Deutsche Bischofskonferenz: Hirtenduell in Himmelspforten

Von Alexander Schwabe

Wie wird sich die katholische Kirche in Deutschland künftig positionieren? Liberaler Kurs oder Ratzinger-Linie? Kommende Woche wählt die Deutsche Bischofskonferenz den Nachfolger von Kardinal Lehmann. SPIEGEL ONLINE stellt die Favoriten vor.

Hamburg - Offiziell gibt es keine Kandidaten. So etwas wie einen Wahlkampf bestenfalls hinter den Kulissen. Als Top-Favoriten gehandelt werden der neue Erzbischof aus München/Freising, Reinhard Marx und Robert Zollitsch, Erzbischof in Freiburg.

Die knapp 70 Diözesanbischöfe, Koadjutoren, Diözesan-Administratoren und Weihbischöfe aus den 27 deutschen Bistümern werden auf ihrer Frühjahrsvollversammlung kommende Woche in geheimer Abstimmung einen neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz wählen. Der Nachfolger von Kardinal Karl Lehmann muss in den ersten beiden Wahlgängen mindestens zwei Drittel der Stimmen bekommen, ab dem dritten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit.

Vom 11. bis 14. Februar tagt die Vollversammlung im Würzburger Kloster Himmelspforten. Bereits am 12. will Lehmann seinen Nachfolger, den neuen Repräsentanten von 25 Millionen deutschen Katholiken, vorstellen. Offenbar rechnet der Mainzer Kardinal nicht damit, dass es zu einem langwierigen Wahlprozedere kommen wird. Wurde der Nachfolger bereits im Vorfeld ausbaldowert? Hat Rom signalisiert, wer der Deutschen Bischofskonferenz vorsitzen soll? Kommt es zum erwarteten Duell zwischen Marx und Zollitsch?

Marx war in den letzten Tagen kurz vor seiner Amtseinführung in München bei Papst Benedikt im Vatikan. Marx erhoffe sich von der Audienz spirituelle Impulse für seine neue Aufgabe, hieß es. Doch Beobachter gingen davon aus, dass er mit dem Papst auch über die Leitung der Deutschen Bischofskonferenz gesprochen hat.

Der 69-jährige Zollitsch gilt als idealer Übergangskandidat, stieße er doch genau in sechs Jahren - die Länge einer Amtsdauer - an die Altersgrenze. Für Zollitsch - und gegen Marx - spricht zudem, dass er in seiner Diözese längst etabliert ist, während Marx sich in München/Freising noch einfinden muss. Gegen Marx könnte auch sprechen, dass der 54-Jährige den anderen Bischöfen zu jung ist. Denn es wäre der Brauch, dass Marx dann für die nächsten 20 Jahre Vorsitzender bliebe.

Einige renommierte Bischöfe gelten als zu alt für das Amt. Sie reichen zu nahe an die Altersgrenze von 75 Jahren heran, einem Alter, in dem sie dem Papst den Amtsverzicht anbieten müssen - der nicht immer angenommen wird. Zu ihnen zählen der Kölner Kardinal Joachim Meisner, 74, der Münsteraner Bischof Reinhard Lettmann, 74, der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky, 72, der Passauer Bischof Wilhelm Schraml, 72, und der Bischof von Meißen-Dresden, Joachim Reinelt, 71.

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