Drohnendebakel: De Maizière verliert dramatisch an Ansehen

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De Maizière: "Mit einem kräftigen blauen Auge" in den Wahlkampf

Die Mehrheit der Deutschen ist unzufrieden mit dem Verteidigungsminister: De Maizière habe in der Drohnenaffäre keine gute Figur gemacht. Im ARD-Deutschlandtrend bewerten 83 Prozent der Befragten sein Verhalten negativ.

Berlin - Es ist ein eklatanter Vertrauensverlust: Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat wegen des Debakels um die "Euro Hawk"-Drohne deutlich an Ansehen verloren. 83 Prozent der Befragten sind dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend zufolge mit dem Verhalten des CDU-Politikers unzufrieden. Darunter sind 40 Prozent, die seine Vorgehensweise als "falsch" bezeichnen. Weitere 43 Prozent finden, der Minister habe "in dieser Sache keine gute Figur gemacht". Nur elf Prozent sind der Meinung, de Maizière sei "nichts vorzuwerfen".

Auch bei der Frage nach der Zufriedenheit mit der Ministerarbeit stürzt der Wert von de Maizière deutlich um 16 Prozentpunkte ab: Er kommt jetzt gerade noch auf 40 Prozent Zustimmung. Trotz der schlechten Werte findet nur ein Drittel (33 Prozent) der Deutschen, dass der Verteidigungsminister zurücktreten sollte. Knapp zwei Drittel (61 Prozent) sind der Ansicht, er sollte im Amt bleiben.

Selbst bei den SPD-Anhängern gibt es nach Erhebung von Infratest dimap keine Mehrheit für einen Rücktritt: 46 Prozent sprechen sich für eine Entlassung von de Maizière aus dem Amt aus, 49 Prozent sind dagegen.

Minister möchte er noch vier Jahre im Amt bleiben

Der Minister hatte am Mittwoch zwar Fehler beim Drohnenprojekt eingeräumt. Zugleich hatte er aber betont, er sei von den Problemen bei der Zulassung von seinen Mitarbeitern zu spät informiert worden. De Maizière behält sich personelle Konsequenzen vor, seinen eigenen Rücktritt lehnt er jedoch ab. Am Donnerstag gab es jedoch neue Zweifel an der Ahnungslosigkeit des Ministers.

In der ARD-Sendung "Farbe bekennen" betonte der Minister, er wolle bei einem Wahlsieg der Union bis 2017 im Amt bleiben. In den Wahlkampf gehe er nun "mit einem kräftigen blauen Auge, aber das kann ja auch verheilen".

Union bleibt stabil

Auf das Abschneiden der Union wirken sich das Scheitern des Drohnenprojekts und der Umgang des CDU-Ministers kaum aus. Die Ergebnisse der sogenannten Sonntagsfrage im Überblick:

    • Die Union verliert im Vergleich zur Vorwoche lediglich einen Punkt und kommt auf 41 Prozent.
    • Die SPD legt um einen Punkt zu und erreicht jetzt 27 Prozent.

Alle anderen Parteien bleiben im Vergleich zur Vorwoche unverändert - wäre am kommenden Sonntag Bundestagswahl, würden diese wie folgt abschneiden:

  • Die Grünen liegen bei 14 Prozent.
  • Die FDP kommt mit nur vier Prozent nicht in den Bundestag.
  • Auch für die Alternative für Deutschland (AfD) würde es nicht reichen, sie erreicht aktuell drei Prozent.
  • Die Linke bleibt bei sechs Prozent.
  • Die Sonstigen, darunter führt der ARD-Deutschlandtrend auch die Piratenpartei, kommen zusammen auf fünf Prozent.


Daten zur Umfrage:

Stichprobe: Infratest dimap befragte 1503 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger durch computergesteuerte Telefoninterviews.

Zeitraum: 3. bis 5. Juni 2013

Statistische Fehlertoleranz: 1,4 bis 3,1 Prozentpunkte

heb

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insgesamt 86 Beiträge
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1.
arrow64 06.06.2013
Zitat von sysopDPADie Mehrheit der Deutschen ist unzufrieden mit dem Verteidigungsminister: De Maizière habe in der Drohnenaffäre keine gute Figur gemacht. Im ARD-Deutschlandtrend bewerten 83 Prozent der Befragten sein Verhalten negativ. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/deutschlandtrend-de-maiziere-verliert-massiv-an-ansehen-a-904185.html
Lachnummer... Ebenso wie die angeblichen 3% der AfD.
2. Putsch gegen die Misere
Feldjaeger 06.06.2013
Jetzt mal das ganze SPD vs CDU Gedöns weg gelassen staune ich über das was hier wirklich läuft. Das mächtige Eigenleben des BMVg hat mal wieder gewonnen und einen weiteren unbequemen Minister entsorgt. Im Haus hatte man regelrecht Angst vorm Herrn Minister denn er scheute sich nicht auch mal eine Etage tiefer (oder Höher) zu gehen und Herrn General oder Herrn Oberst zu fragen was den hier seine Aufgabe ist. Dabei hat er dann auch einige ganz schön dumm aussehen lassen. Dieses Haus hat zig Referate die sich gegenseitig führen und doch entscheidet niemand wirklich. TdM war der erste der hier berechtigt den Rotstift angesetzt an und zwar nicht nur unten sondern auch oben. Niemand aber auch niemand streicht ungestraft so viele Generalstellen und das ungestraft. Hier hat sich einer mit etlichen Obristen und Oberstleutnanten i.G. angelegt und bekommt nun seit Fett weg. Oder wo kommen plötzlich diese ganzen interna her? Neuer Minister = neue/kleinere Reform. Und Mut wird bei der BW bestraft wer nicht auf Linie ist wird nicht befördert oder kein Berufssoldat. Siehe Oberst Klein der hatte Mut, hat entschieden und doch verloren. Aber viele von uns sind ihm Dankbar weil er Soldatenleben gerettet hat. Ich möchte in kein Gefecht kommen wo der nächste Oberst über einen Luftschlag entscheiden muss.
3. Ach nööö...
matjeshering 06.06.2013
wen wunderts... Herr Wulf ist über ein Spielzeugauto und 200 Euro Übernachtungskosten gestolpert. Wieso soll so ein Versager nicht über 500 Millionen stolpern? Ich wäre dafür, dass Minister und Verantwortliche Beamte auf allen Ebenen bei Miseren ab 2 Millionen Euro ihr Amt und ihre Ansprüche verlieren. Es reicht mit der Extrem-2 Gleichsigen Republik! Hier wird nichts geleistet oder verantwortet weil Verantwortung nichts bringt und ein Zugeständnis nur Wählerstimmen kostet. Wie billig.
4. Zurecht
schüler.aus.bremen 07.06.2013
Zurecht verliert er an ansehen!
5. Feigling
anhesas 07.06.2013
Wer angestellt arbeitet, kennt solche Helden. Von nichts gewusst, Schuld sind allein die Untergebenen. Niemand redet mit ihm, niemand sagt ihm, dass 'was falsch läuft. Das sei halt so in seiner Behörde. Armer Kerl. Als Konsequenz kündigt die Kanzlerhoffnung von gestern "den Laden aufräumen" an. Bei sich sieht er keinen gravierenden Fehler. Ich hätte ihm mehr Arsch in der Hose zugetraut. Offenbar nicht nur ich.
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