Deutschland Sechs von zehn Eingebürgerten behalten alten Pass

Im vergangenen Jahr wurden 112.211 Menschen in Deutschland eingebürgert. 61,4 Prozent davon sind auch Bürger ihrer Herkunftsstaaten geblieben. Das berichtet eine Zeitung unter Berufung auf Behördenangaben.

Einbürgerungsurkunde
DPA

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In Deutschland behalten inzwischen sechs von zehn eingebürgerten Menschen laut Statistischem Bundesamt ihre alte Staatsbürgerschaft. Kein eingebürgerter Syrer, Afghane, Marokkaner oder Nigerianer habe im vergangenen Jahr den Pass seines Herkunftslandes abgegeben, berichtet die Tageszeitung "Die Welt" und beruft sich dabei auf die Behörde.

Demnach haben 68.918 von insgesamt 112.211 eingebürgerten Menschen ihre bisherige Staatsbürgerschaft beibehalten, das sind 61,4 Prozent. Dieser Anteil sei noch nie so hoch gewesen und steige seit 2013 jährlich an.

Einbürgerungen sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die häufigste Form des Erwerbs der deutschen Staatsbürgerschaft. Die Eingebürgerten erhalten ihre deutsche Staatsangehörigkeit auf Dauer. Sie zählen damit nicht mehr zur Gruppe von Ausländern, auch wenn ihre bisherige Staatsbürgerschaft fortbesteht. Für EU-Bürger bestehen bei der Einbürgerung Ausnahmeregeln. Deshalb behielten 99 Prozent der fast 39.000 Eingebürgerten aus Staaten der Europäischen Union ihren alten Pass.

Zudem wird bei der Einbürgerung von Asylberechtigten sowie anerkannten Flüchtlingen darauf verzichtet, die Aufgabe der bisherigen Staatsbürgerschaft zu verlangen, wie die Bundeszentrale für politische Bildung unter Berufung auf das Innenministerium schreibt.

Schließlich sieht das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht eine weitere Ausnahme vor: Bei der Einbürgerung können Menschen ihren alten Pass dann behalten, wenn sie aus Ländern kommen, die es ihren Bürgern nicht oder nur unter besonders schwierigen Bedingungen ermöglichen, ihre bisherige Staatsangehörigkeit aufzugeben. Zu diesen Ländern zählen unter anderem Afghanistan, Algerien, Eritrea, Iran, der Libanon, Marokko, Nigeria und Tunesien.

Von den 2017 eingebürgerten Iranern (2689), Syrern (2479), Afghanen (2400), Marokkanern (2390), Libanesen (1294), Tunesiern (1125), Nigerianern (954) und Algeriern (462) gab laut Statistischem Bundesamt im Vorjahr kein einziger seinen alten Pass ab. Von den 3480 eingebürgerten Irakern behielten demnach 87,8 Prozent ihre alte Staatsbürgerschaft.

Anmerkung: Eine frühere Version dieses Textes enthielt keinen Hinweis auf die Ausnahme im Staatsangehörigkeitsrecht, nach der Menschen ihre bisherige Staatsangehörigkeit behalten können, wenn sie diese nach dem Recht des Staates, aus dem sie stammen, nicht oder nur unter besonders schwierigen Bedingungen aufgeben können. Wir haben den Artikel entsprechend ergänzt.

aar/dpa/Reuters



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