Von Florian Gathmann
Berlin - Am Ende dürfte alles ganz schnell gehen. "Nehmen Sie die Wahl an", wird Bundestagspräsident Norbert Lammert den Kandidaten Joachim Gauck, 72, am Sonntagnachmittag fragen. Wenn er mit "Ja" antwortet, ist in diesem Moment aus dem Bürger Gauck ein Bundespräsident geworden. Die Teilnehmer der Bundesversammlung werden sich erheben und dem neuen Präsidenten feierlich applaudieren. Draußen vor dem Reichstag wartet dann schon die Limousine mit dem schlichten Kennzeichen "0 - 1" auf das elfte Staatsoberhaupt der Republik.
Bis hierher ist alles klar. Aber was kommt dann?
Wer Joachim Gauck zuletzt diese Frage stellte, bekam als Antwort stets zu hören: "Lassen Sie mich doch erst mal ins Amt kommen." Tatsächlich ist das erste Ziel von Gauck und seinen Leuten, die Bundesversammlung unfallfrei zu überstehen. Gaucks Mehrheit unter den 1240 Wahlleuten ist zwar dank der All-Parteien-Koalition - nur Linke und NPD unterstützen ihn nicht - groß, aber man weiß ja nie.
Natürlich machen sich Gauck und sein Mini-Team - der designierte Bundespräsidialamts-Staatssekretär David Gill, Sprecher Andreas Schulze und Büroleiter Johannes Sturm - Gedanken darüber, wie es nach dem Sonntag weitergeht. Gauck hat sich mit vielen Polit-Kennern und sonstigen Denkern getroffen in den vergangenen Tagen. Er wollte zuhören, Ideen sammeln, Erwartungen ausloten, Strategien diskutieren.
Joachim Gauck und seine Leute wissen: Die Erwartungen sind riesig. Als Präsident muss er rasch überzeugend auftreten, Akzente setzen. Folgende Schwerpunkte sind Gauck und seinen Leuten wichtig:
Um das umzusetzen, vertrauen Gaucks Strategen vor allem auf eines: das Redetalent des neuen Präsidenten. Denn reden kann der Ex-Pfarrer Gauck wirklich wie kaum einer in der Republik. Kein Vergleich zu seinen Vorgängern Wulff und Horst Köhler. Und man setzt auf die hohe Kompetenz der rund 180 Mitarbeiter im Bundespräsidialamt. Wobei neben Gaucks drei engsten Helfern wohl auch der eine oder andere weitere Neuling dort einrücken wird.
Gaucks erste öffentliche Auftritte werden ebenfalls nicht lange auf sich warten lassen. Seine Premiere als Bundespräsident wird er wohl schon Anfang der Woche in Leipzig haben. Dort feiert am Dienstag der Thomanerchor sein 800-jähriges Bestehen, Gauck hatte lange vor dem Rücktritt Wulffs zugesagt. Mit einer Teilnahme des neuen Präsidenten Gauck wird gerechnet, auch mit einem Grußwort.
Und dann kommen auch schon die ersten Auslandsreisen. Als erstes würde Gauck gerne Polen besuchen, das Land liegt ihm besonders am Herzen. Außerdem steht ihm mit seiner Beraterin Helga Hirsch eine profunde Kennerin des östlichen Nachbarn zur Seite.
Auch eine Reise gen Westen ist rasch geplant, vielleicht sogar in die USA - das Land der Freiheit.
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