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Demografie: Ostdeutschlands Bevölkerung wächst - in den Großstädten

Fußgängerzone in Leipzig: Vorzeigebeispiel für die Trendwende in Ostdeutschland Zur Großansicht
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Fußgängerzone in Leipzig: Vorzeigebeispiel für die Trendwende in Ostdeutschland

Es ist eine Trendwende: Nach Jahren der Abwanderung wächst die Bevölkerung in den neuen Bundesländern wieder. Von den Zuzügen profitieren vor allem größere Städte. Wer wohin zieht, zeigen diese Karten und Grafiken.

Über viele Jahre war der Osten ein Abwanderungsland. Das aber ist jetzt Geschichte. Erstmals seit 1989 zogen im Jahr 2012 mehr Menschen aus Westdeutschland und dem Ausland in den Osten als von dort weg. Und dieser Trend hält an. Wie eine jetzt vorgelegte Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zeigt, gewinnen vor allem Großstädte wie Leipzig, Jena oder Dresden deutlich Einwohner hinzu.

Für die Untersuchung haben die Forscher das Umzugsverhalten der Bewohner in den ostdeutschen Flächenländern zwischen 2008 und 2013 untersucht. Demnach hat der Zuzug die Zahl der Sterbefälle in etwa jeder zehnten ostdeutschen Gemeinde mehr als ausgeglichen. 120 kleinere Städte und Gemeinden dagegen haben in allen Altersgruppen Einwohner verloren. Vor allem auf dem Land lebende Senioren ziehen häufiger in mittelgroße Städte, um näher an für sie wichtigen Einrichtungen zu leben.

Das Berlin-Institut unterscheidet fünf Altersgruppen, die je nach Lebensphase spezifische Prioritäten setzen, wenn sie einen neuen Wohnort suchen:

  • Bildungswanderer (18 bis 24 Jahre) ziehen vor allem in die Ballungsräume, in Unistädte wie Leipzig, Dresden und Jena - und von dort oftmals weiter, sobald sie den Abschluss in der Tasche haben.

  • Berufswanderer (25 bis 29 Jahre) verlassen als einzige Altersgruppe auch im Jahr 2013 noch häufiger die ostdeutschen Bundesländer ins Ausland oder nach Westdeutschland. Großstädte wie Leipzig und Potsdam sind aber auch für diese Altersgruppe beliebte Ziele.

  • Familienwanderer (30 bis 49 Jahre sowie Kinder unter 18) ziehen zumeist innerhalb einer Region um und bevorzugen ruhigere Lagen, wovon ländliche Gemeinden profitieren.

  • Empty-Nest-Wanderer (50 bis 64 Jahre), deren Kinder aus dem Haus sind, verändern ihren Wohnort vergleichsweise selten, wählen dann aber größere Orte mit einem guten Versorgungsangebot aus.

  • Ruhestandswanderer (64 Jahre und älter) bevorzugen ebenfalls mittelgroße Städte. Sie sind von 2008 bis 2013 mobiler geworden.

Auf den folgenden Grafiken sind diese Wanderungseffekte für jede der Altersgruppen im Detail dargestellt. Die Karten zeigen den Wanderungssaldo aller ostdeutschen Gemeinden im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2013. Rot eingefärbte Gebiete gewinnen unterm Strich Einwohner, blau eingefärbte schrumpfen.

Fasst man die Entwicklungen aller Altersgruppen zusammen, zeigt sich ein altbekannter Trend: "Je zentraler der Ort, desto günstiger der Wanderungssaldo." In Brandenburg ist das eindrucksvoll zu beobachten. Wo Berlin nicht ferner ist als etwa vierzig Kilometer, werden besonders viele Zuzüge verzeichnet. Die meisten anderen Gemeinden hingegen verlieren Einwohner.

Auch Leipzig steht exemplarisch für die ostdeutsche Trendwende. Vor 2008 schrumpfte die Stadt, konnte in den folgenden sechs Jahren aber rund 44.000 Einwohner hinzugewinnen. Die "Renaissance der Städte" ließ auch Dresden, Jena, Erfurt, Magdeburg und Rostock wieder wachsen - der Zuwanderung sei Dank.

Wie viele Menschen zogen aus den Dörfern in die Städte, wie viele aus den Metropolen aufs Land? Die folgenden Grafiken zeigen es für jede Altersgruppe. Die Pfeile innerhalb der Kreise stehen für Umzüge innerhalb Ostdeutschlands. Je dicker ein Pfeil gezeichnet ist, desto mehr Menschen sind von einer Größenklasse in die andere gezogen.

Daraus ergeben sich charakteristische Muster: Während es die Bildungs- und Berufswanderer vor allem in die Großstädte zieht, suchen viele Familienwanderer ihr neues Zuhause in einer mittelgroßen Stadt.

Fotostrecke

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Grafik-Slider: Umzüge zwischen Großstädten und Dörfern
Seit 2013 hat sich die Zuwanderung nach Deutschland generell deutlich verstärkt. Rund 173.000 Menschen haben 2014 in Deutschland erstmals Asyl beantragt, im vergangenen Jahr waren es 442.000. Insgesamt kamen 2015 mehr als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland. Und die Gesamtbevölkerung wächst deutlich - so stark wie seit 1992 nicht mehr.

Die Autoren der Studie halten diesen Zustrom für eine große Chance - gerade für diejenigen Regionen im Osten, die seit Jahren unter starker Abwanderung leiden. Jedoch zeige sich, dass auch Flüchtlinge "aus entlegenen Gebieten in die Zentren weiterziehen", sobald sie das rechtlich können. Kleinere Gemeinden wären dann nur Durchgangsstationen, die Chance also vertan.

Welche Regionen im Jahr 2014 unterm Strich mehr Zuwanderer verzeichneten, zeigen die folgenden interaktiven Karten für die 402 Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands. Überwiegen die Zuzüge, sind die Regionen violett eingefärbt. Sind mehr Menschen fortgezogen, erscheinen sie in gelber bis brauner Farbe.

Im Vergleich zum Zeitraum der Studie (2008 bis 2013) wird schnell deutlich: Die Zeiten haben sich geändert, fast alle Regionen gewinnen mittlerweile Einwohner hinzu. Die Frage wird sein, wo sie langfristig leben werden.

Zuzüge und Fortzüge über die Kreisgrenzen im Jahr 2014


che/mxw

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ein-berliner 26.01.2016
Großstädte wie Leipzig und Potsdam... Wow, ab wann ist in Ostdeutschland eine Stadt groß? Geht das über die Einwohnerzahl oder nur die Konzentration an Millionären?
2. wen wundert es...
Spiegelleserin57 26.01.2016
der Osten ist vergleichsweise immer noch billiger als der Westen und bei niedrigen Gehältern und Renten rechnet sich der Umzug. Der Westen ist definitiv zu teuer fgür diese Bevölkerungsschicht. Dass Ältere nicht aufs Land wollen hat mit der schlechten sozialen Versorgung zu tun da in den Städten Krnakenhäuser sind und auch Altenpflegedienste. Der Westen verliert langsam an Attrativität. In NRW stehen sehr viele Häuser leer , weit mehr wie gebruahct werden aber das Land baut für die Flüchtlinge Häuser. Da sieht man auch wie mal wieder das Geld zum Fenster hinaus geworfen wird. Im Osten ist mir aufgefallen dass auf dem Land der Wandel noch gar nicht so stattgefunden hat und noch viele Häuser so ausschauen wie zur Wende. Der Soli ist dort wohl gar nicht angekommen!
3. es steht doch eindeutig ...
Schoenvogel 26.01.2016
Zitat von ein-berlinerGroßstädte wie Leipzig und Potsdam... Wow, ab wann ist in Ostdeutschland eine Stadt groß? Geht das über die Einwohnerzahl oder nur die Konzentration an Millionären?
es steht doch eindeutig geschrieben, dass die Bevölkerung wächst. Demnach geht es nach der körpergrösse! Grüsse aus der Grossstadt DD
4.
future-trunks 26.01.2016
Zitat von ein-berlinerGroßstädte wie Leipzig und Potsdam... Wow, ab wann ist in Ostdeutschland eine Stadt groß? Geht das über die Einwohnerzahl oder nur die Konzentration an Millionären?
ab 100.000 Einwohner ist eine Stadt Großstadt. ab 1 Mio denn Metropolen. google hätte aber ebenso gut weiterhelfen können wie ich.
5. Großstadt
cologne_sharks 26.01.2016
Per Definition ist eine Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern eine Großstadt. Und so komisch es klingen mag, selbst Trier, Koblenz, Bottrop, Heilbronn, Ulm, Reutlingen, Pforzheim oder Recklinghausen sind Großstädte.
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