Kampf gegen den Diesel Die erfundenen Toten

Jedes Jahr 6000 vorzeitige Tote durch Stickoxid - damit erschreckte das Umweltbundesamt die Deutschen. Was nach Wissenschaft klingt, ist in Wahrheit eine politische Zahl einer durch und durch politisierten Behörde.

Holzofen
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Eine Kolumne von


Mir ist in der letzten Kolumne ein Fehler unterlaufen. Ich habe "MAK" und "AIR" verwechselt. Ich hatte geschrieben, dass in Büros 950 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter erlaubt seien, also 24 mal so viel wie am Straßenrand. Doch das trifft nur für Handwerksbetriebe und das verarbeitende Gewerbe zu, wo die Verordnung zur "Maximalen Arbeitsplatz-Konzentration" gilt. In Büros sind die niedrigeren Werte des "Ausschusses für Innenraumrichtwerte" ausschlaggebend. So leicht kann man sich verlaufen, wenn man über deutsche Vorschriften zur Sicherheit am Arbeitsplatz schreibt.

Ich wurde mit Aufforderungen bestürmt, den Fehler zu korrigieren. Überhaupt sei die Kolumne zum Diesel eine Frechheit, meinte eine Reihe von Lesern. Ich würde "gefährliches Halbwissen" verbreiten, schrieb der beim Naturschutzbund Deutschland für Verkehrspolitik zuständige Mann. "Selten einen schrägeren Artikel gelesen", twitterte die ehemalige grüne Parteichefin Simone Peter. 6000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr seien mir offenbar egal, hieß es immer wieder.

Mich hat die Sache verständlicherweise nicht ruhen lassen. Wenn 6000 Menschen früher ihr Leben aushauchen, weil Leute wie ich partout mit dem Diesel in die Stadt fahren wollen, bleibt man auch als Kolumnist nicht ungerührt. Die Zahl der Verkehrstoten lag 2016 mit 3200 nur halb so hoch. Zwar sind keine Babys und Kleinkinder darunter, weil man länger gelebt haben muss, um an einer Stickoxidbelastung zu sterben. Aber das ist nur ein schwacher Trost.

Auf die Zahl mit den 6000 vorzeitigen Toten stößt man sofort, wenn man die Folgen von Stickoxiden googelt. Sobald man nach der Quelle sucht, landet man beim Umweltbundesamt. Anfang des Monats hat die Behörde eine Studie veröffentlicht, in der die Zahl auftauchte. Seitdem kommt kaum ein Artikel, der die Gefahr des Diesels für die Volksgesundheit beschreibt, ohne Hinweis auf die vorzeitigen Todesfälle aus. Kein Wunder: Umweltbundesamt! Das ist besser als Greenpeace und Amnesty zusammen.

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Ich bin ein neugieriger Mensch. Wie stellt man fest, dass 6000 Menschen in Deutschland noch leben könnten, wenn es den Dieselmotor nicht gäbe, habe ich mich gefragt. Anders als bei einer Vergiftung mit Zyankali tritt der Tod bei Stickoxiden nicht sofort ein. Wenn überhaupt, kommt er schleichend. In der Liste des statistischen Bundesamtes zu Todesursachen fehlen Stickoxid-Tote. Man findet dort nahezu jede Todesart. Es gibt "Hitzeerschöpfung durch Wasserverlust" oder umgekehrt "Ertrinken und Untergehen in der Badewanne: Zu Hause". Aber Tod durch Dieselbegasung? Nichts. Nicht mal eine klitzekleine Fußnote.

Wie will man also erkennen, dass Menschen an den Folgen von Stickoxid verendet sind, und nicht, weil sie an einer Erbkrankheit oder Übergewicht litten? Das können selbst die Experten beim Umweltbundesamt beim besten Willen nicht sagen. Deshalb rechnen sie einfach die vermuteten Folgen auf die Bevölkerung hoch und sprechen von "vorzeitigen Todesfällen", womit gemeint ist, dass eine bestimmte Anzahl von Menschen nicht so lange gelebt hat, wie sie theoretisch hätten leben können.

Genauso gut könnte man den lebensverkürzenden Effekt beim übermäßigen Genuss von Eiern aus Legebatterien zu beziffern versuchen. Aber 6000 vorzeitige Tote klingen schön schaurig, deshalb werden sie überall zitiert.

Warum gibt sich eine Behörde für eine solche Verrenkung her? Man sollte meinen, dass sie beim Umweltbundesamt Besseres zu tun haben, als die Öffentlichkeit mit Scheingenauigkeiten zu erschrecken. Aber dann fiel mir ein: Ist das nicht die Behörde, die einen langen Rechtsstreit führen musste, weil sie Journalisten, die abweichende Meinung vertraten, als Leute brandmarkte, denen man nicht glauben darf? So etwas kommt normalerweise nur in Ländern wie Aserbaidschan vor, aber wenn es um den Schutz der Umwelt geht, darf es nach Meinung vieler ruhig ein wenig autokratisch zugehen.

Es ist so eine Sache mit dem vorzeitigen Ableben. Raucher zum Beispiel nehmen 5000 Mikrogramm Stickoxid täglich zu sich. Erstaunlich, dass sie nicht auf der Stelle umfallen nach allem, was man über die tödliche Wirkung dieser Gase lesen kann. Auch jede Art von Feuer im Haus kann kreuzgefährlich sein.

60.000 vorzeitige Todesfälle gehen angeblich auf das Konto der Holzfeuerung, dagegen ist der Diesel nichts. Wer es nicht glaubt, hier ist der Link. An einem Gasherd wiederum werden beim Kochen Spitzenwerte von 4000 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft erreicht. Wo bleibt die Kampagne gegen den Gasherd?

Gasherd
DPA/BSH

Gasherd

Je genauer man sich mit der Materie befasst, desto verwirrender wird es. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass die EU-Richtlinie zu den Grenzwerten vorsieht, dass mit einer Entfernung von 25 Metern zu verkehrsreichen Kreuzungen gemessen wird. Nun lese ich, dass die Messgeräte in Deutschland direkt an der Fahrbahn stehen. Ich habe das nicht überprüft. Aber wenn das stimmt, muss man sich nicht wundern, dass bei uns Dieselalarm herrscht.

Es gehört zu den Paradoxien der Gegenwart, dass wir aus Angst vor Umweltgiften von einer Ohnmacht in die andere fallen, dabei aber gleichzeitig immer älter werden. Ein Leser schickte mir die Tage eine Karikatur aus dem "New Yorker" zu, die zwei Steinzeitmenschen im Gespräch zeigt. "Jeden Tag frische Luft, sauberes Wasser und ausreichend Bewegung", sagt der eine zum anderen. "Und dennoch werden wir nur 30 Jahre alt. Irgendetwas machen wir falsch."

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insgesamt 386 Beiträge
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Seite 1
jensfx 15.03.2018
1. Der Jan erzählt wieder einmal so schlimm ist das ganze doch nicht ...
warum nicht 1000€ Mehr ins Auto stecken (von Anbeginn) Um die Werte auf ein deutlich niedriges Nivo zu senken ? Wir sprechen im durchschnitt von etwa 30 % NOX. Ich habe vor etlichen Jahren einmal Fahrradsport betrieben. Da gab es Tage wo ich wo ich ein leichtes Unwohlsein in der Lugen gespürt habe. Es hat ein bisschen gedauert bis herausfand woran das lag. Es waren die Strecken. Wenn ich lange Zeit vor allem im Sommer an einer Bundestrasse fuhr hatte ich das Problem in der Lunge . Und bin mit ziemlich sicher das das mit den Abgasen zutun hat . OB das jetzt NOX oder was auch immer weiß ich nicht. Ich denke es ist die Mischung . Also warum nicht etwas Geld in die Hand nehmen um da zuverringern.
seinedurchlaucht 15.03.2018
2. Sehr gut
Sehr guter Beitrag. Wohl typisch deutsch, die ganze Hysterie und das Umweltamt mittendrin. Ich hole mir kommende Woche meinen neuen Diesel, hoffentlich überlebe ich es.
marialeidenberg 15.03.2018
3. Kam verwunderlich dieses Verwirrspiel.
Da, wo es um derart große Besitzstände, riesige Investitionen, das Leben oder Sterben von ganzen Industriesegmenten geht, wird natürlich mit falschen Zahlen, wunschinterpretierten Verordnungstexten, genötigten Sachverständigen und korrumpierten Politikern gearbeitet. Und ja, selbstverständlich ist der Diesel sauber zu bekommen, aber da, wo sich die politische Chefetage festgelegt hat (und zwar nach Wählerwirksamkeit) sind schlüssige Argumente kein geeignetes Werkzeug mehr.
cornel.sels 15.03.2018
4. Kampf gegen den Diesel
Ich habe meinen drecks Diesel Jeep 3,0 beim freundlichen Jeep Händler gegen einen 6,2 Hemi V 8 Benziner getauscht. Der braucht zwar mehr als doppelt so viel Benzin, macht ordentlich Krawall aber ist sauber und umweltfreundlich. Über den hohen CO 2 Ausstoß zur Rettung der Klimaerwärmung redet kein Mensch mehr. Mit dieser CO 2 Schleuder darf ich nun in die Innenstädte. Verstehen tue ich das nicht wirklich. Verrückt unsere Politiker
fundador 15.03.2018
5. Noch besser ist die Behauptung in der Studie des UBA,
dass Stickoxidbelastung Diabetes verursacht. Als Typ II-Diabetiker habe ich versucht, das nachzuvollziehen und herausgefunden, dass hier einfach eine Kausalität hergestellt wird, weil es tatsächlich in Gebieten mit hoher Stickstoffbelastung offenbar auch höhere Zahlen von Diabetikern gibt - also eine rein statistische Korrelation. Gleichzeitig wird aber darauf hingewiesen, dass man nicht wisse, wie das funktionieren könne. Tatsächlich wird es so sein, dass in den besonders Stickstoffoxid-belasteten Regionen eben die weniger Wohlhabenden leben, die sich wahrscheinlich einfach ungesünder ernähren - vielleicht auch, weil ihnen einfach das Geld und das Wissen über gesunde Ernährung fehlt. So kann man auch Wissenschaft betreiben - eigentlich ist das ein Skandal und ärgert mich als umweltbewussten Menschen besonders, weil berechtigte Kritik an fehlenden Umweltschutz-Maßnahmen dadurch diskreditiert wird, wie z.B. die Forderung nach dem Abschalten von weiteren Kohlekraftwerken zur CO2-Reduktion.
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