Deutsches Integrationsbarometer Schönwetter zwischen den Kulturen

Die Integration von Ausländern gelingt besser als gedacht. Das sagen die Mitglieder eines neu gegründeten Sachverständigenrats. Weitere überraschende Erkenntnis: Zuwanderer sind mit dem Leben in Deutschland etwas zufriedener als die Einheimischen.

Namensschilder in einer hessischen Schule: Gute Noten für Integration
dpa

Namensschilder in einer hessischen Schule: Gute Noten für Integration

Von Michael Kieffer


Berlin - Es gibt keinen Grund zum Jubeln, aber auch für Gejammer besteht kein Anlass. In den Augen von Migrationsforscher Klaus Bade steht fest: Das Zusammenleben Deutscher und Einwanderer wird oft schlechtgeredet. Bade ist Vorsitzender eines im Jahr 2008 von mehreren Stiftungen gegründeten Sachverständigenrats für Integration und Migration. Am Mittwoch legte das Gremium sein erstes Jahresgutachten vor.

Fazit: Das Integrationsbarometer steht auf Schönwetter.

Bei Integration gehe es nicht um Grundsatzfragen, sondern um pragmatische Dinge, sagt Bade. Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, bessere Bildungs- und Aufstiegschancen, Abbau von Diskriminierung - diese Dinge seien es, für die sich sowohl Bürger mit als auch ohne ausländische Wurzeln interessierten. "Die Leute im Alltag hören den Blitz und Donner unserer publizistischen Diskurse überhaupt nicht, sie leben vor sich hin und sie machen das verdammt gut", meint Bade.

Die Experten fragten telefonisch mehr als 5600 Menschen, was sie über das Integrationsgeschehen denken. Die Ergebnisse sollen repräsentativ für Westdeutschland sein - dort leben den Sachverständigen zufolge rund 14 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, davon gut sechs Millionen mit ausländischer Staatsbürgerschaft.

Gut jeder zweite Befragte ohne Migrationshintergrund sieht Verbesserungen bei der Integrationspolitik der vergangenen fünf Jahre. Bei den Befragten mit ausländischen Wurzeln liegt dieser Anteil mit 48,2 Prozent auf ähnlich hohem Niveau. Beide Seiten erwarten zu je etwa 50 Prozent weitere Verbesserungen bei der Integration in den nächsten Jahren.

Der Studie zufolge sind Zuwanderer mit Deutschland sogar etwas zufriedener als Menschen ohne ausländische Wurzeln.

  • Nur 4,8 Prozent der Migranten fühlen sich nicht so wohl in Deutschland,
  • in der übrigen Bevölkerung sagten dies 6,5 Prozent der Befragten.

Die Sachverständigen zeigen sich überrascht davon, dass Menschen mit Migrationshintergrund der "Mehrheitsbevölkerung" eher vertrauen, als es die Deutschen untereinander tun.

Migranten geben Deutschland gute Noten

Die Experten geben sich auch mit Blick auf den von ihnen errechneten Integrationsklimaindex optimistisch. Auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 4 (sehr gut) erreicht er bei den Zuwanderern einen Wert von 2,93. In den nächsten Jahren soll der Index immer wieder erhoben werden, um Stimmungsschwankungen feststellen zu können.

Ausgewählt wurden die Befragten in der Rhein-Ruhr-Region, im Rhein-Main-Gebiet und Stuttgart. Ostdeutschland blieb - inklusive Berlin - in der ersten Studie des neu gegründeten Sachverständigenrats außen vor. In Berlin seien die Probleme sehr speziell, sagen die Experten. So liege die Arbeitslosigkeit bei Zuwanderern besonders hoch, weil in Berlin nach der Wiedervereinigung viele Jobs in der Industrie weggefallen seien. Grundsätzlich könne man die Ergebnisse aus Westdeutschland aber auf Ostdeutschland und Berlin übertragen - zumal dort nur gut 800.000 Migranten leben.

Die Politik sei erst mit gewaltiger Verspätung in der Einwanderungsgesellschaft angekommen und habe sich zum Teil nur widerwillig angepasst, sagt Bade. Politiker inszenierten sich selbst, wenn sie Erfolge beim friedlichen Zusammenwachsen der Kulturen für sich beanspruchten. Allerdings habe die Politik umgesteuert.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), lobt sich denn auch prompt für dieses Umsteuern. "Unsere Anstrengungen der vergangenen fünf Jahre haben sich gelohnt", lässt sie eilends mitteilen und verspricht: "Wir müssen dringend die Startchancen von Jugendlichen aus Zuwandererfamilien verbessern." Nötig sei zum Beispiel, junge Migranten gezielt in der Schule zu fördern.

Problemstau bei der Bildung

Denn hier legen die Sachverständigen den Finger in die Wunde. Professor Bade spricht von einem "Problemstau" bei der Bildung. "Von gleichen Bildungschancen (…) von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund kann bislang nicht die Rede sein", sagt er. Es dürfe nicht sein, dass "bildungsorientierte, einkommensstarke Eltern aus der Mehrheitsbevölkerung" ihre Kinder nicht auf ethnisch stark gemischte Schulen schicken wollen. "So lange sich die Einschätzung hält, dass Heterogenität der Schülerschaft und Leistungsfähigkeit der Schule weitgehend unvereinbar sind, so lange wird die soziale Spaltung im Bildungswesen nicht lösbar bekämpft werden können", mahnt Bade.

Die "Mehrheitsbevölkerung", wie die Forscher Bürger ohne ausländische Wurzeln nennen, erwartet von den Zuwanderern übrigens nicht, religiöse und kulturelle Lebensweisen aufzugeben. Diese Forderung wird in dieser Bevölkerungsgruppe nur von etwa jedem Fünften erhoben.

Auch bei den Erwartungen an die Zuwanderer dominiert vielmehr Pragmatismus. Es geht um Dinge wie: sich um Arbeit zu bemühen, einen guten Abschluss anzustreben oder gut Deutsch zu sprechen.



insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
Hardliner 1, 19.05.2010
1. Überrascht nicht
Zitat von sysopDie Integration von Ausländern gelingt besser als gedacht. Das sagen die Mitglieder eines neu gegründeten Sachverständigenrats. Weitere überraschende Erkenntnis: Zuwanderer sind mit dem Leben in Deutschland etwas zufriedener als die Einheimischen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,695605,00.html
Dass Zuwanderer zufriedener sind, überrascht nicht, sind doch die Sozialleistungen in Deutschland im Vergleich zu den Herkunftsländern der Zuwanderer geradezu schlaraffenlandmäßig.
altruist 19.05.2010
2. schönwetter unbrauchbar, realität anders
1. ausländer bleiben ausländer wenn sie sich nicht assimilieren.da hilft auch keine deutsche staatsangehörigkeit. 2.die aussage, dass sie sich etwas zufriedener fühlen als einheimische,ist doch sehr an manipulativ.dann sollen sich die migranten mal vergegenwärtigen,wie es ihnen heute gehen würde,wenn sie da geblieben wären,wo sie herkommen-meistens saudreckig.und dann eine so dünne aussagen. die deutschen werden von der eigenen regierung nur ruhig gestellt,damit es zu keinen sozialen spannungen kommt.aber sie schwelen unter der decke!!! 3.im umkehrschluss kann man auch sagen;die deutschen wären zufriedener, wenn es nur ein drittel an migranten gäbe. die migranten wurden als billige arbeitskräfte von der wirtschaft gerufen,nicht von der bevölkerung!die sozialen lasten aber trägt der steuerzahler.
Zodiac23, 19.05.2010
3. Lüge ist Wahrheit
"Fazit: Das Integrationsbarometer steht auf Schönwetter. ". So langsam nimmt die Pro-MultiKulti-Irrsinn-Staatspropaganda Orwellsche Züge an, nach dem Motto Wahrheit ist Lüge, Krieg ist Frieden. Während die Islamisierung und Kriminalisierung des Landes munter voranschreitet wird verkündet, es ist alles in Ordnung. Ähnlich verschaukelt müssen sich die Menschen in der Sowietunion oder in China gefühlt haben. Ich fasse es nicht.
gsm900, 19.05.2010
4. Dürfen ja auch in "Notwehr" Deutsche erschiessen
Zitat von sysopDie Integration von Ausländern gelingt besser als gedacht. Das sagen die Mitglieder eines neu gegründeten Sachverständigenrats. Weitere überraschende Erkenntnis: Zuwanderer sind mit dem Leben in Deutschland etwas zufriedener als die Einheimischen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,695605,00.html
wie Rainer Sonntag.
verdadera 19.05.2010
5. Alles paletti?
Zitat von sysopDie Integration von Ausländern gelingt besser als gedacht. Das sagen die Mitglieder eines neu gegründeten Sachverständigenrats. Weitere überraschende Erkenntnis: Zuwanderer sind mit dem Leben in Deutschland etwas zufriedener als die Einheimischen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,695605,00.html
Dann ist ja alles prima. Sehe auch kaum probleme bei italienischen, spanischen,osteuropäischen,chinesischen südamerikanischen, ostasiatischen Immigranten. Ob das aber auch auf die aus dem islamischen Bereich eingewanderten Immigranten zutrift bezweifle ich sehr.!!!!
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