Berlin - In anderthalb Jahren wird ein neuer Bundestag gewählt - und noch ist völlig offen, wen die Grünen als Spitzenkandidaten ins Rennen schicken. Im Streit um die wichtige Personalie kann sich die Partei nun an einer aktuellen Umfrage orientieren. Demnach trauen die meisten Bundesbürger Fraktionschef Jürgen Trittin den Job als Spitzenkandidat zu.
In einer Umfrage des "Stern" erklärten 24 Prozent, Trittin sei am ehesten geeignet. Er liegt damit sieben Punkte vor seiner Co-Fraktionschefin Renate Künast, die 17 Prozent erhielt.
Parteichef Cem Özdemir kam auf 16 Prozent. Mit 14 Prozent belegte die gleichberechtigte Parteichefin Claudia Roth innerhalb des Führungsquartetts den letzten Platz. Die meisten Stimmen entfielen allerdings auf eine andere Wahlmöglichkeit: 29 Prozent der Befragten hielten keinen der Vier für geeignet.
In der Grünen-Führung war vor kurzem ein Machtkampf um die Frage entbrannt, wer die Partei als Spitzenkandidat in den nächsten Bundestagswahlkampf führen sollte. Nun könnten die Grünen als erste Partei in Deutschland ihre Top-Kandidaten per Urwahl bestimmen. Die Mitglieder sollen dabei über ein Spitzenduo abstimmen - allerdings nur, wenn es mehr als zwei Kandidaten für die Posten gibt.
Mehrheit lehnt Kandidatenduo ab
Zunächst hatte es Überlegungen gegeben, mit Trittin als alleinigem Spitzenkandidaten in den Wahlkampf zu ziehen. Doch Anfang März hatte Roth diese Pläne durchkreuzt: Sie wagte einen Vorstoß und verkündete ihren Willen zur Kandidatur für die Spitzenrolle im Bundestagwahlkampf 2013. Dabei brachte sie auch die Idee einer Urwahl der Kandidaten ins Spiel.
Als wahrscheinlich gilt, dass sich Trittin ebenfalls für die Spitzenkandidatur bewirbt. Ob auch Künast und Özdemir antreten wollen, ist noch offen. Zudem könnte es mögliche weitere Anwärter geben. In Parteikreisen hieß es, die Bewerbungsfrist für die Doppelspitze solle im September enden.
Roth und Trittin gelten als Favoriten, allerdings sind beide Wortführer des linken Parteiflügels. Eine Grünen-Spitze war stets nicht nur zwischen Mann und Frau aufgeteilt, sondern auch nach Vertretern des linken Flügels und der Realos.
Dass die Grünen unbedingt ein Duo aufstellen wollen, findet in der Bevölkerung wenig Beifall. 62 Prozent der Bürger hätten der "Stern"-Umfrage zufolge gern nur eine Person an der Spitze. Der Ansicht schlossen sich sogar 45 Prozent der Grünen-Wähler an. Für die repräsentative Umfrage wurden im März 1006 Personen befragt.
jok
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