Obama in Deutschland Festung Berlin

Gullydeckel werden zugeschweißt, Tausende Polizisten patrouillieren durch Berlin, Taucher schwimmen in der Spree: Die Hauptstadt bereitet sich auf den Besuch von Barack Obama kommende Woche vor. Balkons und Dächer entlang seiner Route dürfen auch von Anwohnern nicht betreten werden.

AFP

Von Theresa Breuer und


Berlin/Washington - Wer den US-Präsidenten am Mittwoch aus der Nähe sehen will, braucht Vitamin B: Hunderte Stühle werden für Barack Obamas Rede vor dem Brandenburger Tor aufgestellt, darauf Platz nehmen dürfen aber nur ausgewählte Gäste. Die Berlinerin Ilka Hallmann ist eine der rund 4000 Glücklichen, sie wurde über ein Studentenprogramm eingeladen. "Auch wenn Obama nicht alle Erwartungen erfüllt hat, ist er doch noch immer eine Ikone", sagt die 27-jährige Literaturwissenschaftlerin.

Ab Freitag wird Berlin fast komplett im Zeichen von Obamas Deutschlandreise stehen. Bis dahin haben die Behörden noch viel zu tun, denn - so ist zu hören - die Details über das Besuchsprogramm werden nur tröpfchenweise bekanntgegeben. Fest steht: Es gilt die höchste Sicherheitsstufe.

  • Sicherheitsstufe 1+: Ab Freitag werden alle Orte, an denen sich Obama aufhalten wird, zu Hochsicherheitszonen. Darunter das Ritz-Carlton am Potsdamer Platz, das Schloss Bellevue, das Schloss Charlottenburg und das Gelände rund ums Brandenburger Tor. Dort werden die Straßen gesperrt, Polizeihunde suchen nach Sprengstoff, Gullydeckel werden versiegelt, Mülltonnen aus dem Weg geräumt. In der Spree suchen Taucher nach allem, was verdächtig erscheint.

  • Besuchsprogramm: Fest eingeplant sind ein Empfang bei Bundespräsident Joachim Gauck und ein abendliches Bankett im Schloss Charlottenburg. Die Rede am Brandenburger Tor findet am Mittwochnachmittag statt, nach aktuellem Stand soll sie zwischen 15 und 16.30 Uhr beginnen. Der US-Präsident plant zudem eine Pressekonferenz an der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Anschluss an ihr Treffen im Bundeskanzleramt. Es heißt, Obama wolle auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kennenlernen.

  • Einsatzkräfte: Verantwortlich für die Sicherheit des US-Präsidenten sind das Bundeskriminalamt und die Berliner Polizei. Wo Obama sich aufhält, werden auf den umliegenden Dächern Scharfschützen nach möglichen Attentätern Ausschau halten. Zur Verstärkung hat die Polizei Hundertschaften aus anderen Bundesländern angefordert. Mehrere tausend Polizisten sind im Einsatz, aber wie viele es genau sind, ist geheim. "Wir sind sehr gut aufgestellt", heißt es von der Polizei dazu nur.

  • Anwohner oder Touristen nahe der Obama-Routen müssen Türen und Fenster geschlossen halten - so lautet die polizeiliche Anweisung. Wenn Obama am Dienstag landet, kommt außerdem niemand mehr in die abgesperrten Bereiche, der nicht "berechtigtes Interesse" daran hat - also Anwohner und Personen, die in der Nähe ihr Büro haben. Rein und raus geht es in die Sicherheitszonen nur in Begleitung der Polizei. Balkone und Dächer sind für die Anlieger tabu.

Präsidentengattin Michelle Obama plant eigene öffentliche Auftritte. Deren Ablauf wurde vom Weißen Haus jedoch noch nicht bekanntgegeben. Unklar ist auch noch, ob Auma Obama, die ältere Halbschwester des Präsidenten, die in Saarbrücken, Heidelberg und Berlin studierte, während des Staatsbesuchs eine Rolle spielen wird. Das Auswärtige Amt hat sie jedenfalls vorsorglich zu einer anstehenden Konferenz über Frauenrechte eingeladen.

Besuch überschattet von Schnüffelaffäre

Zuletzt war Obama vor fünf Jahren in Berlin. Im Jahr 2008, als Präsidentschaftskandidat der Demokraten, verweigerte ihm Angela Merkel eine Rede vor dem Brandenburger Tor. "Es gab damals viel Kritik an unserer Entscheidung", sagte Christoph Heusgen, außenpolitischer Berater der Kanzlerin. "Aber im Rückblick würde ich sagen, dass es die richtige Entscheidung für ihn war, als Präsidentschaftskandidat damals vor der Siegessäule zu sprechen und nun als Präsident am Brandenburger Tor." 200.000 Menschen kamen damals, um den Hoffnungsträger zu bejubeln.

Inzwischen dürfte Obama allerdings nicht mehr auf uneingeschränkte Euphorie der Deutschen treffen. Er wird in Berlin auch Fragen zum umstrittenen Abhörprogramm der US-Geheimdienste beantworten müssen. Dabei wird wohl die globale Datensammelpraxis der USA zur Sprache kommen, zu der amerikanische Behörden bislang nur ausweichend Stellung genommen haben und die insbesondere deutsche Bürger und Politiker erzürnt. Schließlich sammelte Medienberichten zufolge der US-Geheimdienst NSA außerhalb der USA in Deutschland die meisten Daten. Innenministerium und Verfassungsschutz wussten nach eigenen Angaben nichts vom Umfang des Programms.

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Seite 1
uezegei 13.06.2013
1.
Man sollte solche Treffen künftig nach Helgoland verlegen. Das lässt sich leicht abriegeln, kommt billiger als dieser Zinnober für einen abgehalfterten Politiker.
the_rover 13.06.2013
2. Na toll!
Können die das nicht auf dem Flugplatzgelände in Schönefeld machen? Da ist ohne Ende Platz für Obama, die Bundesregierung, die Landesregierung und den Sicherheitsapparat. Und für Jubelgäste stehen ausreichend Parkplätze und und Kontrollzonen zur Verfügung. Und das beste daran: diese nervige Bevölkerung steht nicht im Weg und ein Sicherheitsrisiko dar. Ist billiger und die die in Berlin wohnen, arbeiten und Steuern zahlen müssen, werden dabei nicht behindert und schikaniert.
hubertrudnick1 13.06.2013
3. Berlinbesuch
Zitat von sysopDPAGullydeckel werden zugeschweißt, Tausende Polizisten patrouillieren durch Berlin, Taucher schwimmen in der Spree: Die Hauptstadt bereitet sich auf den Besuch von Barack Obama kommende Woche vor. Balkons und Dächer entlang seiner Route dürfen auch von Anwohnern nicht betreten werden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/deutschlandbesuch-berlin-ruestet-sich-fuer-die-obama-show-a-905518.html
Erneut erfolgt ein Berlinbesuch statt, wo man dann aber die Berliner und ihren Gästen draußen vor dem Tore der Stadt stehen lässt. Einfach nur verrückt, was ist das für eine Welt, aber das sollten sich mal all die Politiker selbst fragen.
peterb 13.06.2013
4. Potemkinsche Dörfer
Zitat von sysopDPAGullydeckel werden zugeschweißt, Tausende Polizisten patrouillieren durch Berlin, Taucher schwimmen in der Spree: Die Hauptstadt bereitet sich auf den Besuch von Barack Obama kommende Woche vor. Balkons und Dächer entlang seiner Route dürfen auch von Anwohnern nicht betreten werden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/deutschlandbesuch-berlin-ruestet-sich-fuer-die-obama-show-a-905518.html
Einfach lächerlich- schlimmer als zu tiefsten DDR Zeiten. Wenn es ihm zu unsicher ist, soll er doch zu Hause bleiben. Wenn Frau Merkel in Washington einschwebt werden auch keine Gullideckel verschweißt. Über Partnerschaft auf gleicher Augenhöhe kann man da nur lachen.
zompel 13.06.2013
5. Wenn man diesen Aufwand
Zitat von sysopDPAGullydeckel werden zugeschweißt, Tausende Polizisten patrouillieren durch Berlin, Taucher schwimmen in der Spree: Die Hauptstadt bereitet sich auf den Besuch von Barack Obama kommende Woche vor. Balkons und Dächer entlang seiner Route dürfen auch von Anwohnern nicht betreten werden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/deutschlandbesuch-berlin-ruestet-sich-fuer-die-obama-show-a-905518.html
sieht um einen Politiker vor der Bevölkerung zu schützen. Eine Stadt abriegeln. Diese Dimension gab es nicht mal beí Assad, Gaddafi und Co. Alles für Friedensnobelpreis, Demokratie und Verfechter der Menschenrechte
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