Deutschland-Besuch: Putin in Dresden mit "Mörder"-Rufen empfangen

Russlands Präsident Putin hat seinen zweitägigen Deutschland-Besuch in Dresden begonnen. Überschattet ist die Visite von der Ermordung der regierungskritischen russischen Journalistin Anna Politkowskaja. In Dresden wurde er von Demonstranten empfangen, die "Mörder - Mörder" skandierten.

Dresden - Als die Wagenkolonne des Präsidenten in der Dresdner Altstadt vor dem Schloss eintraf, sah sie sich einer Gruppe von rund 2000 Demonstranten gegenüber. Während Putin ausstieg, schallten ihm "Mörder - Mörder" Rufe entgegen. Ein Demonstrant hielt zudem ein Pappschild mit der Aufschrift in die Luft: "Mörder - du bist hier nicht mehr willkommen".

Putin, Merkel: Aufklärung des Mordes zugesagt
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Putin, Merkel: Aufklärung des Mordes zugesagt

Hintergrund für den Protest ist der Mord an der regierungskritischen Journalistin Anna Politkowskaja am Samstag. Die Bundesregierung hatte die Tat scharf verurteilt. Putins Regierung ist wiederholt wegen ihrer Einflussnahme auf die Medien in die Kritik geraten.

Den Worten Angela Merkels zufolge hat Putin eine Aufklärung des Mordes zugesagt. Er habe deutlich gemacht, "dass alles getan wird, um diesen Mord aufzuklären", sagte Merkel nach dem Treffen mit Putin im Rahmen des deutsch-russischen Gesprächsforums "Petersburger Dialog". Die Kanzlerin zeigte sich erneut "sehr bestürzt" über das Verbrechen. Es sei "selbstverständlich, dass die Pressefreiheit zu einer demokratischen Entwicklung gehört".

Putin verurteilte den Mord an der Journalistin auf einer Pressekonferenz auch öffentlich scharf. Eine solche Tat sei verabscheuungswürdig und völlig inakzeptabel. Sie schade auch Russland. Die Täter müssten ausfindig gemacht und bestraft werden.

Eine feindliche Übernahme des europäischen Luft- und Raumfahrkonzerns EADS schloss Putin heute aus. Er umschrieb den Einstieg einer russischen Staatsbank in das Unternehmen als reine Finanzanlage. Die Aktien hätten sich auf einem niedrigen Kursniveau befunden. Die Bank VTB sei mit knapp fünf Prozent eingestiegen, um auf einen Wiederanstieg zu hoffen. EADS befindet sich wegen der Lieferschwierigkeiten beim Superjumbo A380 in der schwersten Krise seit seiner Gründung. Russland und Europa müssten überlegen, ob sie ihre Kooperationen im Luftfahrtsektor ausweiten, sagte Putin und nannte als Beispiel die Entwicklung von Langstreckenflugzeugen.

Am Beginn des Besuchs hatte ein Besuch im Grünen Gewölbe gestanden. Putin ist das erste ausländische Staatsoberhaupt, das das wiedereröffnete historische Bauwerk besucht hat.

Am Nachmittag wurden vier Vereinbarungen unterzeichnet. Dabei geht es unter anderem um die verstärkte Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten, um die gemeinsame Forschung zum Thema Rohstoffe und um Kooperation im künstlerischen Bereich.

Merkel und Putin wollen nach der Abschlusssitzung des 6. "Petersburger Dialogs" zur deutsch-russischen Zusammenarbeit am Abend intern über kritische Themen reden. Auch die Georgien-Krise und der Atomtest Nordkoreas sollen zur Sprache kommen.

Putin kennt Dresden aus seiner Zeit als Mitarbeiter des sowjetischen Geheimdienstes KGB, für den er hier von 1985 bis 1990 tätig war. Als Russlands Präsident kehrte er 2001 in die Stadt an der Elbe zurück. Im Anschluss an die Dresden-Visite will Putin weiter nach Bayern reisen.

ler/dpa/Reuters/ddp

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