DGB-Bundeskongress Hoffmann sagt AfD den Kampf an

Am Montag stellt sich der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann erneut zur Wahl. Auf dem Bundeskongress forderte er nun mehr soziale Gerechtigkeit, um "den Rechten und Ewiggestrigen ihr schmutziges Geschäft" zu erschweren.

DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann
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DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann


Der 21. Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ist offiziell eröffnet. Bis Donnerstag diskutieren in Berlin rund 400 Delegierte unter dem Motto "Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit" unter anderem über den digitalen Wandel, Mindestlohnkontrollen, gleiche Bezahlung von Frauen und Männern sowie Steuergerechtigkeit.

Am Montag wählt der DGB einen neuen Vorstand. Der bisherige Vorsitzende Reiner Hoffmann stellt sich erneut zur Wahl, Gegenkandidaten gibt es nicht. Auch Hoffmanns Stellvertreterin Elke Hannack sowie die weiteren Vorstandsmitglieder Annelie Buntenbach und Stefan Körzell werden voraussichtlich im Amt bestätigt.

"Gravierende Missstände"

"Die Menschen haben ein feines Gespür dafür, dass es immer ungerechter zugeht in unserem Land", sagte Hoffmann in seiner Eröffnungsrede und beklagte "gravierende Missstände", die sich unter anderem die AfD zunutze gemacht habe. Um die rechten Strömungen im Land zu bekämpfen, müsse man die Wurzeln des Problems angehen.

"Wenn wir die Lebensumstände der Menschen verbessern, dann erschweren wir den Rechten und Ewiggestrigen ihr schmutziges Geschäft", so Hoffmann. Der 62-Jährige betonte, dass es nicht gerecht sei, wenn einige Wenige immer reicher würden, Unternehmen mit Milliardenumsätzen kaum Steuern zahlten und "gefeuerte, also gescheiterte Manager tausende Euro Rente pro Tag" erhielten.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l.) und Reiner Hoffmann
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l.) und Reiner Hoffmann

Auf der anderen Seite gäbe es immer mehr Menschen, die im Niedriglohnsektor gefangen seien, Angst vor sozialem Absturz und Altersarmut sowie Sorge um die Zukunft ihrer Kinder und Enkelkinder hätten.

"Das Grundrecht auf Asyl ist ein Menschenrecht"

"All diese Sorgen sind berechtigt", sagte Hoffmann und erklärte, dass die Ursachen dafür nicht in der "sogenannten Flüchtlingskrise" lägen. Die AfD habe die Zusammenhänge verdreht, um daraus Kapital zu schlagen. "All den alten und neuen Nazis" rief Hoffmann zu: "Das Grundrecht auf Asyl ist ein Menschenrecht."

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wies auf die steigende Brisanz von "Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen" hin und warnte davor, dass "sich Zukunftsangst, wo immer sie vorhanden ist, nicht in Demokratieskepsis verwandeln darf".

Die Zahlung eines bedingungslosen Grundeinkommens sieht Steinmeier nicht als gangbare Lösung für die bestehenden Probleme an. "Das käme einer Kapitulation gleich, noch bevor wir über die Zukunft der Verteilung von Arbeit, Qualifizierung und soziale Sicherung ernsthaft diskutiert haben", sagte Steinmeier.

mmm/dpa/afp



insgesamt 35 Beiträge
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tomquixote 13.05.2018
1. Gestern oder heute?
Also, wenn das wirklich so ist, wie Herr Hoffmann meint, wenn er sagt, dass, "Die Menschen haben ein feines Gespür dafür, dass es immer ungerechter zugeht in unserem Land", dann hätten doch die Leute recht, die sagen, dass es früher besser war - sind das dann die (Ewig)gestrigen? Und warum hätten die unrecht?
sir wilfried heute, 22:33 Uhr
2. Immer wieder gut
Die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit ist immer gut. Sie ist so alt wie die Gewerkschaften, wird aber zunehmend routinemäßig und leidenschaftslos vorgetragen. Um der zunehmenden Armut und Verelendung selbst in Deutschland zu begegnen, müssten massenhaft Sozialwohnungen gebaut werden, auskömmliche Renten gezahlt und Hartz4 wieder abgeschafft werden. Wer das will, muß aber ehrlicherweise hinzufügen, daß das nicht geht, solange zig Milliarden für Flüchtlinge aufgewendet werden, ebenfalls Milliarden in EU-Bürokratie und Rettungspaketen versenkt werden und Steuerschlupflöcher groß wie Scheunentore offen gehalten werden. Die AfD nebenbei stellt keineswegs das Recht auf politisches Asyl infrage, sondern das Recht auf Asylmißbrauch.
seppfett 13.05.2018
3. Jeder
Jeder Bürger sollte der AFD den Kampf ansagen. Die AFD ist eine neokapitalistische neonationalistische Partei, der die Ausbeutung der Befölkerung durch Großkonzerne am A... vorbei geht. Zudem muss jedem der seine Heimat liebt, also Hesse, Bayer, Hamburger, etc ist, diese Deutschvereinheitlichung gegen den Strich gehen. Wir sind ein föderaler Staat und wollen keine Berliner Vereinheitlichungspartei. Deutschland ist ein multikultureller Staat per Definition.
jockel_63 13.05.2018
4. Hoffmann selbst Demagoge
Wenn Menschen Parteien diffamieren, ohne sich richtig über deren Programm zu informieren, nennt man sie “Demagogen”... Anders lässt sich das nicht benennen.
JungUndFrei 13.05.2018
5. Immer noch nicht verstanden
Sorry aber dieses den Rechten das Wasser abgraben ist einfach Blödsinn. Alle Umfragen die ich kenne zeigen, dass die AfD Wähler wirtschaftlich durchschnittlich erfolgreich sind und auch nicht unzufrieden mit ihrer persönlichen Situation sind. Viele AfD Wähler die ich kenne treibt die Sorge um, ob unsere Sozialsysteme so viele im Schnitt sehr schlecht gebildete Menschen aufnehmen können . Dazu kommt die Sorge um kulturelle Verschiebungen, z.B. gibt es jetzt schon Schwimmbäder die zu manchen Zeitpunkten nur für Frauen offen haben. Dazu kommt noch die Angst vor Terroranschlägen bzw. die allgemeine Sorge vor Kriminalität. Auch der Frust über das Geld, was in die EU fließt, bzw. die Sicherheiten für Griechenland sind immer noch ein Thema. Leider wird über alle diese Themen nur unzureichend diskutiert. Oft werfen Politiker Plattitüden in den Raum, oder diffamieren AfD Wähler pauschal. Wenn man der AfD das Wasser abgraben will, sollte man eine ehrliche Diskussion über Vor- und Nachteile der oben genannten Themen führen und bei manchen Punkten wären Korrekturen sicherlich angebracht. Mir scheint es, als ob die AfD für manche der Grund ist, noch mehr Sozialstaat zu fordern, auch wenn durch nichts belegt ist, dass das die "Sorgen" vieler AfD Wähler ausräumt.
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