SPIEGEL-Umfrage Zwei Drittel der Deutschen beklagen Rechtsruck und Verrohung 

Die Republik driftet nach rechts, der Ton wird rauer - eine aktuelle SPIEGEL-Umfrage zeigt: Viele Deutsche machen sich Sorgen über das politische Klima in Deutschland.

"ausgehetzt"-Demo in München
LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX/Shutterstock

"ausgehetzt"-Demo in München


Eine Mehrheit der Deutschen ist besorgt über den Kurs, den das Land in den vergangenen Monaten eingeschlagen hat. Das geht aus einer aktuellen SPIEGEL-Umfrage hervor.

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Heft 31/2018
Die Özil-Affäre und das Problem mit der Integration

Demnach beklagen 68 Prozent der Befragten eine Verrohung in der politischen Debatte. Ähnlich fiel das Ergebnis bei der Frage nach einem möglichen Rechtsruck in Deutschland aus. Auf die Frage "Gibt es aktuell einen Rechtsruck in der deutschen Politik?" antworteten 67 Prozent: "Ja, den gibt es." 27 Prozent widersprachen dieser Einschätzung. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

Den Rücktritt von Mesut Özil aus der Nationalelf bedauern dagegen nur 27 Prozent. Viele nehmen ihm auch seine Begründung für diesen Schritt nicht ab. Auf die Frage "Ist der Fußballer Mesut Özil, wie er sagt, respektlos und rassistisch behandelt worden?", antworteten 58 Prozent der Befragten mit Nein.

Die repräsentative Umfrage führte das Meinungsforschungsinstitut Kantar Public am 24. und 25. Juli im Auftrag des SPIEGEL durch. Befragt wurden 1047 Menschen.

Özils Rückzug hat die politische und gesellschaftliche Debatte über Rassismus in Deutschland verschärft. Der in Gelsenkirchen geborene Fußballer von Arsenal London hatte dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Zusammenhang mit seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft unter anderem Rassismus vorgeworfen. Zuvor war Özil im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft wegen eines gemeinsamen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan scharf kritisiert worden. Der DFB hat die Vorwürfe des Spielers zurückgewiesen.

Unter einem neuen Hashtag gegen Alltagsrassismus teilen inzwischen Tausende Menschen auf Twitter ihre Erfahrungen mit Diskriminierung im Alltag. "MeTwo" heißt das Schlagwort, das der Autor und Aktivist Ali Can ins Leben gerufen hat.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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red



insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
knok 27.07.2018
1.
Irgendwie ist das dann sogar wieder beruhigend. 2/3 stellen sich also gegen diese unsägliche Verrohung, gegen Lüge und Hass. Immerhin. Passt ja ganz gut zusammen von den Umfragen her, das sind dann wohl alle die weder die AfD gewählt haben, noch zum rechten Flügel der CDU/CSU-Wähler gehören. Ist ja auch mal schön, wenn die schweigende Mehrheit Haltung gegen den "rechts-blau-braun-versifften Mainstream" zeigt.
Palmstroem 27.07.2018
2. Eigentlich nichts Neues
Schon das Ergebnis der Bundestagswahl hatte ein klares Ergebnis. Allenfalls 20% wählten rechtsaußen. Da muss man aber zu den 13% der AfD schon die Rechtsausleger bei CSU und FDP dazu rechnen. Die übergroße Mehrheit der Deutschen wählten aber die Mitte, trotz der monatelangen Asyldiskussionen in den Medien. Und auch derzeit ist das Thema Migration weit übergewichtet. Es wird höchste Zeit, den Rechtsaußen den Wind aus den Segeln zu nehmen - sie sind nie "das Volk" gewesen.
kenterziege 27.07.2018
3. Bei Umfragen kommt es grundsätzlich auf drei Dinge an
Wer fragt? Wie wird gefragt? Wer bestellt und zahlt für die Umfrage! Inwieweit das Klima rauher geworden ist, lässt sich nur durch Langzeit-Untersuchungen feststellen. Dabei müssen viele, auch unpolitische Felder berücksichtigt werde. Verhalten im Straßenverkehr, Verhalten von Schülern, Verhalten von Fußball-Fans! Vielleicht ist die politische Debatte noch die harmloseste!
StefanKomarek 27.07.2018
4. beklagen?
Die Frage lautete "gibt es einen Rechtsruck. Wieso zählen Sie jetzt jeden, der darauf ja antwortet, als Kläger? Eine zweite Frage: "wie bewerten Sie diesen Rechtsruck (gur/schlecht/egal)?" wurde anscheinend nicht gestellt, Die 15% AfD-Wähler dürften ihn eher bejubeln, vermutlich auch andere konservative Kreise eher begrüßen. Frau Merkels CDU ist nicht die Partei, die ich gerne wählen möchte. Ich würde es begrüßen, wenn die CDU ihren Linksruck wieder rückgängig machen und sich wieder da positionierte , wo sie im 20. Jahrhundert ihre großen Erfolge hatte: im konservativen Lager.
sibbi78 27.07.2018
5. Auch in der Vergangenheit,
bereits kurz nach dem Krieg, gab es latenten Nationalismus in Deutschland, aber auch in den Nachbarländern. Als unsere Familie Anfang der 70er am Hausruckwald urlaubte, wurde ganz offen von AH geschwärmt und die "guten alten Zeiten" vor 1945 wieder herbeigesehnt. Es ist davon auszugehen, dass es - zumindest in Europa - rund 20% rechtsgerichtete Bevölkerungsanteile gibt. Noch einige mehr dürften bei verschiedenen Themen die Kerngebiete der Rechten bejahen. Dennoch sehe ich die Demokratie nicht wirklich gefährdet. Eine Gefährdung tritt allerdings dann ein, wenn eine sich Art "Brexismus" breit macht: Gleichgültigkeit in der Gesellschaft ist der größte Freund der Rechten, nach den üblichen Mitläufern und Scharfmachern. Die Regierung sollte sich mehr um die wahren Bedürfnisse der Bevölkerung kümmern. Die Themen sind bekannt, werden aber lustlos angegangen, wenn überhaupt. Die Bevölkerung dieses Landes ist nicht dumm und merkt sehr schnell, ob Politiker ihre Probleme ernst nehmen oder nicht. Leider sind viele Politiker der Meinung, dass nur sie den totalen Überblick haben und wissen, wie, wann und wo welche Entscheidung die richtige ist. Das erwartet man auch von ihnen - nur sie erfüllen diese Erwartung zu selten. Theater, wie von der CSU kürzlich praktiziert, treiben die Menschen in die rechte Ecke. Auch die CSU sollte wissen, dass sie in der Regierungsverantwortung von ganz Deutschland ist und nicht nur Bayern gegenüber in der Pflicht steht. Die Kanzlerin sollte endlich mehr Politik für das Volk gestalten und nicht nur nach den Geswchichtsbüchern schielen. Und die SPD müsste mehr Mut zeigen und sich nicht noch überflüssiger machen...
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