Suchtgefahr Politiker wollen alkoholfreie Supermarktkassen

Der Handel bietet Schnaps, Wermut oder Wodka in kleinen Fläschchen zum Spontankauf an. Im SPIEGEL fordert die Drogenbeauftragte der Bundesregierung ein Umdenken.

Supermarkt-Kasse
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Eltern kleiner Kinder hassen die engen Gänge vor der Supermarktkasse. Die sogenannte Quengelzone ist wegen ihres Süßwarenangebots gefürchtet. Aber auch Suchtexperten warnen schon lange vor den Gefahren der letzten Meter an der Kasse: Hochprozentige Alkoholika in kleinen Fläschchen stapeln sich dort in den Regalen.

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Heft 17/2018
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Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, ruft den Handel nun zum Umdenken auf. Hochprozentige Alkoholika würden an der Supermarktkasse "sozusagen als Mitnahmeartikel angeboten", sagte die CSU-Politikerin dem SPIEGEL. "Vom Handel würde ich mir an diesem Punkt ganz klar mehr Sensibilität wünschen". (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach sagte dem SPIEGEL, die sogenannte Quengelzone vor den Kassen sei für Menschen mit Suchtproblemen "ein gefährlicher Ort". Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und die gesetzlichen Krankenkassen sollten untersuchen, ob die Zahl der Süchtigen sinken würde, wenn der Kassenbereich frei von Alkoholika bliebe.

Die Grünen fordern, dass der Gesetzgeber handeln müsse. "Wir brauchen eine gesetzliche Regelung, die das Anbieten von Alkohol im Einzelhandel reguliert", sagt Kirsten Kappert-Gonther, drogenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion.

In Deutschland gelten rund 1,77 Millionen Menschen als alkoholabhängig. Nach Angaben der Drogenbeauftragten trinken acht Millionen Menschen mehr Alkohol als ihrer Gesundheit gut tut.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 105 Beiträge
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Seite 1
Sueme 21.04.2018
1.
Ja bitte, unbedingt! Nehmt den Menschen doch noch mehr Eigenverantwortung ab. In dem Zuge aber nicht vergessen Alkoholwerbung..ach was sage ich, Werbung so ganz allgemein zu verbieten, schließlich verleitet die die Menschen auch immer wieder zum kauf von Produkten.
Thorongil 21.04.2018
2. Super!
Wegen der Unfähigkeit irgendwelcher Eltern kriegt man an vielen Kassen keinen Süßkram mehr. Da ist doch so ein 0,04l Jägermeisterfläschchen ideal für zwischendurch! Reicht ja nur bis zum nächsten Kleingeldrentner :-) Was kommt als Nächstes? Saufverbot aufm ALDI-Parkplatz? Muss man die Allgemeinheit Knechten wegen irgendwelchen Assis? Es stellen sich dauernd Leute vor Züge. Ich würde deshalb Züge verbieten.
maphry 21.04.2018
3. Das greift noch viel zu kurz
Es ist erschreckend, wie leichtfertig mit Drogen in Deutschland im öffentlichen Raum umgegangen wird. Und dabei geht es nicht um den legalen oder illegalen Konsum, sondern die offene Werbung. Noch immer werden Zigaretten und Alkohol offen beworben und an Kassen direkt zum Zugriff bereitgestellt. Dies ist ein Zeichen von Rückständigkeit in diesem Land. In anderen Ländern, wie im Vereinigten Königreich, ist man viel weiter. Dort werden die Suchtmittel nicht mehr an der normalen Supermarktkasse verkauft, sondern an einer extra Kasse innerhalb des Supermarktes, wo der Verkäufer erst auf ein en Knopf drücken muss damit die Zigarettenschachteln sichtbar werden. Und überhaupt, warum wird die Altersdiskrimminierung toleriert, das Verkäufer das alter der Käufer schätzen dürfen? Egal ob 18 oder 90, jeder sollte einen Altersnachweis erbringen, wenn er Alkohol oder Zigaretten kauft.
manitoba 21.04.2018
4. Wichtig
Man kann als Bürger gar nicht dankbar genug sein, dass man sich endlich dieses für die geistig-moralische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes außerordentlich wichtigen Themas annimmt.
RedEric 21.04.2018
5. wie bei den Zigaretten
bei den Zigaretten hats auch langsam angefangen. Kleine Warnbildchen sind schon auf Flaschen, nun kommen hier und da kleine Verkaufsverbote und in paar Jahren geht das große piesacken los.
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