Deutscher Hisbollah-Kämpfer Smyrek ist in Deutschland untergetaucht

Das deutsche Hisbollah-Mitglied Steven Smyrek hält sich an einem unbekannten Ort in Deutschland auf. Der zum Islam konvertierte Deutsche war am Donnerstag im Zuge des Gefangenenaustauschs zwischen der Hisbollah und Israel in Köln frei gekommen.


 Ex-Häftling Smyrek: Im Heimatland untergetaucht
AP

Ex-Häftling Smyrek: Im Heimatland untergetaucht

Berlin - Der freigelassene Steven Smyrek aus Detmold ist nicht wie geplant in den Libanon ausgereist. Der 32-Jährige, der wegen der Vorbereitung eines Selbstmordattentats seit 1997 in israelischer Haft saß, hält sich in Deutschland auf und will auch hier bleiben. Das bestätigte Rainer Lingenthal, Sprecher des Bundesinnenministeriums, am Freitag in Berlin.

Ihm sei nichts von Plänen Smyreks bekannt, Deutschland zu verlassen, sagte Lingenthal. Offen blieb jedoch, ob Smyrek aus eigener Entscheidung in Deutschland bleibt und für wie lange diese Aussage gilt. Medien hatten vermutet, Smyrek könnte bei der Hisbollah im Verdacht stehen, in israelischer Haft Aussagen über die libanesische Miliz gemacht zu haben und wolle deshalb nicht ausreisen. "Gegen Herrn Smyrek läuft in Deutschland kein Verfahren", sagte Lingenthal. "Er weiss, dass er sein Verhalten hier so einrichten muss, dass er nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Das ist ihm sehr klar gemacht worden."

Smyrek, der sich seit seiner Konversion zum Islam Abd el-Karim nennt, ist durch die Jahre in israelischen Gefängnissen weiter radikalisiert worden. Noch vor zwei Wochen hatte Smyrek in einem Fernseh-Interview seine Bereitschaft signalisiert, sich erneut für einen Selbstmordanschlag zu Verfügung zu stellen: "Um die Auszeichnung eines Schahid, eines Märtyrers zu erhalten, würde ich mein Leben geben. Für die Sache, für den Islam, für Allah", sagte er in einem ARD-Interview.

Auf Wunsch der Hisbollah war Smyrek aus israelischer Haft freigekommen und am Donnerstag nach Deutschland gebracht worden, wo der von der Bundesregierung vermittelte Austausch stattfand. Er wurde 1999 wegen Vorbereitung eines Anschlags in Israel zu zehn Jahren Haft verurteilt. Israelischen Medien zufolge hatte Israel seiner Freilassung nur unter der Bedingung zugestimmt, dass er nicht in den Libanon reise.

Lingenthal zufolge entschieden sich vier der von Israel freigelassenen arabischen Gefangenen am Donnerstag gegen den Weiterflug in den Libanon. Sie hätten deutlich gemacht, dass sie in Deutschland Asyl suchten und würden voraussichtlich im Laufe des Freitags entsprechende Anträge stellen. Ein terroristischer oder krimineller Hintergrund der Betroffenen sei dem Ministerium nicht bekannt. Israel hatte im Gegenzug für die Übergabe eines Geschäftsmannes und dreier toter Soldaten durch die Hisbollah rund 30 arabische Gefangene freigelassen und zum Austausch auf den Flughafen Köln-Wahn gebracht. Die meisten flogen direkt weiter in den Libanon. Außerdem wurden 400 Palästinenser freigelassen.

Der Austausch war nach dreijähriger deutscher Vermittlung zu Stande gekommen und hatte auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln-Bonn stattgefunden. Zeitgleich hatte Israel die 400 palästinensischen Gefangenen freigelassen und der Hisbollah die Leichen von etwa 60 Gefallenen übergeben. Die radikale Organisation will mit der Aktion ihren Einfluss in der Region stärken.

In einem zweiten Teil des Abkommens soll in den nächsten Monaten das Schicksal des seit 1986 im Libanon verschollenen israelischen Luftwaffen-Offiziers Ron Arad geklärt werden, der in Israel als Nationalheld verehrt wird. Im Gegenzug sollen weitere palästinensische und andere arabische Gefangene aus Israel freikommen.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.