Deutsche Irak-Geiseln Deutsche Muslime appellieren erneut an Entführer

Einen Tag nach Ablauf des Ultimatums der Entführer ist das Schicksal der beiden deutschen Irak-Geiseln weiter ungewiss. Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland appellierte im arabischen Sender al-Dschasira an die Extremisten, die Mutter und ihren Sohn freizulassen.


Berlin/Köln - Die zugespitzte Lage mache es erforderlich, dass der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) sich erneut mit einem Aufruf zur Freilassung an die Geiselnehmer wandte, hieß es in einer Mitteilung des KRM. Demnach wurde gestern über den arabischen Fernsehsender al-Dschasira eine Botschaft des KRM gesendet, in der die deutschen Muslime sich "zutiefst erschüttert über die Brutalität und Unmenschlichkeit, die mit der Entführung unschuldiger Zivilisten im Namen des Islam begangen werden", zeigen.

Deutsche Geiseln im Irak: "Verabscheuungswürdiger, durch nichts entschuldbarer und durch nichts zu rechtfertigender krimineller Akt"
AFP

Deutsche Geiseln im Irak: "Verabscheuungswürdiger, durch nichts entschuldbarer und durch nichts zu rechtfertigender krimineller Akt"

"Wir Muslime sind wieder einmal durch diejenigen überaus enttäuscht worden, die unsere Religion des Friedens, der Gerechtigkeit und Güte in ein schlechtes Licht gerückt haben", heißt es weiter. Die Geiselnahme sei "ein verabscheuungswürdiger, durch nichts entschuldbarer und durch nichts zu rechtfertigender krimineller Akt".

Die Bundesregierung äußerte sich heute erneut besorgt über das Schicksal der beiden Geiseln. "Die Lage ist nach wie vor ernst", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes und damit einen Tag nach Ablauf eines Ultimatums der radikal-muslimischen Geiselnehmer. "Wir sind in Sorge um das Schicksal der beiden Entführten."

Es gebe keine neuen Informationen, die der Öffentlichkeit mitzuteilen wären, sagte der Sprecher weiter. Der Krisenstab des Amtes setze seine Bemühungen fort, um die beiden Entführten unversehrt zurück zu ihren Familien zu bringen.

Die Geiselnehmer haben gedroht, die 61-jährige Hannelore Krause und ihren 20 Jahre alten Sohn zu töten, falls Deutschland nicht bis zum Dienstag mit dem Abzug seiner Soldaten aus Afghanistan beginne. Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte es strikt ab, die Forderung zu erfüllen. Die beiden Deutschen waren am 6. Februar in Bagdad entführt worden. Sowohl Bundespräsident Horst Köhler wie auch die Angehörigen der Verschleppten hatten sich mit Videobotschaften an die Entführer gewandt. Auch muslimische Verbände hatten sich an die Entführer gewandt.

Italienischer Journalist wieder in Rom

In Italien wurde unterdessen die Rückkehr des Journalisten Daniele Mastrogiacomo gefeiert, der nach rund zweiwöchiger Geiselhaft in Afghanistan freigekommen war.

Mastrogiacomo landete am späten Dienstagabend mit einer Sondermaschine der italienischen Regierung in Rom, wo er auch von Ministerpräsident Romano Prodi empfangen wurde. Der 52-Jährige machte einen gesundheitlich guten Eindruck und umarmte freudig seine Familienangehörigen. "Er wirkte wie ein Boxer, der einen Kampf gewonnen hat: 15 Runden, die 15 Tage gedauert haben", beschrieb die Zeitung "La Repubblica" die Szene. Das italienische Fernsehen übertrug die Heimkehr Mastrogiacomos auf mehreren Kanälen live.

Der Reporter der römischen Zeitung "La Repubblica" war am Montag freigelassen worden. Im Gegenzug soll die Regierung in Kabul mehrere inhaftierte Taliban auf freien Fuß gesetzt haben. Mastrogiacomo beschrieb die Zeit in den Händen der Taliban als ein Martyrium. "Ich war immer an Händen und Füßen gefesselt, während man mich kreuz und quer durch die südliche Provinz Helmand schleppte." Sein Fahrer war wenige Tage nach dem Kidnapping vor Mastrogiacomos Augen ermordet worden.

phw/dpa/reuters



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