Anschläge, Schmierereien, Hetze Innenministerium zählt 2017 mindestens 950 Angriffe auf Muslime

Hetze, Angriffe auf Frauen mit Kopftuch, Schändungen von Moscheen: Im vergangenen Jahr hat es laut Bundesinnenministerium 950 Attacken auf Muslime gegeben. Dabei wurden 33 Menschen verletzt.

Moschee in Berlin (Archivbild)
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Moschee in Berlin (Archivbild)


Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland mindestens 950 Angriffe auf Muslime und muslimische Einrichtungen wie etwa Moscheen. Dies geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, aus der die "Neue Osnabrücker Zeitung" zitierte. Bei diesen Angriffen seien 33 Menschen verletzt worden.

Die Behörden registrierten den Ministeriumsangaben zufolge allein knapp 60 Anschläge, Schmierereien und Schändungen etwa mit Schweineblut, die Moscheen oder sonstigen islamischen Einrichtungen gegolten hätten. In fast allen aktenkundigen Fällen seien die Täter Rechtsextreme gewesen.

Zu den erfassten Straftaten zählen außerdem Hetze gegen Muslime im Netz, Drohbriefe, Angriffe auf Kopftuch tragende Frauen oder auf muslimische Männer auf der Straße, aber auch Sachbeschädigung und Nazi-Schmierereien an Häusern und Moscheen.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, geht davon aus, dass die Statistik nicht alle Delikte erfasst und so die Wirklichkeit nur in Teilen abgebildet wird. Mazyek sprach gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" von einem "großen Dunkelfeld". Polizei und Staatsanwaltschaften seien oft "noch nicht dafür sensibilisiert", weswegen viele Fälle in der Statistik nicht auftauchten. Zudem würden Betroffene häufig keine Anzeige erstatten.

Zum Jahresende entspannte sich die Lage etwas. Den vorläufigen Zahlen zufolge gab es im vierten Quartal 167 registrierte Vorfälle. Dies war deutlich weniger als noch im dritten Quartal mit 288 Vorfällen.

Die Innenexpertin der Linken im Bundestag, Ulla Jelpke, sagte zu dem Rückgang: "Das ist zwar erfreulich, aber kein Grund zur Entwarnung". Jelpke befürchtet mit Blick auf die AfD, dass sich eine muslimfeindliche Stimmung in Deutschland verfestige: "Die Islamhasser haben inzwischen den Sprung von der Straße in den Bundestag geschafft und tragen von der Parlamentstribüne zur Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas gegenüber muslimischem Leben in Deutschland bei."

Da die Behörden Daten zu islamfeindlichen Straftaten erst seit Jahresbeginn 2017 auswerten, gibt es keine Vergleichszahlen aus dem Vorjahr 2016.

Erst vergangene Woche hatte das Innenministerium auf eine Anfrage im Bundestag alarmierende Zahlen zu Angriffen auf Flüchtlingen genannt. Demnach hat es 2017 in Deutschland 2219 Angriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte gegeben. Dabei wurden mehr als 300 Menschen verletzt. Zu den Delikten zählten gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung, Volksverhetzung, Hausfriedensbruch, schwere Brandstiftung und Sprengstoffexplosionen.

oka/dpa



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