Offener Brief an den Bundestag: Prominente fordern volle Rechte für Homo-Paare

Unterschriftenaktion: Promis für die Homo-Ehe Fotos
AFP

Ein Student aus Berlin hat einen Aufruf zur uneingeschränkten Freigabe der homosexuellen Ehe gestartet. Jetzt geht seine Initiative in den Bundestag. Unterschrieben haben deutsche Prominente und Intellektuelle - von Bela B. bis Günter Grass.

Berlin - Martin Walser ist dabei. Günter Grass ebenso. Auch Jasmin Tabatabai hat unterschrieben. Im Briefkasten des Bundestags landet an diesem Montagvormittag ein bemerkenswertes Schreiben, in dem eine ganze Reihe von Prominenten und Vordenkern ein klares Bekenntnis zur gleichgeschlechtlichen Ehe ablegen: "Stellt gleich, was gleich ist!"

Abgegeben hat den offenen Brief Martin Speer - per Fahrrad. Der 26-Jährige ist Student, Start-up-Gründer und Initiator der Aktion, mit der er binnen weniger Wochen die Zustimmung von Schauspielern, Schriftstellern und Hochschulpräsidenten aus der ganzen Republik gewinnen konnte. "Ziel der Initiative ist die vollständige Öffnung der Ehe, unabhängig von Geschlecht und Rollenbild", sagt Speer.

Vor rund anderthalb Monaten hatte der junge Wahlberliner genug. Genug von festgefahrenen Diskussionen über die gleichgeschlechtliche Ehe. Genug vom parteipolitischen Taktieren rund um das Reizthema: "Da habe ich gedacht: Warum nicht selbst etwas bewegen? Es ist menschlich nicht richtig, die Liebe zu klassifizieren. Liebe ist eben nicht backförmchenkompartibel. Trotzdem pressen wir sie als Gesellschaft weiterhin in ideologieüberfrachtete Backformen."

Also setzte sich Grünen-Mitglied Speer an seinen Computer, nahm Telefon und Briefpapier zur Hand - und suchte nach prominenten Unterstützern. Die Auseinandersetzung über die Gleichstellung ist für ihn auch ein Generationenkonflikt. "Daher freut es mich besonders, dass ich auch von Personen, die frühere Generationen entscheidend geprägt haben, so schnell Unterstützung erfahren habe". Günter Grass und Martin Walser zum Beispiel hätten nicht gezögert, sondern den Aufruf sofort unterstützt.

Noch am Wochenende vor der Abgabe hatten sich die letzten Unterzeichner unter den Aufruf setzen lassen. Sie komplettieren eine bunt gewürfelte Liste, von der Theatergröße bis zum Schlagerstar ist alles dabei. Sie alle haben sich Martin Speers Losung angeschlossen: "Die Zeit ist reif, die Liebe so zu akzeptieren, wie sie ist: frei."


Den vollständigen offenen Brief an den Bundestag finden Sie hier.


Hier geht es zur Liste der Unterzeichner.

jok

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insgesamt 270 Beiträge
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1.
thomas.b 13.05.2013
Ich habe nie verstanden, was es (abgesehen von fehlgeleitetem Religionsgedusel) für eine Diskussion um das Thema gibt. Ich denke, unser Grundgesetz gibt da schon einen recht eindeutigen Gleichheitsgrundsatz vor.
2. Mit 26
wackerdurchsaufen 13.05.2013
... hat man offensichtlich so wenig Ahnung vom Leben, dass man "Ehe" noch mit "Liebe" gleichsetzt. Zur Fortbildung des Herrn Initiators: Die Ehe wird nicht deshalb gefördert, weil die Liebe unfrei sein ist. Sie können lieben wen Sie wollen, wo Sie wollen und wieviele Sie wollen. Vielleicht sollten Sie das dann auch einfach mal tun, anstatt schon mit 26 an fortgeschrittener political correctness zu veröden.
3. Gleiche Rechte ja - aber durch Abschaffung der Privilegien von Ehepaare
Velociped 13.05.2013
Es ist richtig, dass die Privilegien von unverheirateten Ehepaaren unbegründet sind. Homosexuelle Paare können sich da zu Recht über die Ungleichbehandlung beschweren. Allerdings sollten die Privilegien abgeschafft und nicht auf homosexulle Paare ausgeweitet werden. Wiese werden Alleinerziehende, die mit fast oder ganz erwachsenen Kindern zusammen leben, stärker besteuert als verheiratete Paare - ob homo- oder heterosexuell? Warum wird das Leben mit Partner subventioniert aber das Zusammenleben mit einem Elternteil im Alter nicht? Warum wird das Zusammenleben als Paar subventioniert - das Zusammenleben in einer Kommune mit mehr als 2 Personen nicht? Die Steuerprivilegien sollten abgeschafft werden - dann wird niemand mehr diskriminiert. Die Besteuerung soll berücksichtigen, wenn Kinder versorgt werden - nicht wer mit wem verheiratet oder sonstwie verbunden ist. Daher geht der Aufruf der "Prominenten" in die falsche Richtung.
4. Wer Kinder hat, wird benachteiligt
schockschwerenot 13.05.2013
"Stellt gleich, was gleich ist!". Sehr schön, das kann ich nur unterstreichen. Dann lasst bitte auch die Kinderlosen, ob sie nun homosexuell sind oder nicht, mehr für ihre Rente zahlen. Denn sie nehmen, wo sie nicht gesäht haben.
5. Völlig Wurst,
joergimausi 13.05.2013
ob Prominente da unterzeichnet haben: auch deren Stimme zählt nur einfach. Gott sei Dank. Aber da wir ja nicht von einer Regierung regiert werden, die den Souverän repräsentiert, sondern von Hanswursten und Kasperlköpfen, die alles machen nur um den "Prominenten und Vordenkern" (wenn Grass so einer ist, dann gute Nacht ...) zu gefallen. Denn die Hampelmänner schaffen Quoten und Quoten schaffen (getürkte) Wahlergebnisse. Ich bin nicht für die Gleichstellung von Homo-Ehe und echter Ehe. Mir völlig egal wie viele Hampelmänner ihren Kaiser-Wilhelm unter irgendeinen Wisch setzen.
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