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Reaktion auf Proteste: Deutschland schließt Botschaften in islamischen Ländern

Die Bundesregierung rechnet nach den Freitagsgebeten mit weiteren Angriffen auf deutsche Einrichtungen in islamischen Ländern. Morgen werden deshalb viele Botschaften komplett geschlossen, das Personal soll zu Hause bleiben. In Teheran haben Demonstranten die französische Vertretung attackiert.

Berlin - Die Bundesregierung fürchtet wegen des Mohammed-Videos und der Karikaturen in den Satirezeitungen "Charlie Hebdo" und "Titanic" eine weitere Eskalation der Gewalt. Aus Furcht vor neuen Protesten bleiben an diesem Freitag zahlreiche deutsche Botschaften in der islamischen Welt komplett geschlossen. Darüber hinaus wird nach Angaben von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zusätzlicher Schutz für andere deutsche Einrichtungen geprüft.

In der islamischen Welt sind viele Botschaften freitags ohnehin geschlossen. In mehreren Ländern bekamen die deutschen Diplomaten jetzt aber zusätzlich die Anweisung, den Botschaften unbedingt fernzubleiben. Über weitere Schließungen werde "lageabhängig" entschieden, sagte Westerwelle. "Wir haben überall in der Region die Sicherheitsvorkehrungen verschärft und teilweise auch das Sicherheitspersonal verstärkt", so der Minister.

Die deutsche Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum war am vergangenen Freitag von einem wütenden Mob angegriffen und in Brand gesetzt worden. Sie ist seither geschlossen und arbeitet nur noch im Notbetrieb.

"Meinungsfreiheit kennt Grenzen"

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Mohammed-Video: Krawall in Pakistan, Mahnwache in Iran
Zugleich warnte Westerwelle davor, den Protesten in islamischen Ländern neuen Zündstoff zu bieten. "Meinungsfreiheit ist nicht die Freiheit, Andersgläubige zu beleidigen, zu beschimpfen oder zu verunglimpfen." Freiheit und Verantwortung seien zwei Seiten derselben Medaille. "Nicht derjenige ist der größere Freigeist, der jetzt aus ganz anderen Gründen auch noch Öl ins Feuer gießt", sagte der FDP-Politiker. Er betonte, dass er nicht auf einzelne Karikaturen Bezug nehme, sondern sich nur grundsätzlich äußere.

Ähnlich äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Interview mit dem Fernsehsender Sat.1: "Meinungsfreiheit kennt auch Grenzen. Und die kann man anwenden zum Beispiel im Ordnungsrecht, wenn durch das Zeigen eines Videos die öffentliche Ruhe oder der öffentliche Frieden in Gefahr ist", sagte die Regierungschefin. Nichts jedoch legitimiere den Einsatz von Gewalt.

Neue Ausschreitungen gab es am Donnerstag in Iran: Dort griffen Hunderte die französische Botschaft in Teheran an. Ein großes Polizeiaufgebot hinderte die aufgebrachte Menge daran, das Botschaftsgelände zu stürmen. Der Nachrichtenagentur Fars zufolge riefen die Angreifer: "Wir werden kämpfen, wir werden sterben, aber wir werden niemals Schande über uns bringen lassen."

Die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" will dennoch am Freitag mit einer zweiten Auflage ihrer aktuellen Ausgabe erscheinen. Einige Zeichnungen zeigen den Propheten nackt in unsittlichen Posen oder unterstellen ihm abartige sexuelle Praktiken.

Zu den französischen Einrichtungen, die am Donnerstag geschlossen blieben, gehört das Französische Gymnasium in Kairo. Auf Geheiß der französischen Botschaft soll auch in den französischen Schulen in Tunesien bis zum kommenden Montag kein Unterricht stattfinden.

syd/dpa/Reuters

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1.
halfuzzy 20.09.2012
Zitat von sysopAPDie Bundesregierung rechnet nach den Freitagsgebeten mit weiteren Angriffen auf deutsche Einrichtungen in islamischen Ländern. Morgen bleiben deshalb viele Botschaften geschlossen, die Sicherheitsvorkehrungen werden verschärft. In Teheran haben Demonstranten die französische Botschaft attackiert. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,857006,00.html
Ich glaube in den Staaten, in denen dann gegen die jeweiligen Länder in denen sowas hergestellt / veröffentlicht wird, protestiert wird, kann man sich einfach nicht vorstellen, dass solche Filme oder Karikaturen ohne den Einfluss des Staates gemacht werden können.
2. ............
janne2109 20.09.2012
Laßt alle Länder Karikaturen in die Presse setzen, dann brauchen wir bald keine Botschaften mehr. Es ist unglaublich, dass noch mehr von dem Scheiss veröffentlicht wird nur um zu zeigen wir sind die Macht, denn um etwas anderes geht es nicht mehr. Muss das sein. Es kostet weiterhin nur Menschenleben, egal wer anfängt damit. Warum muss man nun weiter provozieren??
3. Warnung an potentielle Märtyrer
dasistdiezukunft 20.09.2012
Bitte aufpassen, nicht dass die Jungfrauen im Paradies knapp werden!
4. Langfristige Diskussion
system_kritik_muss_sein 20.09.2012
auf elerate.de wird dieses Thema gerade heiß diskutiert, aber vereinheitlicht, kontinuierlich. Ich hoffe es kommen so viele Diskussions-Teilnehmer wie möglich zustande, damit dieses wichtige Thema die politische Aufmerksamtkeit bekommt, die es verdient. Soll weiter provoziert werden? Oder den Ausschreitungen eher "nachgegeben" werden? bitte nehmt teil an der von mir bei elerate.de erstellten übers internet vereinheitlichten Diskussion: http://elerate.de/discussions/welcher-ist-der-richtige-weg-mit-den-mohammed-video-verbundenen-protesten-und-provokationen-umzugehen
5. Ich würde es sehr begrüssen ...
AllesAufAnfang 20.09.2012
Zitat von sysopAPDie Bundesregierung rechnet nach den Freitagsgebeten mit weiteren Angriffen auf deutsche Einrichtungen in islamischen Ländern. Morgen bleiben deshalb viele Botschaften geschlossen, die Sicherheitsvorkehrungen werden verschärft. In Teheran haben Demonstranten die französische Botschaft attackiert. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,857006,00.html
... wenn die Vertreter unserer Regierung der Behandlung von Christen in islamischen Staaten die gleiche Aufmerksamkeit widmeten, wie es gegenüber Fanatikern des Islam geschieht.
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