Politiker-Dienstwagen Die größten Spritfresser der Minister

Politiker predigen Umweltschutz, aber halten sie sich im Alltag selbst dran? Die Deutsche Umwelthilfe hat die Dienstwagen der Minister auf Kohlendioxidausstoß untersucht. Das Ergebnis: Selbst grüne Minister fahren nicht immer umweltschonend - es gibt aber auch positive Überraschungen.

DPA

Berlin - Haben die deutschen Politiker die Energiewende bei ihren Dienstwagen geschafft? Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) überprüft jedes Jahr die Autos von Bundesministern sowie den Regierungschefs und Umweltministern in den Ländern. Das Fazit lautet in diesem Jahr: Der Ausstoß von Kohlendioxid sinkt, allerdings nicht so stark wie nötig.

Die Hälfte der Regierungschefs fährt demnach "übermotorisierte und spritdurstige Dienstwagen". 28 Spitzenpolitiker "stellen ihre klimapolitische Ignoranz geradezu demonstrativ zur Schau", heißt es in der Untersuchung. Die DUH vermisst bei ihnen die Bereitschaft, bei der Wahl ihrer Dienstwagen den seit 2012 gültigen EU-Zielwert einzuhalten.

Allerdings betont DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch auch, "dass die durchschnittlichen CO2-Emissionen der Politiker-Limousinen seit dem Start unserer Erhebungen im Jahr 2007 deutlich schneller zurückgehen als die Emissionen aller in Deutschland neu zugelassenen Pkw".

Als "absolutes Highlight" lobte Resch den Hamburger Senat. Erstmals habe ein gesamtes Landeskabinett den EU-Zielwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer unterschritten. Der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und seine Senatskollegen landeten bei einem Durchschnittswert von 128. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Im Bundeskabinett liegt der Durchschnittswert bei 168 Gramm CO2. Im Vergleich zu den 252 Gramm, die sich bei der Ersterhebung vor sechs Jahren ergeben hatten, sei der Fortschritt bemerkenswert. Mit Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) erhält zudem nur noch ein Mitglied des Bundeskabinetts die "Rote Karte", die die DUH vergibt, wenn der EU-Zielwert um mehr als 40 Prozent überschritten wird. Wanka fährt laut DUH einen Mercedes Benz S 350 BlueTEC 4MATIC lang - der innerstädtisch 9,9 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Allerdings schafft auch keiner der Bundesminister die "Grüne Karte", die nur erhält, wer den CO2-Zielwert der EU einhält. Am wenigsten Kohlendioxid blasen zwei Liberale in die Luft: Entwicklungsminister Dirk Niebel und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger liegen vorn.
  • Und in den Länderregierungen? Neben Spitzenreiter Hamburg ist das rot-grüne Kabinett von Schleswig-Holsteins Regierungschef Thorsten Albig (SPD) mit durchschnittlich 144 Gramm Vorreiter. Allerdings belastet der Ministerpräsident selbst den Schnitt mit seinem Audi A8 L 4.2 TDI (198 Gramm). Schlusslicht ist Niedersachsen, das mit durchschnittlichen Emissionen von 187 Gramm Kohlendioxid Bayern als ersten Dienstwagen-Klimasünder der letzten Erhebung ablöst. Die veröffentlichten Ergebnisse spiegeln jedoch noch den Wagenpark des Ende Januar abgewählten schwarz-gelben Kabinetts in Hannover wider. Laut der DUH lassen Ankündigungen der neuen rot-grünen Landesregierung erwarten, dass diese mit einer weniger klimaschädlichen Dienstwagenflotte unterwegs sein wird. Hessen liegt auf dem vorletzten Platz - Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), bereits letztes Jahr in der Spitzengruppe der Klimasünder, teilt sich mit 277 Gramm den letzten Platz im Dienstwagen-Ranking mit den Innenministern Uwe Schünemann (CDU, Niedersachsen, inzwischen abgelöst) und Ralf Jäger (SPD, NRW). Bouffiers Audi A8 verbraucht demnach innerstädtisch 16,6 Liter auf 100 Kilometer.
  • Sind die Dienstwagen der grünen Minister umweltfreundlicher? Als enttäuschend stuft die DUH das Abschneiden des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) ein, der mit einem S-Klasse-Mercedes S350 BlueTEC 4MATIC und CO2-Werten von 193 Gramm CO2 unterwegs ist und dafür die "Rote Karte" erhält. Besser schneidet etwa Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ab, der sich für einen BMW 750 Ld xDrive mit 169 Gramm CO2-Ausstoß entschieden und dafür eine "Gelbe Karte" erhalten hat. Bei den Umweltministerin in den Ländern liegt Kretschmanns Parteifreund Robert Habeck ganz vorn.
  • Auch im Parteien-Ranking landen die Spitzenpolitiker der Grünen (145 Gramm) vor denen der Linken (150) und der SPD (159). Die FDP-Minister kommen auf 167 Gramm, die der CDU auf 176 Gramm, das Schlusslicht bilden die Spitzenpolitiker der CSU mit 177 Gramm CO2 pro Kilometer.

Und noch eine gute Nachricht: Während die Umwelthilfe in den vergangenen Jahren einige Länder auf dem Klageweg zur Herausgabe der Daten habe zwingen müssen, erhielt die Organisation in diesem Jahr alle Daten ohne große Verzögerungen aus den Ministerien.

fab



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