Fremdenfeindlichkeit Mehrheit der Deutschen schämt sich für Übergriffe

Eine große Anzahl der Deutschen schämt sich für die gewalttätigen Proteste gegen Flüchtlinge: Laut einer Umfrage sind es 83 Prozent. Merkels Politik halten viele für sinnvoll, aber unrealistisch.

Ausgebrannter Dachstuhl in Bautzen
AP/dpa

Ausgebrannter Dachstuhl in Bautzen


Schüsse auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Sachsen-Anhalt, gewaltsame Pöbeleien im sächsischen Clausnitz, vier Brandanschläge auf eine Unterkunft im Sauerland - die Gewalt gegen Flüchtlinge in Deutschland reißt nicht ab. Laut einer bundesweiten Umfrage des ARD-Deutschlandtrends schämen sich 83 Prozent der Deutschen für diese Taten.

Allerdings: Im Vergleich zu September ist dieser Wert um vier Punkte gesunken. Dennoch fordern 76 Prozent der Befragten in der Umfrage im Auftrag der ARD-Tagesthemen, dass Politiker die Übergriffe stärker verurteilen sollten. Nur 34 Prozent meinen, dass Behörden genug tun, um Ausländer und Flüchtlinge vor fremdenfeindlichen Übergriffen zu schützen - 58 Prozent sind gegenteiliger Auffassung.

Zustimmung der Befragten gibt es für Kanzlerin Angela Merkel, die sich stets und zuletzt im TV-Interview bei "Anne Will" für eine europäische Lösung der Flüchtlingskrise ausspricht. 77 Prozent der Deutschen halten diesen Ansatz für sinnvoll. 20 Prozent sprechen sich für nationale Lösungen aus.

Merkel legt auch in der Beliebtheitsskala um acht Punkte zu. 54 Prozent der Befragten sind mit ihrer Arbeit zufrieden.

Aber: Nur 32 Prozent der Befragten halten eine europäische Lösung der Flüchtlingskrise in naher Zukunft für realisierbar. 64 Prozent halten sie für unrealistisch. 59 Prozent der Bürger sind mit Merkels Asyl- und Flüchtlingspolitik weniger oder gar nicht zufrieden (plus zwei im Vergleich zu Mitte Dezember), 39 Prozent (minus drei) sind zufrieden oder sehr zufrieden.

Unterpunkte der Debatte um Flüchtlingspolitik bewerten die Befragten so:

  • Die Einführung einer nationalen Obergrenze zur Aufnahme von Flüchtlingen wird weiterhin von 63 Prozent der Bevölkerung befürwortet, 33 Prozent lehnen dies ab.
  • Den Einsatz der Nato in der Ägäis finden 51 Prozent der Befragten richtig. 43 Prozent tun dies nicht. Durch das Engagement im Mittelmeer soll verhindert werden, dass Flüchtlinge von der Türkei nach Griechenland gelangen.
  • Beim umstrittenen Thema der Grenzkontrollen innerhalb der EU sind auch die Befragten uneins: 49 Prozent sprechen sich für eine Wiedereinführung aus (minus vier im Vergleich zum Vormonat), 49 Prozent sind dagegen.

In der Sonntagsfrage liegt die Union mit 36 Prozent vorn (plus einen Punkt im Vergleich zum Vormonat). Die SPD kommt auf 23 Prozent (minus eins). Die Linke erreicht 9 Prozent (unverändert), die Grünen 10 Prozent (unverändert). Die FDP kommt auf sechs Prozent (plus eins), die AfD auf 11 Prozent (minus eins).


Für den ARD-Deutschlandtrend wurden vom 26. bis 27. Februar 1005 Bürger befragt, für die Sonntagsfrage sogar 1505. Der Fehlerbereich liegt je nach Anteilswert bei 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten.

vek

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