Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


heute beginnt die Münchner Sicherheitskonferenz - der außenpolitische Anlass des Jahres in Deutschland. Im Hotel Bayerischer Hof werden bis Sonntag 30 Staats- und Regierungschefs erwartet, sowie 80 Außen- und Verteidigungsminister und 100 Parlamentarier. Der Leiter der Konferenz, Wolfgang Ischinger, spricht von "maximaler Verunsicherung" in der Welt. Das Thema ist natürlich die hochdiffizile Weltlage im Zeitalter von Trump. US-Vizepräsident Mike Pence wird ebenfalls anwesend sein und wohl Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen. Uno-Generalsekretär António Guterres, Bono und Bill Gates sind auch da. Die Stadt wird zur Hochsicherheitszone: 4000 Beamte sind im Einsatz.

Bayerischer Hof in München
AFP

Bayerischer Hof in München

Es wird in München auch dieses Jahr die großen Panels und rund 150 Nebenveranstaltungen geben - sehr vieles wird aber natürlich im kleinen Kreis besprochen. Es wird um die großen Krisen der Welt gehen, um die Nato, um Russland, um die Ukraine - und es ist sicher kein Zufall, dass in Genf nächste Woche wieder Friedensgespräche für Syrien beginnen. Meine Kollegen vom SPIEGEL und ich werden am Wochenende laufend auf SPIEGEL ONLINE und auf Twitter von der Konferenz berichten.

Donald Trump im East Room des Weißen Hauses
DPA

Donald Trump im East Room des Weißen Hauses

Trumps Einreiseverbot

Unser Korrespondent Veit Medick macht sich nach Trumps bizarrer, tumultuöser 76-minütiger Pressekonferenz ernsthafte Sorgen. Er schreibt in seinem Kommentar: "Spätestens jetzt ist es an der Zeit, an der geistigen Gesundheit des US-Präsidenten zu zweifeln." Während des Auftritts, der uns noch lange beschäftigen wird, wurde außerdem bekannt, dass Trump seinen von mehreren Richtern gestoppten Einreisebann für die Bürger von sieben Ländern juristisch nicht weiter verteidigen will. Stattdessen will er nächste Woche einen neuen Erlass unterzeichnen, der juristisch wasserdicht sein soll: ein Dekret "zum Schutz des Volkes". Sicherlich werden am Ende wieder die Gerichte entscheiden müssen. Damit die Regierung eine Chance hat, müsste sich der neue Erlass aber deutlich vom ursprünglichen unterscheiden.

Anhänger von Lenin Moreno in Quito, Ecuador
REUTERS

Anhänger von Lenin Moreno in Quito, Ecuador

Wahlen in Ecuador

Kann Wikileaks-Gründer Julian Assange in seinem Londoner Botschaftsexil bleiben? Das wird sich am Sonntag bei der Wahl in Ecuador entscheiden. Der linksgerichtete Präsident Rafael Correa tritt nach drei Amtszeiten nicht mehr zur Wahl an. Der Favorit für seine Nachfolge ist ein ehemaliger Vize: Lenín Moreno, der Correas Partei angehört und im Falle seiner Wahl der erste Querschnittgelähmte wäre, der ein Präsidentenamt bekleidet - er sitzt im Rollstuhl, seit er bei einem Raubüberfall angeschossen wurde. Chancen hat aber auch der rechte Kandidat Guillermo Lasso, der versprochen hat, die Steuern zu senken - und eben auch, Julian Assange aus der Londoner Botschaft zu werfen.

Mark Zuckerberg
AFP

Mark Zuckerberg

Gewinner des Tages

Marc Zuckerberg. Der Facebook-Gründer hat mit einem sehr langen Essay, den er (natürlich auf Facebook) geschrieben hat, einen großen PR-Erfolg erzielt. Zuckerberg zeigt sich in seinem Essay beunruhigt über die negativen Auswirkungen von Social Media und stellt Ideen vor, um wieder "Gemeinschaften zu bauen", Fake News zu bekämpfen und den Nutzern mehr "diverse Standpunkte" zu präsentieren. Er will mit Facebook offenbar stärker ins Leben seiner Nutzer eingreifen. Das klingt ein wenig unheimlich, aber es scheint ein echter Weltverbesserungsimpuls dahinterzustecken. So möchte Zuckerberg unter anderem Künstliche Intelligenz verwenden, um gegen die Rekrutierung von Terroristen vorzugehen. Aber lesen Sie selbst.

Zum Schluss ein Tipp für Sie

Am kommenden Montag gibt es die nächste Veranstaltung von "DER SPIEGEL live im Spiegelsaal", unserer Reihe, die regelmäßig in "Clärchens Ballhaus" in Berlin Mitte stattfindet. Diesmal gibt es einGespräch mit Alice Schwarzer, der umstrittenen Ikone der deutschen Frauenbewegung. Sie zieht mit den SPIEGEL-Redakteuren Markus Feldenkirchen und René Pfister eine Bilanz ihres jahrzehntelangen Kampfes. Sie spricht über Angela Merkel, Hillary Clinton und den Feminismus in Zeiten von Supermachos wie Donald Trump oder Wladimir Putin. Natürlich sind wir gespannt, ob Jörg Kachelmann auch kommt. Unter den Lesern der Lage verlosen wir zwei Mal zwei Gratiskarten. Wenn Sie Interesse haben, schicken Sie eine Mail an julia.parker@spiegel.de

Ansonsten gibt es Karten an der Abendkasse oder hier.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins Wochenende.

Herzlich,

Ihr Mathieu von Rohr

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
i.dietz 17.02.2017
1. Guten Morgen
Das wird spannend: Präsident Trump in München ! Bin mal gespannt, wie viel hochrangige Elite-Politiker dem neuen Präsidenten Honig ums "Mäulchen" schmieren.
StefanZ.. 17.02.2017
2. Zuckerberg’s Artikel
ist interessant zu lesen. Man merkt natürlich, dass er sich vorrangig um Wachstumspotentiale seines Service den Kopf zerbrochen hat. Wie dem auch sei, die gestellten 5 Fragen sind wichtig genug. Beim Gesichtspunkt, wie hilft man Gruppen, die traditionelle Institutionen unterstützen, wird unterschlagen, dass mehr online-Zeit zu Lasten von direktem Engagement eine recht schwachen und falsche Richtung ist. Jüngere Generationen sind eher davon bedroht sich viel zu lang in der Online Welt zu verkriechen und dabei Beziehung, Erfahrungen und Einsatz in der echten Welt vernachlässigen. Es ist prima, dass Mark darüber reflektiert, wie man Politikmüdigkeit angehen könnte. Schade allerdings, dass er dabei haltmacht, engere online Kontakte mit seinem gewählten Repräsentanten zu pflegen. Die Zeit wäre reif, die nächste prozedurale Stufe einer ernsthaften Demokratie zumindest schon auf der Ebene von online Communities vorzuexerzieren. Es wäre doch super, wenn hier die entsprechenden Tools für anfangs nur Nationenweite Bevölkerungsbefragungen und später dann auch für Fragen von weltweitem Belang ihre Funktionsfähigkeit beweisen würden. Geld für Projekte solcher Größe hat der Junge ja. Bei praktisch allen Regierungen dagegen fehlt Vision, Interesse, Mut und die Kompetenz zur zeitnahen Machbarkeit.
johannesbueckler 17.02.2017
3. Was wohl die Wenigsten mitbekommen
Trump kann den Gerichten zu Folge die bestehenden Visas nicht aussetzen ......Aber jederzeit neue Visa verbieten....Weisungsbefugniss..
StefanZ.. 17.02.2017
4. Fragen an die Sicherheitskonferenzteilnehmer
Gut zu lesen, dass Spiegelreporter auch vorort sein werden. Machen Sie doch bitte einmal den Versuch, die America-first Delegation zu ihrem 2% Kostenziel für alle zu befragen. Wie verträgt es sich mit dem Macher-, Überschuldungsabbau-, Antikriegstreiberei- und Neue-Wege-gehen-Image, wenn seiner Ein-Mann-Partei nichts Besseres einfällt, als Nation für Nation riesige Summen für Sachen auszugeben, die man im Grunde niemals nutzen will und sollte? Und hat die ehrenwerte Konferenzteilnehmerrunde tatsächlich nur die Hosen voll und kann sich nicht vorstellen, über Abrüstung und gebündelte kostengünstigere Kontingente bei den Vereinten Nationen nachzudenken? Dort hat der neue Chef gerade eine Untersuchung und nachfolgende Studie zur völligen Neugestaltung der Friedens Schaffung/Überwachung Abteilung in Auftrag gegeben. Ist das nicht ein geeigneter Zeitpunkt, um neue Wege zu suchen und zu gehen?
auweia 17.02.2017
5. Que?
Zitat von i.dietzDas wird spannend: Präsident Trump in München ! Bin mal gespannt, wie viel hochrangige Elite-Politiker dem neuen Präsidenten Honig ums "Mäulchen" schmieren.
Nach allem, was bisher bekannt ist, kann München weiterschlafen. Der Präsident wird in Washington bleiben. Von US-Seite sind SecDef Mattis und Veep Pence dabei. Sollten Sie mit "Honig ums Mäulchen schmieren" auf die Nato-Forderung nach einer Erhöhung der EU-Verteidigungsausgaben anspielen, kann ich nur hoffen, dass der Honigeimer groß genug ist.
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