Hamburger Islamist: Sechs Jahre Haft für deutschen Qaida-Netzwerker

Ahmad S. war ein wichtiger Verbindungsmann für al-Qaida in Europa. Dafür muss der 37-Jährige für sechs Jahre hinter Gitter. Er hatte sich in einem Camp für den Dschihad ausbilden lassen - und später in Verhören vor Anschlägen des Terrornetzwerks auch in Deutschland gewarnt.

Qaida-Unterstützer Ahmad S.: "Geständige Aussagen" des Angeklagten Zur Großansicht
dapd

Qaida-Unterstützer Ahmad S.: "Geständige Aussagen" des Angeklagten

Koblenz - Er sollte für al-Qaida ein Terrornetzwerk in Europa mitaufbauen: Das Koblenzer Oberlandesgericht hat den Deutsch-Afghanen Ahmad S. am Dienstag zu sechs Jahren Haft verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann sich zwischen 2009 und 2010 aktiv im Ausland bei al-Qaida und der Islamischen Bewegung Usbekistan (IBU) engagierte.

"Der Angeklagte wollte am Heiligen Krieg, am Dschihad, teilnehmen", sagte die Vorsitzende Richterin Angelika Blettner. Das Urteil beruhte nach Angaben eines Gerichtssprechers überwiegend auf "geständigen Aussagen" des Angeklagten. Er hatte demnach unter anderem eingeräumt, in einem Ausbildungslager in Pakistan gewesen zu sein.

Man könne jedoch nicht davon ausgehen, dass sich der 37-Jährige an Kampfhandlungen und Anschlägen beteiligt habe. In Telefongesprächen habe er zwar Sätze gesagt wie: "Wenn wir Ungläubige finden, dann werden wir sie durchlöchern." Das zeige aber nicht, dass er auch wirklich gekämpft habe, sagte Richterin Blettner.

Nach Auffassung des Gerichts reiste Ahmad S. 2009 mit der sogenannten Hamburger Reisegruppe nach Pakistan, um in den gewaltsamen "Heiligen Krieg" gegen US-Soldaten in Afghanistan zu ziehen. Er wurde in Trainingslagern von IBU und al-Qaida an Waffen ausgebildet und wirkte an einem Propagandafilm mit.

Westlicher Lebensstil als Tarnung in Deutschland

Er erhielt laut Richterin den Auftrag, nach Deutschland zu reisen, einen westlichen Lebensstil zu pflegen und sich für weitere, nicht näher benannte Aufträge bereitzuhalten. "Man kann hier durchaus auch den Begriff Schläfer verwenden", sagte Blettner. Bevor er jedoch in seine langjährige Heimat reisen konnte, wurde er im Juli 2010 in Kabul in US-Gewahrsam genommen.

Seit April 2011 saß er in Deutschland in Untersuchungshaft. In den Verhören hatte er über Anschlagspläne der Qaida in Westeuropa berichtet, was das Bundesinnenministerium zu einer eindringlichen Terrorwarnung veranlasst hatte.

Die Bundesanwaltschaft, die siebeneinhalb Jahre gefordert hatte, begrüßte das Urteil wegen Mitgliedschaft in Terrornetzwerken. Verteidiger Michael Rosenthal erklärte: "Das ist ein Urteil, mit dem man leben kann." Die Bundesanwaltschaft hatte für Ahmad S. siebeneinhalb Jahre Haft gefordert, die Verteidigung vier Jahre. Rund die Hälfte der Strafe hat Ahmad S. bereits verbüßt.

jok/dpa/dapd/Reuters

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