäische Zentralbank (EZB) in letzter Zeit unternommen habe. Es ist eine indirekte Zustimmung zu den Anleihekäufen, die die EZB bis vor wenigen Monaten noch tätigte und deren Neuauflage in diesen Wochen wieder neu diskutiert wird.

Deutsche Bank will Steuerzahler nicht zur Last fallen

Hier in Berlin macht er als Vertreter eines globalen Finanzdienstleisters mit Ablegern in über 70 Ländern auch ein wenig Werbung für den alten Kontinent. Dem Satz Westerwelles, Europa sei "nicht nur ein Währungssystem, ein Binnenmarkt, sondern ein Gesellschaftsmodell, ein Way of Life", stimmt er ausdrücklich zu. Und er fügt hinzu: "Es lohnt sich, Europa zu retten." Und: "Meiner Meinung nach wird der Euro überleben."

Seine eigene Bank hat es gerade auch nicht leicht. So wie viele Institute, die durch die Krise der Geldhäuser 2008 in Verruf geraten sind. Auch die Deutsche Bank musste Federn lassen, aber sie brauchte immerhin kein öffentliches Geld zur Stützung. Auch das lässt Jain die Versammelten noch einmal wissen. Die Öffentlichkeit habe aber "ihr Vertrauen in die Banken verloren", es sei daher nur verständlich, wenn darüber etwa im kommenden Bundestagswahlkampf gesprochen werde. "Wir haben Fehler gemacht", räumt Jain smart ein, um gleich danach ein Bekenntnis in eigener Sache abzulegen: "Wir müssen zeigen, dass wir die Kultur in unseren Instituten ernsthaft verändern wollen."

Die Deutsche Bank ist derzeit im Strudel des weltweiten "Libor-Skandals". Händler sollen dabei den Libor und andere Referenzzinssätze verzerrt haben, um so Gewinne zu erzielen. Seine Bank, beteuert Jain, wolle weiterhin eng mit den Behörden zusammenarbeiten, betreibe großen Aufwand, um die Vorgänge vollständig aufzuklären, "bis auf den Grund."

Was das Ziel seiner Tätigkeit an der Spitze sei, will Moderator Krumrey wissen. Da braucht Jain nicht lange überlegen. So effizient zu arbeiten, "das wir nie zu einer Last für den deutschen Steuerzahler werden."

Da müssen nicht nur die Diplomaten schmunzeln. Auch der Außenminister lächelt seinen Gast an. "Let's cross our fingers" sagt er auf Englisch. Was so viel heißt: Bei diesem Versprechen des Vorstandschefs der Deutschen Bank kann auch der Außenminister nur die Daumen drücken.

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Seite 1
Jom_2011 28.08.2012
1. .
---Zitat--- Deutsche Bank will Steuerzahler nicht zur Last fallen ---Zitatende--- Das kann man so oder so interpretieren: wir zahlen keine Steuern, wollen aber auch keine "Hilfen" aus Steuertöpfen. Wenn das nur jeder so machen würde, hätten unsere Politiker ein Problem weniger...unser Geld zu verschenken.
elwu 28.08.2012
2.
Ja, für die Deutsche bank und ihresgleichen. Schließlich erhalten die von der EZB unbegrenzt Geld zu 1% und verleihen es mit sattem Aufschlag an die Länder der Eurozone weiter. Und wenn davon mal eines zahlungsunfähig zu werden droht, spannt die Politik einen weiteren Schutzschirm auf, finanziert vom Steuerzahler.
spon-facebook-10000079149 28.08.2012
3. Unverständnis
Zitat "DB brauchte immerhin keine öffentliches Geld zur Stützung". Viele Banken, die Schulden bei der DB hatten, wurden gestützt. Man hätte das Geld auch gleich der DB geben können. Ich kann diese Argumentation wohl auch von Ackermann nicht mehr hören.
udinbak 28.08.2012
4. Die Deutsche Bank hat kraeftig profitiert
Dass die Chefs der Deutschen Bank immer wieder leugnen, Geld vom Staat bekommen zu haben, kann man leicht verstehen. Es stimmt aber nicht. Ackermann hat Milliardenhilfen eingeworben. Schon 2007 ging es los, als die IKB kollabierte, aber erst nachdem die Dt. B. sich auf Staatskosten zurueck gezogen hatte. Ganz schlau zeigte Ack. dem Steinbrueck im Herbst 2008 den "Abgrund" der HRE und fuehrte ihn hinter die Fichte, um die Banken zu Lasten des Fiskus zu schonen. Dass die Rettungsschirme den Banken nutzen, aber den deutschen Steuerzahler noch reichlich fordern werden, ist allgemein bekannt. Trotzdem verbreiten Sie immer noch die Maerchen der Dt. B.
coraccorioredannae 28.08.2012
5. Die Globalisten der Wirtschaft
Ohne die Globalisierung seien sie nicht dort zusammen, die Botschafter und der Bänker. Das ist sehr wohl ein Witz. Warum sollten die Botschaften von der Globalisierung abhängig sein? Man kann es auch eine dreiste Falschaussage nennen. Ein guter Bänker würde auch in einer Nationalökonomie gebraucht werden, ebenso die Botschafter. Ist das am Ende nur gegenseitiges auf- die- Schulter- klopfen? Ist es Unwissenheit? Ist es gar blanke Dummheit so zu reden? Ich hätte mit Sicherheit nicht darüber gelacht.
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