Fehlkonstruktion: Neue Marineboote taugen nicht zur Piratenjagd

Deutsche Marinesoldaten: Kritik an mangelhafter Ausrüstung Zur Großansicht
DPA

Deutsche Marinesoldaten: Kritik an mangelhafter Ausrüstung

Am Horn von Afrika patrouilliert die Deutsche Marine und schützt Handelsschiffe vor Überfällen von Piraten. Neue Fregatten sollten den Soldatentruppen eigentlich mehr Schlagkraft verleihen. Doch nach SPIEGEL-Informationen erweisen sich die Beiboote als Fehlkonstruktionen.

Hamburg - Vor Somalia verbreiten Piraten seit einigen Jahren Angst und Schrecken. Die Gangster kapern Handelsschiffe, plündern die Ladung, fordern Lösegeld für die Besatzungen. An der Verbrechensbekämpfung beteiligt sich auch die Deutsche Marine. Unter den spezialisierten Einsatzkräften wird jetzt Kritik laut - sie beklagen nach SPIEGEL-Informationen haarsträubende Fehler bei den neuen Fregatten.

Die schnellen Beiboote an Bord der 660 Millionen Euro teuren Schiffe, mit denen Piraten verfolgt werden sollen, haben demnach gravierende Schwachstellen:

  • Die Aufbauten der Antennenanlagen würden derart hoch emporragen, dass man nur schlecht an ein entführtes Schiff anlegen könne.

  • Wegen der starken Strahlenbelastung durch die Funkgeräte seien die hinteren Sitze in den zehn Meter langen Schlauchbooten unbenutzbar.

  • Tests mit dem Prototyp hätten ergeben, dass voll ausgerüstete Soldaten nicht durch den Mittelgang passten.

Die Spezialkräfte drängen nun auf einen Baustopp für die Fregatten. Die Marine hat 16 Beiboote für insgesamt 13 Millionen Euro bestellt. Je vier davon sollen unter Deck der neuen Fregatten der Klasse 125 untergebracht werden.

Das Verteidigungsministerium bestätigt die von den Spezialkräften geäußerte Kritik: Man habe darauf bereits mit einigen Anpassungen der Boote reagiert. Alle Forderungen ließen sich allerdings nicht erfüllen - derartige Einsatzboote seien nicht erhältlich.

413 Millionen Dollar Lösegeld seit 2005

Welchen Schaden die Piraten am Horn von Afrika bereits angerichtet haben, zeigte am Samstag eine Studie von Weltbank, Uno und Interpol. Demnach sind die Freibeuter nicht nur eine Bedrohung für die Sicherheit vor Ort, sondern auch für die Weltwirtschaft.

Zwischen 2005 und 2012 sind laut der Analyse bis zu 413 Millionen Dollar Lösegeld geflossen, durchschnittlich 2,7 Millionen Dollar pro Überfall. Seit 2011 seien die Angriffe allerdings zurückgegangen. Die Macher der Studie führen das auf verstärkte Militäraktionen zurück - bei denen unter anderem die Deutsche Marine auf Piratenjagd geht.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 76 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. was solls
matz-bam 03.11.2013
Zitat von sysopNeue Marine-Boote taugen nicht zur Piratenjagd... Deutsche Marine beklagt schlechte Ausrüstung für Piratenjagd - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/deutsche-marine-beklagt-schlechte-ausruestung-fuer-piratenjagd-a-931444.html)
die sind eh unter der 5% hürde geblieben.also keine harten massnahmen nötig.
2. Fehlkonstruktion !
Werder 03.11.2013
Offenbar gibt es nur noch Fehlkonstruktionen, jedenfalls dann, wenn Bund oder Land die Finger drin haben. Und je größer, teurer und spektakulärer ein Objekt, je eher geht es den Bach runter. Wenn es nicht zu Lasten der Steuerzahler ginge, könnte man sich darüber amüsieren, dass dieses Land zur Lachnummer verkommt.
3. Nato - Ziege Ford
pförtner 03.11.2013
Bei der Bundeswehr gibtb es selten etwas was funktioniert. Schon 1959 war es so ! Die " Natoziege " Ford -Lkw, warf im Gelände uns Soldaten heftig durcheinander. Wegen der mitgeführten Gewehre war das nicht auf die leichte Schulter zu nehmen!
4. Strahlenbelastung ??
mikaiser 03.11.2013
Die hinteren Sitze sind wegen der Strahlenbelastung nicht zu benutzen? Räusper... Werden die Funkwellen im Fahrtwind nach hinten geweht oder weshalb ist das so? Die Anschuldigung ist derartig ungewöhnlich, dass ich gerne genauere Infos hätte.
5.
Peick 03.11.2013
Hat die Berichterstattung über den EuroHawk dermaßen Spaß gemacht, dass man jetzt nach weiteren Skandalen sucht? Entschuldigung, aber keiner stoppt den Bau einer Fregatte, weil deren Beiboote nicht an Piratenschiffen anlegen können. Die restlichen Anschuldigungen hat sich der Autor doch aus dem Allerwertesten gezogen, genauso wie die letzten Absätze, die mit dem Thema wenig zu tun haben.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Moderne Piraten
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 76 Kommentare
  • Zur Startseite
Mehr dazu im SPIEGEL

Fotostrecke
Fotostrecke: Piraten am Horn von Afrika