Moscheeverein Ditib in Deutschland "U-Boot des türkischen Staates"

Angeblich ist der Islamverband Ditib politisch neutral. Doch der Moscheeverein betreibt nationalistische Werbung für den türkischen Präsidenten Erdogan - und lässt in Deutschland für den Sieg seiner Truppen beten.

Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) in Köln
picture alliance / Marius Becker

Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) in Köln

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An diesem Sonntag jährt sich der Sieg der osmanischen Truppen über die von Großbritannien und Frankreich angeführte Entente zum 103. Mal. Anlässlich des Jubiläums der sogenannten Schlacht von Gallipoli laden diverse Moscheen des Islamverbands Ditib mit martialischen Bildern und Worten zu Gedenkveranstaltungen in Deutschland ein.

"Das, was die Fahne zur Fahne macht, ist das Blut darauf", schreibt zum Beispiel Abdullah Ates, Vorsitzender der Ditib Leverkusen, in einem Facebook-Post. "Der Boden, für den man erst stirbt, wird zum Vaterland."

Auch die Verbindungen zum türkischen Staat werden anlässlich des Jubiläums der Schlacht von Gallipoli deutlich. So lädt der Ditib-Landesverband Rheinland-Pfalz für diesen Sonntag zu einer Feier in die Stadthalle von Speyer, bei der auch der Bildungsattaché des Generalkonsulats der Türkei in Köln einen Vortrag halten soll. Auch der Generalkonsul werde anwesend sein, wirbt der Moscheeverein.

"Diese Werbung ist nationalistische Stimmungsmache", kritisiert der frühere Grünen-Abgeordnete Volker Beck, Lehrbeauftragter am "Centrum für Religionswissenschaftliche Studien" (Ceres) der Ruhr-Universität Bochum, und verweist auf die aktuelle türkische Militäroffensive gegen die Kurden in Nordsyrien.

"Unverhohlen nutzt das Konsulat, das ja auch über die Religionsattachés die Dienstaufsicht der Imame innehat, die Moscheen für seine nationalistische Agitation." Dies zeige der Auftritt des Attachés und die Anwesenheit des Konsuls, so Beck.

Die Ditib-Aktionen anlässlich des Jahrestags der Schlacht von Gallipoli passen zu anderen Vorfällen der jüngeren Zeit. So hatte die staatliche türkische Religionsbehörde Diyanet Ende Januar die Imame in ihren Moscheen aufgerufen, die sogenannte Sieges-Sure aus dem Koran zu zitieren und damit für den Erfolg der "Operation Olivenzweig" in Syrien zu beten - also für den Sieg der türkischen Truppen.

"Die Politik muss aufwachen"

In der Folge riefen auch viele Ditib-Moscheen, deren Imame der Diyanet unterstellt sind, auf ihren Facebook-Seiten zum Gebet für den Sieg des türkischen Militärs. Vor einigen Tagen wurde zudem bekannt, dass Ditib-Moscheen in Nordrhein-Westfalen für eine Reise warben, auf der junge Erwachsene auch Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan treffen würden, "unseren obersten Heerführer" (Baskomutan), wie es in den Ankündigungen hieß.

"Die deutsche Politik muss endlich aufwachen", fordert der Grüne Volker Beck. "Wir müssen mit allen islamischen Verbänden im Gespräch bleiben, und wir müssen Angriffe auf Moscheen mit den Mitteln des Rechtsstaates entgegentreten." Aber es dürfe mit Ditib keinerlei Zusammenarbeit im Rahmen des deutschen Religionsverfassungsrechts geben.

Auch wenn rechts- und religionswissenschaftliche Gutachten in den Ländern zum Teil zu anderen Ergebnissen kämen, dürften Gutachter nicht nur in die Ditib-Satzungen schauen, sondern müssten sich die tatsächliche Machtstrukturen und Vermögensverhältnisse ansehen, fordert Beck. Er bezeichnet die Ditib als "U-Boot des türkischen Staates". Ein solcher Verein dürfe daher keine Religionsgemeinschaft sein.

Im Video: Spionageverdacht gegen Ditib - Stasi-Imame in Deutschland?

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insgesamt 69 Beiträge
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fev99 17.03.2018
1. Der deutsche Staat
hat schon lange die Kontrolle über die Ditib verloren. Man lässt Ankara gewähren, egal was Sie anstellen, es passiert rein gar nix. So ein schwaches Deutschland macht mir Angst.
Schmidt24 17.03.2018
2. Was sind das denn für neue Töne?
Und dazu noch vom dunkelroten SPON. Also wenn Volker Beck schon dazu aufruft, dass die deutsche Politik endlich aufwachen muss, dann steht es wirklich schlecht um das Land. Aber davon mal abgesehen - dass die deutsche Politik endlich aufwachen muss, weiß der halbwegs realistisch denkende Bürger schon seit Jahrzehnten.
ccstaudigel 17.03.2018
3. Nicht der Türkei überlassen
Unsere Türken sind zu wichtig, um sie Ankara zu überlassen. Wer in Deutschland predigt, braucht die Zulassung, nicht der entsendende Verband. Und Grundvoraussetzung ist - neben anderem: Kenntnis der deutschen Sprache, verfassungsrechtliche Zuverlässigkeit, Einstehen für den Frieden.
der_beste 17.03.2018
4. Einladung
Zu diesen friedlichen Veranstaltungen ist jeder eingeladen. Unabhängig welcher Nationalität oder Glaubensgemeinschaft die Person angehört. Man wird mit Tee und Unterhaltung empfangen. Im Gegensatz zu einigen Veranstaltungen, in denen man die Polizei angreift und die Geschäfte unschuldiger beschädigt
norbert_blüm 17.03.2018
5.
Sogar solche Leute können ab und an mal mit Ihren Äußerungen Recht haben. Es täte gut wenn sich die Politik und die Menschen in diesem Land etwas mehr mit Inhalten und weniger mit Personen beschäftigen würden.
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