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Doktor-Affäre: EU-Kollegen spotten über Koch-Mehrins Karrieresprung

Silvana Koch-Mehrins Wechsel in den Forschungsausschuss des EU-Parlaments kam überraschend, hatte sie doch wegen einer Plagiatsaffäre ihren Doktortitel verloren. Nun folgt die genüssliche Kritik aus den Reihen der Grünen und der Union. In der FDP-Zentrale herrscht dagegen Unverständnis.

Politikerin Koch-Mehrin (im Mai): Wechsel "seit langer Zeit geplant" Zur Großansicht
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Politikerin Koch-Mehrin (im Mai): Wechsel "seit langer Zeit geplant"

Brüssel - Die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin zieht mit ihrer Vollmitgliedschaft im Forschungsausschuss des Europaparlaments den Spott der EU-Kollegen auf sich. "Vielleicht hat sie in der Auseinandersetzung um ihren Doktortitel jetzt doch das Interesse an der Forschung gefunden, das ihr früher entgangen war", kommentierte der grüne Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer.

Nach der Plagiatsaffäre und dem Verlust ihres Doktortitels war die 40-Jährige Vollmitglied im Forschungs- und Industrieausschuss des EU-Parlaments geworden, wie ein FDP-Sprecher am Donnerstag bestätigte. Bisher war sie nur stellvertretendes Mitglied im Ausschuss.

Auch vom CDU-Europaabgeordneten Werner Langen kam beißende Kritik: "Wenn sie jetzt kein deutscher FDP-Star mehr ist, wird sie vielleicht endlich Zeit haben, sich in Brüssel an der Sacharbeit zu beteiligen", sagte Langen auf bild.de. Die europäische Forschungspolitik werde an der Personalie nicht zugrunde gehen, bemerkte CSU-Europapolitiker Markus Ferber im selben Medium spitz.

Selbst in der eigenen Parteiführung bleiben Zweifel. Was von langer Hand geplant sei, könne auch wieder rückgängig gemacht werden, hieß es aus FDP-Kreisen. Forderungen, Koch-Mehrin solle ihr Mandat im Europäischen Parlament wegen der Plagiatsaffäre gänzlich niederlegen, werden von der Partei aber weiterhin zurückhaltend bewertet: Mandatserwägungen seien die freie Entscheidung eines jeden Abgeordneten. In der Parteispitze habe es aber Kopfschütteln über die Entscheidung gegeben.

Wechsel "schon lange" geplant

Wie SPIEGEL ONLINE berichtet hatte, tauscht Koch-Mehrin den Ausschuss-Sitz mit ihrem Parteikollegen Jorgo Chatzimarkakis, der ebenfalls durch Plagiatsvorwürfe belastet ist. Dieser Wechsel sei allerdings "schon lange Zeit geplant", sagte der FDP-Sprecher. Es bestehe kein Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen. Koch-Mehrin habe sich für die Arbeit interessiert und sich mit ihrem Kollegen geeinigt.

Die Universität Heidelberg hatte am Mittwoch vergangener Woche angekündigt, Koch-Mehrin den Doktorgrad zu entziehen, weil sie in ihrer Dissertation abgeschrieben habe. Wegen der Plagiatsaffäre hatte die FDP-Frau ihre Ämter als Vizepräsidentin des Europaparlaments und als Vorsitzende der FDP in der Volksvertretung niedergelegt. Ihr Abgeordneten-Mandat hat sie jedoch behalten, auch wenn Sozialdemokraten sie zur Aufgabe drängten.

jok/dpa

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1. Kleiner Fehler
gruenerfg 23.06.2011
Zitat von sysopSilvana Koch-Mehrins Wechsel in den Forschungsausschuss des EU-Parlaments kam überraschend, hatte sie doch wegen einer Plagiatsaffäre ihren Doktortitel verloren. Nun folgt die genüssliche Kritik der Grünen: Reinhard Bütikofer spekuliert über ein neues Forschungsinteresse der FDP-Frau. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,770215,00.html
Das Wort Grüne in der Überschrift suggeriert, nur diese würden spotten. Ich finde, der Großteil Deutschlands bzw. Europas spottet. Und das Zurecht.
2. ---
Kaworu 23.06.2011
Wie im Straßenverkehr: Regeln und Anstand sind was für die Dummen.
3. nehmt doch bitte die Bürger ernst!
skom 23.06.2011
Auch wenn sicherlich viele andere Themen wichtig, mitunter sogar wichtiger sind als dieses hier, so kann man die Politiker aller Fraktionen nur noch einmal eindringlich auffordern, uns Bürger, Steuerzahler und mithin Alimentierer ernst zu nehmen - und das Verhalten von Frau Koch-Mehrin ist ein Schlag ins Gesicht derer, die fleißig und ehrlich arbeiten. In den sozialen Netzwerken ist die Empörung auch dementsprechend groß, in facebook artikuliert bspw. in der Fanpage "Gegen Koch-Mehrin als Vollmitglied im Forschungsausschuss des EU Parlaments", zu sehen hier: http://www.facebook.com/#!/gegen.koch.mehrin Es wäre schön, wenn diese Thema nicht einfach wieder von der Tagesordnung verschwindet, sondern auf der Agenda bliebe. So ein Verhalten ist nicht akzeptabel.
4. Verdammte Computer, verdammtes Internet?
alterknacker 23.06.2011
Die Eltern Guttenberg, Koch-Mehrin und Stoiber sind, was die Kommunikation angeht, noch fast mit den Urwaldtrommeln aufgewachsen, bis diese verdammten Computer die Welt in ein Dorf verwandelten. Wie müssen sie sich nun fühlen, da ihre Sprösslinge von eben diesen Computern und diesem verfluchten Internet und denjenigen, die damit umgehen können, beim Bescheißen erwischt wurden und werden? (http://freies-in-wort-und-schrift.info/2011/05/11/verdammte-computer-verdammtes-internet/) Aber dies ist nicht allein ein Kriterium, warum besagte 'Dame' außer dem Rücktritt von den Parteiämter auch einen Rücktritt aus der deutschen Politik insgesamt durchführen sollte. Diese Art des Betrugs schadet der Politik mehr als es bisher für möglich gehalten wird, denn diese Erinnerungen bleiben bei den Wählern im Langzeitgedächtnis, garantiert. Soll sie doch einfach mal versuchen, in der freien Witschaft Fuß zu fassen, dann wird sie schon mal einen minimalen Eindruck davon bekommen, wie es den sogenannten Hartzern ergeht, die sich NIEMALS etwas zu schulden haben kommen lassen und doch wie der letzte Dreck behandelt werden von der Gesellschaft.
5. Dilettanten an die Macht!
unente, 23.06.2011
Wie es so schön heißt: "Man darf das Militär nicht den Militärs überlassen", so muss man nun wohl auch sagen: "Man darf die Forschung nicht den Experten überlassen". Koch-Mehrin wird schon nicht inkompetent reinquatschen - die ist ja sowieso nie da.
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