Dienstwagen Rot-grüne Spritschlucker

Ausgerechnet die Dienstautos der rot-grünen Bundesregierung sind schneller, stärker und durstiger als die aller Vorgängerregierungen. Eine parlamentarische Anfrage ergab: Der Fuhrpark des Bundes taugt kaum als Vorbild für die vom Umweltministerium gepredigten Forderungen nach Drei-Liter-Autos, Rußfilter und Spritsparern.

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Autokanzler: Schröder mit seinem Dienst-Phaeton
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Autokanzler: Schröder mit seinem Dienst-Phaeton

Berlin - Jürgen Trittin befand, es sei an der Zeit, sich endlich einmal selbst zu loben. Der Spritverbrauch aller deutschen Fahrzeuge sei deutlich zurückgegangen, jubelte der Bundesumweltminister unlängst: "Die Ökosteuer wirkt."

Tatsächlich könnte Trittins Umweltbilanz noch besser ausfallen - gäbe es da nicht den Fuhrpark der rot-grünen Bundesregierung. Während Normalfahrer aufs Zwischengas verzichten und statt Beschleunigungswerten neuerdings lieber Verbrauchstabellen studieren, ist den Ministern solche Zurückhaltung fremd. Noch keine Bundesregierung hat so ungehemmt mit schluckfreudigen Luxuskarossen geprotzt wie das Kabinett des einstigen VW-Aufsichtsrats Gerhard Schröders im siebten Jahr ihrer Amtsführung.

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Fuhrpark der Bundesregierung: Rot-Grün hält nichts von Ökoautos

Die durchschnittliche Power der Dienstlimousinen ist seit 1998 ordentlich angezogen. Zuckelten neu angeschaffte Dienstfahrzeuge damals noch mit einer durchschnittlichen Motorenleistung von etwa 120 PS (88 KW) durch die Gegend, kamen sie im vergangenen Jahr mit knapp 170 PS (123 KW) deutlich zügiger voran. Kein Wunder, dass derlei Fortschritt trotz moderner Verbrennungstechnik nur mit mehr Sprit zu erzielen ist. Lag der durchschnittliche Verbrauch der von Rot-Grün gelenkten Benziner 1998 noch bei 10,99 Litern auf 100 Kilometer, waren es im vergangenen Jahr bereits 11,84 Liter.

Herausgekommen ist der rot-grüne Verbrauchs- und Leistungsgewinn heute durch eine kleine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Volker Wissing. Penibel musste die Regierung auf den 16 Seiten der Bundestagsdrucksache 15/4688, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, Auskunft über ihre Autovorlieben erteilen. Für Wissing nun Anlass, an der moralischen Vorbildfunktion des Bundes beim Thema Ökoverkehr zu zweifeln.

Außenminister Fischer: Politiker halten wenig von der Spaßbremse
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Demnach reden die rot-grünen Minister in der Öffentlichkeit gerne über alternative Energieformen, Rußfilter und sparsame Drei-Liter-Autos, halten selbst aber wenig von derlei Spaßbremserei. Unter den insgesamt 25.362 Dienstfahrzeugen im Besitz der Ministerien und Bundesbehörden finden sich gerade einmal drei Drei-Liter-Autos. Und mehr sollen es auch nicht werden: Die Regierung empfindet die Sparflitzer als völlig ungeeignet, zumindest für sich selbst. Es sei "angemerkt", heißt es in ihrer Antwort auf die Anfrage, "das eine Verwendungsbreite dieser Fahrzeuge innerhalb der Aufgaben der Bundesverwaltung nicht gegeben ist".

Auch beim Einsatz von Dieselfahrzeugen - Umweltminister Trittin spricht selbst gern von "krebserregenden Rußschleudern auf deutschen Straßen" - fühlt sich der Bund nicht zum Handeln aufgefordert. Zwar müssen Neufahrzeuge einen Partikelfilter haben, doch das Nachrüsten älterer Modelle sei, so die Regierung, "im Allgemeinen nicht vorgesehen". Wozu auch: Aufgrund der "kurzen Austauschzeiten" von Behördenfahrzeugen lohne sich der Aufwand nicht.

Lieber wird flugs ein Nachfolgermodell bestellt. Gaben Regierung und Bundesbehörden im Jahr 1998 lediglich 1,6 Millionen Euro für neue Autos aus, lagen die Anschaffungskosten im vergangenen Jahr bei mehr als 42 Millionen Euro. Wobei - die Binnenkonjunktur soll schließlich in Gang kommen - sich vor allem deutsche Autohersteller über üppige Aufträge freuen konnten. Von insgesamt 23.600 unter Rot-Grün angeschafften Neufahrzeugen tragen 9300 das Volkswagen-Logo, 4600 den Mercedes-Stern, 3600 den Opel-Blitz und 3100 das Ford-Emblem. BMW durfte immerhin 1100 Fahrzeuge beisteuern, Audi 179.

Umweltminister Trittin gab allerdings auch den meist preiswerteren ausländischen Autobauern eine Chance. In den von ihm beaufsichtigten Bundesämtern für Umwelt und für Naturschutz kommen neuerdings auch Skoda, Toyota und Honda zum Einsatz - mit jeweils genau einem Fahrzeug.

Der Minister selbst indes lässt sich standesgemäßer durch die Lande kutschieren. Er fährt in einem E-Klasse-Mercedes von Termin zu Termin.



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