Deutschland und die Griechenland-Hilfe Krisenmanager in der Krise

Zögern, zerreden, bloß nichts anpacken: Deutschlands Spitzenpolitiker haben im Griechenland-Drama eine schlechte Figur gemacht - und die Krise womöglich noch verschärft. SPIEGEL ONLINE zeigt die Fehler und Pannen beim Krisenmanagement von Merkel und Co.

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Westerwelle, Merkel und Schäubles Rücken: Krise verschärft?
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Westerwelle, Merkel und Schäubles Rücken: Krise verschärft?

Berlin - Vielleicht sind es 120 Milliarden Euro. Vielleicht aber auch 135. Oder sogar 150 Milliarden. Politiker und Ökonomen überbieten sich mit Summen, die das taumelnde Griechenland in den nächsten drei Jahren angeblich braucht. Fest steht, die Rettung der Hellenen vor der Pleite wird teuer. Und jeder verlorene Tag, auch das ist längst klar, macht alles nur noch schlimmer.

Deutschland ist daran nicht unschuldig, sagen viele Beobachter.

Die Bundesregierung hat gezögert und gezaudert, sich einer raschen Hilfszusage für Athen verweigert. Sie hat die Europäische Union ausgebremst, die dem wankenden Euro-Staat gern schon vor Wochen ein Versprechen gegeben hätte. Die vagen "Ultima-Ratio"-Erklärungen dagegen, durchgeboxt von Kanzlerin Angela Merkel, beruhigten die Märkte nicht: Die Risikoaufschläge für griechische Anleihen steigen in astronomische Höhen, der Euro gerät ins Rutschen, die Krise droht auf Portugal und Spanien überzugreifen. Plötzlich steht die europäische Währungsunion als Ganzes auf dem Spiel.

Die Kritik an der Hinhaltetaktik der Deutschen wird inzwischen immer lauter, daheim genauso wie in Europa. Die Vorwürfe kommen hierzulande nicht nur aus der - ebenfalls taktierenden - Opposition. Auch in den eigenen Reihen gibt es Mahnungen zu einem energischeren Krisenmanagement. "Je schneller eine Entscheidung getroffen wird, umso weniger Schäden entstehen", warnte CDU-Vize Roland Koch am Donnerstag in der "Berliner Zeitung". "Wenn man sieht, eine Entscheidung ist unvermeidlich, muss man sie entschlossen kommunizieren." Eine klare Spitze gegen Angela Merkel.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, oft genug als Sprechpuppe Merkels verspottet, meldete sich ebenfalls mit erhobenem Zeigefinger zu Wort: Die Bemühungen um die Zahlungsfähigkeit Griechenlands seien "gerade auch im Interesse Deutschlands, das eng mit Griechenland verflochten ist", sagte Barroso dem "Hamburger Abendblatt". "Gemeinsame Verantwortung für die Stabilität der Euro-Zone und Solidarität untereinander gehen Hand in Hand."

Genau dieses Bekenntnis zur Solidarität aber kam und kommt Angela Merkel, Guido Westerwelle, Wolfgang Schäuble und Co. schwer über die Lippen.

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Forum - Griechenland-Hilfe - was kommt auf Deutschland zu?
insgesamt 366 Beiträge
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Seite 1
Zinksoldat 23.04.2010
1. Ohne Ende
Was kommt auf Deutschland zu? Es steht doch schon im Artikel. Ein Fass ohne Boden. Wer glaubt denn ernsthaft, dass die Hilfszahlungen Griechenland wieder in eine stabile Lage verhelfen werden? Jeder (Staat), der ständig Schulden aufnimmt, auch Deutschland, überschreitet irgendwann den Punkt, an dem er die Zinsen nicht mehr zahlen kann. Jetzt Griechenland Geld zuzuschieben verschiebt dessen Kollaps nur um ein paar Jahre. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.
ohnewert, 23.04.2010
2.
Zitat von sysopJetzt ist es so weit, Griechenland kapituliert vor den Finanzmärkten: Die Regierung in Athen hat bei ihren Euro-Partnern und beim Internationalen Währungsfonds einen Antrag auf Milliardenkredite gestellt. Was kommt nun auf Deutschland zu?
rausschmeissen aus euroland ... aber nein, für solche betrüger müssen die millarden auch noch überwiesen werden
fsiggi2 23.04.2010
3.
Zitat von sysopJetzt ist es so weit, Griechenland kapituliert vor den Finanzmärkten: Die Regierung in Athen hat bei ihren Euro-Partnern und beim Internationalen Währungsfonds einen Antrag auf Milliardenkredite gestellt. Was kommt nun auf Deutschland zu?
Erst einmal eine Verfassungsbeschwerde. Ein Fall wie Griechenland - so die Aussagen der damaligen Regierung vor dem Bundesverfassungsgericht - könne gar nicht eintreten, weil der Stabilitätspakt das verhindern würde. Die Wirklichkeit hat das nun eindeutig widerlegt. Damit muss Deutschland - nach dem Maastricht Urteil - aus dem Euro wieder austreten. Man darf gespannt sein.
Volker Gretz, 23.04.2010
4.
Zitat von sysopJetzt ist es so weit, Griechenland kapituliert vor den Finanzmärkten: Die Regierung in Athen hat bei ihren Euro-Partnern und beim Internationalen Währungsfonds einen Antrag auf Milliardenkredite gestellt. Was kommt nun auf Deutschland zu?
1. Mehrheit der Menschen in Deutschland wird ärmer 2. Finanzwirtschaft und Rüstungsindustrie steigern Gewinne 3. Sozialsysteme werden weiter abgebaut 4. Theater, Schulen , Schwimmbäder werden geschlossen 5. Schlalöcher werden in Events umbenannt. 6. Privatisierung wird vorangetrieben 7. Politikerinen und Politiker bekommen verstärkt Altersruhesitze in der Wirtschaft 8. Inflation
Harald E, 23.04.2010
5. Ich helfe doch gerne
Zitat von sysopJetzt ist es so weit, Griechenland kapituliert vor den Finanzmärkten: Die Regierung in Athen hat bei ihren Euro-Partnern und beim Internationalen Währungsfonds einen Antrag auf Milliardenkredite gestellt. Was kommt nun auf Deutschland zu?
Da zeitgleich in den Luxusvillen Griechenlands, Italiens, Portugals und Spaniens die Sektkorken knallen, rechne ich damit, innerhalb der nächsten Stunde ein paar laute "Plopp" zu hören. Sonst wird sich nix tun. Den unteren Schichten wirds genommen, den oberen gegeben. Wie gehabt....kennt man ja schon in Merkel-Deutschland.
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