Türkei lässt deutschen Autor festnehmen Gabriel will Akhanlis Auslieferung verhindern

Auf türkischen Wunsch wurde der deutsche Autor Dogan Akhanli in Spanien festgenommen. Nach SPIEGEL-Informationen hat sich Außenminister Gabriel in den Fall eingeschaltet. Ihn hat Staatspräsident Erdogan jetzt persönlich attackiert.

Sigmar Gabriel
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Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, SPD, hat sich persönlich in den Fall des in Spanien festgenommenen deutschen Schriftstellers Dogan Akhanli eingeschaltet, um dessen Auslieferung in die Türkei zu verhindern. Nach SPIEGEL-Informationen wies Gabriel am Samstag umgehend seine Diplomaten in Spanien an, mit der dortigen Regierung über das weitere Vorgehen zu sprechen.

Auf Wunsch von Gabriel drangen die deutschen Diplomaten darauf, dass Spanien den am Samstag festgesetzten Deutschen auf keinen Fall schnell an die Türkei ausliefert. Zudem baten sie, dass Deutschland direkt in den Prüfprozess des türkischen Haftbefehls gegen Akhanli eingebunden wird, hieß es in Sicherheitskreisen am Samstagabend.

Schriftsteller Dogan Akhanli
imago/ Horst Galuschka

Schriftsteller Dogan Akhanli

Die Bundesregierung sieht die auf türkischen Wunsch hin erfolgte Festnahme des Deutschen mit türkischen Wurzeln an seinem Urlaubsort Granada (mehr Details dazu lesen Sie hier) als neue Provokation durch den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. "Ein ähnliches Ersuchen über Interpol wäre in Deutschland gescheitert, deshalb versucht man nun, Regimekritiker durch solche Aktionen im Ausland einzuschüchtern", sagte ein Beamter aus den Sicherheitsbehörden.

In Regierungskreisen hoffte man am Samstag, den Vorgang mit spanischer Hilfe lösen zu können. So muss die Türkei nach der Festnahme ein detailliertes Auslieferungsersuchen mit Beweisen gegen Akhanli liefern, dann muss dies durch die spanische Justiz geprüft werden. Am Ende muss dann die Regierung eine Auslieferung genehmigen. In Berlin setzt man darauf, dass es dazu nicht kommen wird.

Erdogan attackiert Gabriel: "Beachten Sie Ihre Grenzen"

Erdogan warnte Gabriel unterdessen in einer scharfen persönlichen Attacke vor weiterer Kritik an der Türkei. "Er kennt keine Grenzen", sagte der Staatschef am Samstag in einer im Fernsehen übertragenen Rede mit Blick auf Gabriel und fügte hinzu: "Wer sind Sie, dass Sie so mit dem Präsidenten der Türkei reden? Beachten Sie Ihre Grenzen!"

Recep Tayyip Erdogan
AP

Recep Tayyip Erdogan

Mit seiner Kritik reagierte Erdogan offenbar darauf, dass sich Gabriel - wie andere deutsche Politiker auch - jede Einmischung des türkischen Präsidenten in den deutschen Wahlkampf verbeten hatte. Erdogan hatte türkischstämmige Wähler in Deutschland zuvor aufgefordert, bei der Bundestagswahl im September nicht CDU, SPD oder Grüne zu wählen.

Des Weiteren kritisierte der türkische Präsident, dass Gabriel versuche, "uns eine Lektion zu erteilen" und fügte hinzu: "Wie lange sind Sie eigentlich in der Politik? Wie alt sind Sie?"

Retourkutsche Erdogans?

Nicht wenige in der Bundesregierung vermuten gar, dass die Festnahme in Spanien eine direkte Retourkutsche nach dem Schlagabtausch Ende der Woche sein kann, darin hatte Gabriel Erdogan ein "böses Spiel" unterstellt und offen gesagt, dass der türkische Staatschef die Demokratie und den Rechtsstaat in seinem Land aber auch hier zerstören wolle. "Es ist ein Hin und Her, allerdings wird der Ton immer schärfer", sagte ein Regierungsbeamter am Samstagabend.

mit Material von AFP

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clausbremen 19.08.2017
1. Es ist ...
... mir unbegreiflich, warum der Präsident eines Landes sich mit der zitierten Wortwahl über den Aussenminister eines anderen Landes äussert. Offenbar hat Erdogan einen schweren Dachschaden. Anders ist solch ein arrogantes und substanzloses Daherreden nicht mehr zu erklären. Er muss wohl davon ausgehen, dass er sich inzwischen alles erlauben kann.
tutnet 19.08.2017
2. Eine Reisewarnung für die Türkei,
keine Hermes Bürgschaften mehr und ggf. Rauswurf des türkischen Botschafters, irgendwas davon wird schon helfen.
niska 19.08.2017
3.
"Wer sind Sie, dass Sie so mit dem Präsidenten der Türkei reden? ... Wie alt sind Sie?" Erdogan scheint zumindest ca. 5 Jahre alt zu sein... Wie lächerlich geht es denn noch? Wie im Sandkasten.
hamburghammer 19.08.2017
4. Der beleidigte Sultan
Grenzen gelten immer nur für die anderen, nicht für Erdogan. Der darf jeden nach Gusto beleidigen, aber wenn er selbst kritisiert wird, auch zu Recht, dann ist er der Präsident der Türkei, den jeder respektieren bzw. vor dem gebuckelt werden soll. Ziemlich armselig. RESPEKT und EHRE wird verdient, nicht automatisch aufgrund von Amt oder Nationalität gewährt. Wie man in den Wald hineinruft. Wer sich wie die Axt im selbigen aufführt, darf sich nicht wundern, wenn der Respekt ausbleibt. Das gilt für jeden Menschen und jeden Politiker.
lahozdeoro 19.08.2017
5. "Wer sind Sie, dass Sie so mit dem Präsidenten der Türkei reden?"
So langsam bin ich echt fassungslos, was dieser sogenannte Präsident sich alles erlaubt. "Beachten Sie Ihre Grenzen" - äh - wen meint er damit? Kennt er Grenzen? - Und was soll das: "Wie lange sind Sie eigentlich in der Politik? Wie alt sind Sie?" - glaubt er, er könne uns alle wie Schulkinder behandeln? Und selbst dann wäre das nichts anderes als eine bodenlose Unverschämtheit.
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