SPON-Umfrage Mehrheit hält Grüne für fähigste Oppositionskraft

Sie bilden die kleinste Fraktion im Bundestag - laut einer SPON-Umfrage traut eine Mehrheit den Grünen aber die beste Oppositionsarbeit im Parlament zu. Im Osten liegt eine andere Partei vorne.

Grünen-Fraktionschefs Anton Hofreiter, Katrin Göring-Eckardt
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Grünen-Fraktionschefs Anton Hofreiter, Katrin Göring-Eckardt


Seit den geplatzten Jamaika-Verhandlungen war es verhältnismäßig ruhig um die Grünen geworden. Das lag daran, dass in der Folge vor allem die GroKo-Parteien CDU, CSU und SPD für Schlagzeilen sorgten.

Das politische Schattendasein hat der Ökopartei offenbar aber nicht geschadet, wie eine SPON-Umfrage zeigt, die in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey erhoben wurde.

Demnach trauen knapp 29 Prozent der Befragten den Grünen die beste Oppositionsarbeit im Bundestag zu - und das, obwohl das Bündnis die kleinste Fraktion im Bundestag stellt. Ob der große Zuspruch an den Wechseln an der Parteispitze liegt, oder die Skepsis gegenüber den anderen Parteien überwiegt, ist ungewiss.

In der SPONtagsfrage liegt die Partei seit Wochen kontinuierlich bei etwa 12 Prozent und damit drei Prozentpunkte über ihrem Bundestagswahlergebnis.

Auf die Grünen folgt im Ranking die AfD. Mehr als 22 Prozent der Befragten glauben, dass die AfD die wirksamste Oppositionskraft im Bundestag sein kann. Auf dem dritten und vierten Platz landen Linke und FDP.

Im Osten liegt die AfD vorn

Deutliche Unterschiede zeigen sich, wenn Osten und Westen der Republik getrennt ausgewertet werden: Im Osten liegt die AfD bei der Frage, wem die beste Oppositionsarbeit zugetraut wird, vor den Grünen und damit auf dem ersten Platz. Am zweitmeisten trauen die Menschen hier den Linken und dann erst den Grünen die Oppositionsarbeit zu.

Im Westen dagegen liegen die Grünen bei fast einem Drittel der Befragten vorn - deutlich vor Linken und AfD.

Interessant ist auch der Blick auf die Parteianhänger und ihre Präferenz, was die Opposition angeht: Dort können sich Sympathisanten von Union und SPD auf die Grünen als vermeintlich fähigste Partei einigen - bei der SPD sieht das mehr als die Hälfte der Befragten so. Bei der Union immerhin noch etwa 39 Prozent.

Deutliche Unterschiede gibt es dagegen zwischen den GroKo-Partnern bei der Bewertung der FDP. Sie ist in den Augen der Unions-Wähler zweitbeste Oppositionspartei, bei der SPD schneiden die Liberalen dagegen wesentlich schlechter ab, dort wird eher die Linke favorisiert.

Die AfD kann immerhin bei fast 19 Prozent der FDP-Anhänger punkten, in den Reihen der Union liegt sie bei knapp 12 Prozent.

Anmerkungen zur Methodik: Die Umfrage wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey vom 13 März bis 6. April erhoben. Die Stichprobe umfasste bei der SPONtagsfrage mehr als 5000 Befragte. Der statistische Fehler lag hierbei bei 2,5 Prozent.



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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

mho



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