Stimmen, Mandate, Koalitionen So funktioniert die Bundestagswahl

Was sind noch mal Überhangmandate, wer schafft es in den Bundestag? Wer wählt den Kanzler - und wie geht es nach der Wahl weiter? Der Überblick.


Wahlplakate in Pirna: Bürger wählen Abgeordnete - nicht Kanzler
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Wahlplakate in Pirna: Bürger wählen Abgeordnete - nicht Kanzler

Wer wählt wen?

Angela Merkel oder Peer Steinbrück - diese Wahl haben die Bürger nur indirekt. Mit ihren zwei Kreuzen auf dem Wahlzettel wählen sie die Abgeordneten des Bundestags, nicht den Kanzler. Erst die gewählten Mitglieder des Parlaments votieren dann für den Bundeskanzler - oder die Kanzlerin.

Stimmzettel für die Bundestagswahl: 598 Sitze zu vergeben
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Stimmzettel für die Bundestagswahl: 598 Sitze zu vergeben

Was bewirken Erst- und Zweitstimme?

Die Erststimme - links auf dem Wahlzettel - entscheidet darüber, welcher Kandidat aus dem eigenen Wahlkreis in den Bundestag soll. Es gewinnt jeweils der Bewerber mit den meisten Stimmen, eine einfache Mehrheit genügt. Insgesamt kommen so 299 Abgeordnete direkt in den Bundestag.

Mit der Zweitstimme auf der rechten Seite des Wahlzettels stimmt man für eine Partei, sie entscheidet über das Kräfteverhältnis der Parteien im Bundestag. Über Listen haben die Parteien vorher festgelegt, wen sie über die Zweitstimme ins Parlament schicken möchten.

Der Bundestag: Überhangmandate erstmals begrenzt
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Der Bundestag: Überhangmandate erstmals begrenzt

Was sind Überhangmandate?

Der Bundestag hat grundsätzlich 598 Sitze. Die eine Hälfte wird über die 299 Direktmandate aus den Wahlkreisen vergeben, die andere Hälfte über die Verhältniswahl der Zweitstimme. Wie viele Mandate pro Bundesland vergeben werden, hängt von der Bevölkerungszahl ab. Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei durch Direktmandate mehr Abgeordnete in den Bundestag bekommt, als ihr über die Zweitstimme zustehen würden. In diesem Jahr gilt erstmals ein neues Wahlrecht: Überhangmandate müssen ausgeglichen werden. Experten schätzen, dass der Bundestag dadurch um etwa 50 Plätze größer werden könnte.

Wahlkampf der Alternative für Deutschland: Es gilt die Fünfprozenthürde
REUTERS

Wahlkampf der Alternative für Deutschland: Es gilt die Fünfprozenthürde

Welche Parteien schaffen es in den Bundestag?

In den Bundestag schaffen es nur die Parteien, die bei der Zweitstimme mindestens fünf Prozent bekommen haben. Durch die Fünfprozenthürde soll verhindert werden, dass es viele kleine Parteien unmöglich machen, Mehrheiten zu finden. Es gibt zwei Ausnahmen: Die Hürde gilt zum Beispiel nicht, wenn eine Partei über die Erststimmen mindestens drei Direktmandate bekommt. Ihr Anteil an Zweitstimmen wird dann auch in Bundestagssitze umgerechnet, wenn sie unter der Fünf-Prozent-Hürde liegt.

Nach der Wahl

Wenn die Stimmen ausgezählt sind, geht es für die Parteien erst richtig los. Dann handeln sie aus, zu welchen Bündnissen - sogenannten Koalitionen - sie sich zusammenschließen. Haben sie sich geeinigt, beschließen sie das Regierungsprogramm und wer welches Ministeramt übernehmen darf.

Dann wählt der Bundestag auf Vorschlag des Bundespräsidenten den Bundeskanzler, der mehr als die Hälfte der Stimmen auf sich vereinen muss. Schafft er dies nicht und bekommt auch im zweiten Wahlgang keine Mehrheit, gibt es eine dritte Runde. Hier reicht dann die einfache Mehrheit. Spätestens 30 Tage nach der Wahl kommt das Parlament zum ersten Mal zusammen, unabhängig davon, ob die Parteien schon eine Koalition bilden konnten.

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insgesamt 39 Beiträge
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jschlenger 22.09.2013
1.
Parteien, die unter 5 Prozent bzw. unter drei Direktmandate erhalten, können es sehr wohl über Direktmandate in den Bundestag schaffen. Auch wenn eine Partei ein oder zwei Direktmandate erhält, ist sie mit diesen im Bundestag vertreten. Sie erhält allerdings keinen Fraktionsstatus. So geschehen z.B. 2002 mit der PDS. Sie hatte zwei Direktmandate erhalten und war mit diesen im Bundestag.
GGArtikel5 22.09.2013
2. die Stunde der Montblanc-Füller und I-Pods
Wie es nach der BT-Wahl weitergeht ist absehbar. Merkel bringt auch weiterhin den Bürgerinnen und Bürgern draußen im Lande die marktkonforme Demokratie nach gutem altem DDR-Vorbild bei. Mich interessiert viel mehr, wer letzte Woche noch schnell in den Ministerien seine Kumpels befördert hat und welche Hinterbänkler ohne sicheren Wahlkreis sich noch schnell mit Montblanc-Füller, I-Pods und anderem Spielzeug für den Weihnachtsabend auf unsere Kosten eingedeckt haben. So, jetzt noch einen Kaffee und dann mache ich meine Kreuzchen.
Alexander Berg 22.09.2013
3. 25.07.2012
Das Wahlgesetz ist ungültig und niemand ist per Gesetz legitimiert irgendetwas zu veranstalten und wir werden fröhlich weitermachen, dies den Leuten nahe zu bringen, sagt der Alexander dem zensierten Spiegel. Liebste Grüße vom DPVM in Fulda
danielc. 22.09.2013
4. welche/r Kanzler/in: weder - noch
Ich habe mich gefreut, dass Sie darauf hinweisen, das die Deutschen nicht ihren Kanzler wählen. Als Auslanddeutscher werde ich regelmäßig gefragt, welche/n Kanzler/in ich wähle... meine Antwort "weder - noch" irritiert sie regelmäßig. Das Bild vom Wahlkampf im Nachbarland (D) wir vom Streit um die Kanzlerschaft dominiert. Das dies in Wahrheit anders ist, kommt leider auch bei vielen Deutschen nicht richtig an.
trackerdog 22.09.2013
5. Wie wohl?
Bundestagswahl funktioniert ganz einfach: Man macht zwei Kreuze und dann begibt man sich in Gottes Hand - bzw. in die Hand der Parteien! Denn alles, was danach folgt liegt nicht mehr in der Hand des Wählers. Dann kommt die Stunde der Parteien. Es wird gemauschelt und geschachert, geschoben und gedrückt. Auch die sogenannten Direktkandidaten kann niemand wählen, weil sie bereits vorher von den Parteien selektiert und gelistet wurden. Weder Kanzler noch Präsident wählt das Volk. Die ganze Beteiligung liegt in einem simplen Kreuz. Selbst das kann noch gefälscht werden - wie man vor kurzem ja hier lesen konnte!
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