S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal Chantalle, zieh die Burka an

In Dresden demonstrieren jeden Montag Tausende gegen den Untergang des Abendlandes. Dabei könnte ein wenig Islamisierung dem Osten guttun.

Eine Kolumne von


Der Verschwörungsjournalist Udo Ulfkotte hat jetzt seine eigene Protestbewegung. Jeden Montag ziehen in Dresden ein paar Tausend Menschen los. Sie haben das Versprechen abgegeben, nicht mit der Mainstream-Presse zu reden, weil: Die verdreht einem ja das Wort im Mund. Auch in Kassel, Düsseldorf und anderen Städten haben sich erste Protestzüge gebildet, die tapfer an jedem Mikrofon und jeder Kamera vorbeimarschieren.

Neben der Wut auf die Lügenpresse verbindet die Demonstranten die Angst vor den Muslimen. Muslime sind noch schlimmer als gekaufte Journalisten, weshalb sich die Bewegung auch nicht "Empörte Bürger gegen die Manipulation durch die Medien", sondern "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" nennt. Es wäre interessant zu erfahren, was nach Ansicht von Leuten, die mehrheitlich nie getauft wurden, das christliche Abendland ausmacht. Da die Demonstranten aber nicht mit der Presse reden, ist man hier leider auf Vermutungen angewiesen.

Was man mit Sicherheit sagen kann, ist, dass die Teilnehmer sehr klare Vorstellungen vom Islam haben. Wie es heißt, wollen sie verhindern, dass ihre Enkel in einer Burka durch Dresden laufen müssen und in Deutschland statt dem Bürgerlichen Gesetzbuch demnächst die Scharia gilt. Außerdem haben sie es satt, wie sie sagen, dass die Asylanten alles bekommen, während sich der normale Rentner nicht mal mehr einen Christstollen leisten könne. Keine Ahnung, was in Dresden schiefgelaufen ist, anderswo gehören die Rentner zu den Gewinnern der Wiedervereinigung.

Ich bin auch gegen den IS-Terror und die Errichtung eines Kalifats im Nahen Osten. Aber ich kann nicht erkennen, was eine Demonstration in Kassel oder Dresden dagegen ausrichten soll. Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, mit dem Spuk fertigzuwerden, sind Drohnen und ein paar amerikanische Eliteeinheiten, die dem Salafisten zeigen, wo der Eingang in den Märtyrerhimmel liegt. Leider haben die meisten Demonstranten auch etwas gegen die Amerikaner.

Die Mehrheit ist gegenüber Fremden gelassen

In vielen Redaktionen dienen die Demonstrationen als Beleg, wie fremdenfeindlich die Deutschen sind. Ich sehe sie eher als Beweis, dass man sich vor allem fürchten kann, auch vor eingebildeten Gefahren. Die eindrucksvollste Moschee, die es in Dresden gibt, ist in Wahrheit ein Fabrikgebäude. Vielleicht würde ein wenig Islamisierung der Stadt sogar guttun, dann wären jedenfalls diese seltsamen rot gefärbten Haare, die im Osten die Jeansjacke ersetzt haben, unter einem Kopftuch verschwunden.

Tatsächlich ist die Mehrheit der Deutschen, was die Fremden in ihrer Mitte angeht, relativ gelassen. Zwei Drittel sagen, dass sie Asylbewerbern auch persönlich helfen würden - das ist nicht gerade das, was man von Fremdenfeinden erwarten sollte. Für die meisten reicht es, dass jemand Deutsch kann, um dazuzugehören: Nur eine Minderheit findet noch, dass auch die Herkunft wichtig ist. Dass viele Bürger den Eindruck haben, dass muslimische Eltern weniger für die Bildung ihrer Kinder tun, ist kein böses Vorurteil, sondern entspricht den Tatsachen.

Was die Bürger nicht leiden können, ist, wenn sie den Eindruck bekommen, dass ihre Gutmütigkeit ausgenutzt wird. Oder man ihnen ein X für ein U vorzumachen versucht. Natürlich hat die CSU recht, wenn sie es für wünschenswert hält, dass in Einwandererfamilien deutsch gesprochen wird. Es ist deutlich schwerer, eine Sprache richtig zu lernen, wenn man sie nur in der Schule spricht.

In der Lächerlichmachung des Vorstoßes zeigt sich das Abgrenzungsbedürfnis eines Milieus, das geradezu zwanghaft seine Weltläufigkeit unter Beweis stellen muss, in dem man über die Provinzialität der CSU spottet und in dem die eigenen Kinder selbstverständlich schon im Babyalter mit fremden Sprachen traktiert werden.

Man würde gerne sehen, was passiert, wenn die Tochter oder der Sohn eines Tages jemanden mit nach Hause brächte, der sich auch nach Ende der Schulzeit nur radebrechend auf Deutsch verständlich machen kann. Leider ist diese soziale Grenzerfahrung nahezu ausgeschlossen, da Menschen, die ihre Kinder zum Studium um die Welt schicken, mit Einwanderern, deren Nachwuchs über die neunte Klasse nicht hinauskommt, allenfalls beim Gemüsekauf zusammenstoßen.

Vielleicht sollte die CSU beim nächsten Mal in ihrem Leitantrag ein soziales Jahr für jeden Angehörigen eines Akademikerhaushalts an einer deutschen Hauptschule verlangen. Dann wüssten die Leute, die sich jetzt über die angebliche Weltfremdheit des bayerischen Sprachvorschlags echauffieren, wenigstens, wovon sie reden.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 282 Beiträge
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Seite 1
darthmax 09.12.2014
1. Sicherlich
ist es lächerlich, Angst vor dem Islam zu haben. Fest steht aber, dass wenn man Ihn reformieren will und den Koran nicht als dass von Gott selbst diktierte Buch anerkennt, man nicht nur in jedem islamischen Staat um sein Leben fürchten muss, sondern auch bei uns. Da reichten harmlose Karrikaturen, die dann nicht mehr von der Presse gezeigt wurden . Angst ? Es ist albern anzunehmen, dass wenn im Westen eine Koran light Version formuliert wird, diese weltweit Anerkennung findet. Wir müssen deshalb keine Angst haben, ein bisschen Vorsicht ist aber angebracht, schliesslich kommen Isis Kämpfer aus Deutschland und die stellen auch bei uns den Koran über das Grundgesetz.
erasmus89 09.12.2014
2. Die CSU
zu verteidigen passt ganz zu ihnen. Meine Schwester hat seit ihrer Einschulung eine türkische Freundin namens Cigdem, bei der zu Hause immer türkisch gesprochen wurde. Die Freundschaft war aber so innig, dass beide alles gemeinsam angingen. Sie gingen gemeinsam auf die Grundschule, die Realschule und schließlich auf das Gymnasium. Cigdem studierte gegen den Wunsch ihrer Familie dann Physik und Mathematik. Heute ist Cigdem mit einem Deutschen verheiratet und ist Gymnasiallehrerin und bildet den deutschen Nachwuchs aus. Ganz ohne die idiotischen Vorschläge der Analphabeten in Bayern.
crazy_swayze 09.12.2014
3.
Ganz große Klasse Herr Fleischhauer, sie treffen den Nagel heut wieder mal auf den Kopf.
Darkqueen 09.12.2014
4.
Es gibt Bilder aus Düsseldorf wo Russland Today Interviews gegeben worden sind , ich finde das schon sehr merkwürdig
kl1678 09.12.2014
5. bedeutung der sprache
Im Grunde ist die Sprache ja auch ziemlich irrelevant. Ein dänischer Wissenschaftler, der in Deutschland ausschließlich in Englisch kommuniziert gehört eher dazu als die Frau mit perfektem Deutsch unter der Burka.
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