Piratenabwehr Deutsche Reeder fordern schnelle Bewaffnung ihrer Schiffe

Die deutschen Reeder wollen ihre Schiffe mit eigenen bewaffneten Schutzmannschaften vor Piraten schützen. Sie forderten den Bundestag dazu auf, ihnen möglichst schnell die Bewaffnung von Handelsschiffen zu erlauben - damit sie schon Anfang 2013 zugelassen werden können.

Britischer Soldat im Piraten-Kampf: Deutsche Reeder wollen Schutz selbst organisieren
REUTERS

Britischer Soldat im Piraten-Kampf: Deutsche Reeder wollen Schutz selbst organisieren


Berlin - Die deutschen Reeder wollen schon lange den Schutz ihrer Handelsschiffe in die eigenen Hände nehmen: Seit langem appellieren sie an die Bundesregierung, endlich die gesetzlichen Grundlagen für bewaffnete Sicherheitsleute an Bord zu schaffen. Jetzt legen die Schiffseigner nach und fordern den Bundestag auf, dem Gesetzentwurf möglichst rasch eine Verordnung nachzuschieben.

"Die Verordnung muss so rasch wie möglich kommen, damit die Unternehmen im Januar 2013 die Zulassung beantragen können", sagte Ralf Nagel, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR) der "Wirtschaftswoche". Nagel bezieht sich damit auf einen Gesetzentwurf der Bundesregierung von Mitte Juli, der vom Kabinett bereits verabschiedet wurde.

Neuregelung von 2013 an

Das Gesetz soll für den Einsatz privater bewaffneter Sicherheitskräfte eine rechtliche Grundlage schaffen. Demnach dürfen solche Schutzmannschaften künftig Gewehre und halbautomatische Waffen einsetzen, nicht aber vollautomatische oder Kriegswaffen. Was noch fehlt, ist eine Verordnung, die die Umsetzung regelt: Entsprechende Sicherheitsfirmen müssen zertifiziert werden, was aber erst möglich ist, wenn die Verordnung gilt. Die deutschen Reeder sind von Mai 2013 an verpflichtet, nur noch derartig "zertifizierte" Unternehmen anzuheuern.

Nach Angaben des Reeder-Verbands ist die eigene Bewaffnung das effektivste Mittel zur Abwehr. "Noch nie ist ein Schiff gekapert worden, das bewaffnete Kräfte an Bord hatte", sagte Nagel der Zeitung. Allerdings ist die Zahl der Piratenüberfälle auf hoher See nach Expertenangaben mittlerweile rückläufig.

Nur 500 von 3800 Schiffen fahren unter deutscher Flagge

Seit Jahren greifen somalische Piraten am Horn von Afrika immer wieder Schiffe an, die die Küste passieren. "Allein in diesem Jahr haben die Piraten vor Somalia schon 70 Schiffe attackiert. Derzeit halten sie elf Frachter mit insgesamt 188 Geiseln fest", teilte der Reeder-Verband mit. Auch im Golf von Guinea vor der Küste des westafrikanischen Staates Nigeria müssten sich Handelsschiffe inzwischen vor Überfällen schützen.

Die deutsche Handelsflotte ist mit fast 3800 Schiffen die drittgrößte der Welt, allerdings fahren die meisten unter anderer Flagge. Wenn die Reeder ihre Schiffe in Ländern wie Panama, Liberia oder den Bahamas registrieren, können sie durch geringere Steuern, niedrigere Lohnkosten und zuweilen auch einfachere Standards die Kosten senken - und sie können bewaffnete Sicherheitskräfte engagieren. Die Neuregelung gilt also nur für die knapp 500 Handelsschiffe, die unter deutscher Flagge fahren.

nck/dpa



insgesamt 159 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
auweia 01.09.2012
1. Warum nicht?
Zitat von sysopDPADie deutschen Reeder wollen ihre Schiffe mit eigenen bewaffneten Schutzmannschaften vor Piraten schützen. Sie forderten den Bundestag dazu auf, ihnen möglichst schnell die Bewaffnung von Handelsschiffen zu erlauben - damit sie schon Anfang 2013 zugelassen werden können. Deutsche Reeder wollen Waffen gegen Piraten einsetzen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,853343,00.html)
Es scheint mir die effizienteste und günstigste Lösung. Zu Zeiten der "Oostindischen Compagny" sind die Handelsschiffe auch bewaffnet gewesen zum Schutz gegen Piraten. Später wurden sie von Kriegsschiffen geschützt. Diese Lösung ist heute leider finanziell nicht mehr darstellbar, Konvois brauchen zuviel Organisationszeit. Also her mit den Sicherheitskräften. Das schafft ja auch Arbeitsplätze...
Fuinlhach 01.09.2012
2.
Oh ja, bitte! Wie wir alle wissen hatte die Hanse damals im Mittelalter schon die gleiche Idee. Funktionierte prima... wie man es nimmt halt. Was wird es denn an Bewaffnung geben? Bliden? Bombarden? Gut genug eigentlich um vom Vordeck aus eine Schlauchbootbesatzung (das Schlauchboot, berüchtigter als eine Pinasse, es ist schnell, wendig und kann sich anschleichen in der Nacht, in der Dunkelheit) nieder zu kartätschen. Wird es auch Kaperbriefe wieder geben? Und Prisengerichte? Oder eher so modernes Zeug? Torpedos? Raketen? Oh boy, oh boy! Die Waffenlieferanten und die Waffenlobby wird just in diesem Augenblick bei Merkel sein und ihr in den Ohren liegen das zuzulassen. Man denke nur an die ganzen Arbeitsplätze!
Wolffpack 01.09.2012
3. ...
Zitat von FuinlhachOh ja, bitte! Wie wir alle wissen hatte die Hanse damals im Mittelalter schon die gleiche Idee. Funktionierte prima... wie man es nimmt halt. Was wird es denn an Bewaffnung geben? Bliden? Bombarden? Gut genug eigentlich um vom Vordeck aus eine Schlauchbootbesatzung (das Schlauchboot, berüchtigter als eine Pinasse, es ist schnell, wendig und kann sich anschleichen in der Nacht, in der Dunkelheit) nieder zu kartätschen. Wird es auch Kaperbriefe wieder geben? Und Prisengerichte? Oder eher so modernes Zeug? Torpedos? Raketen? Oh boy, oh boy! Die Waffenlieferanten und die Waffenlobby wird just in diesem Augenblick bei Merkel sein und ihr in den Ohren liegen das zuzulassen. Man denke nur an die ganzen Arbeitsplätze!
Was für ein dummes Geschwätz ist das denn? Ihnen wärs vermutlich lieber wenn die Schiffsmannschaft dann erschossen / gekidnapt wird anstatt sich wehren zu dürfen. Macht Sinn. Das Problem der Piraten ist da, ob sie das gerne hätten oder nicht.
akmsu74 01.09.2012
4.
Dann sollten die Herren Reeder vielleicht erst mal wieder anfangen, unter deutscher Flagge und mit deutschen Mannschaften zu fahren ... oder gleich in die Flagg-Staaten umsiedeln. DORT gäbe es sicher auch keine Probleme mit der Bewaffnung. Davon abgesehen - was soll so eine Schutztruppe ohne Kriegswaffen denn bitte gegen Raketenwerfer, Maschinengewehre und Kalaschnikows machen? WENN schon, dann richtig! Also schwere MG und Scharfschützengewehre (12,7 mm) und gelenkte Raketen! ...und keine Gefangenen.
sangerman 01.09.2012
5. wieso
nicht einfach 2-4 30mm Gatlings und Ruhe ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.