Rudi Pawelka: Schlesier-Chef fordert Entschuldigung für Vertreibung

Pawelka beim Deutschlandtreffen der Schlesier in Hannover: Umstrittene Rede Zur Großansicht
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Pawelka beim Deutschlandtreffen der Schlesier in Hannover: Umstrittene Rede

"Wir machen einseitig Versöhnung, das bringt auf Dauer nichts": In seiner umstrittenen Rede auf dem Deutschlandtreffen der Schlesier hat Rudi Pawelka von Polen und Tschechien eine Entschuldigung gefordert. Deutsche Politiker hatten ihren Besuch zuvor abgesagt.

Hannover - Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, Rudi Pawelka, hat von Polen und Tschechien eine Entschuldigung und Entschädigung für die Vertreibung von Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg gefordert. "Wir machen einseitig Versöhnung, das bringt auf Dauer nichts", sagte Pawelka auf dem Deutschlandtreffen der Schlesier in Hannover. "Wir haben uns vielfach entschuldigt."

Pawelka sprach allerdings auch von "ersten Schritten hin zu einer echten Versöhnung". "Wir bemerken auch positiv, dass Polen den Nachbarschaftsvertrag beginnt umzusetzen." In beiden Ländern gebe es hoffnungsvolle Zeichen.

Entwürfe der Rede waren bereits am Freitag bekannt geworden - und hatten zu einem Eklat geführt: Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) und Landtagspräsident Bernd Busemann hatten ihre Teilnahme an dem Treffen wegen antipolnischer Inhalte abgesagt. Der als moderat geltende Präsident der Schlesischen Landesvertretung, Michael Pietsch, war aus Protest gegen das Agieren Pawelkas zurückgetreten.

In seiner Rede kritisierte Pawelka auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Diese habe sich 2002 noch in der Opposition für eine Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter im Osten eingesetzt, tue jetzt aber nichts. Als moralischen Tiefpunkt deutscher Außenpolitik bezeichnete Pawelka, dass Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in Königsberg 2011 einen Kranz für gefallene Sowjet-Soldaten niederlegte, nicht aber für Frauen und Kinder, die von den Soldaten ermordet worden seien.

Eine dauerhafte Versöhnung brauche eine Anerkennung der Vertreibung, argumentierte Pawelka. Während die Erinnerung an den Terror des NS-Regimes allgegenwärtig sei, verblasse die Erinnerung an die Vertreibung. "Haben Millionen unschuldige Opfer eine würdige Erinnerung nicht verdient? Sind sie kollektiv schuldig geworden?"

Zu dem alle zwei Jahre organisierten Deutschlandtreffen der Schlesier kamen am Wochenende wieder Tausende nach Hannover. Im Mittelpunkt standen Trachtenaufführungen und Musik.

hut/dpa

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