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Doktorpfusch-Verdacht: Liberale bangen um Frontfrau Koch-Mehrin

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FDP-Spitzenfrau Silvana Koch-Mehrin steht vor ihrer wohl schwersten Belastungsprobe: Bewahrheiten sich die Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit, droht den Liberalen der Abgang ihrer prominentesten Frau. Die Strategie der Politikerin: schweigen.

Silvana Koch-Mehrin: Prominente FDP-Frau Fotos
REUTERS

Berlin - Silvana Koch-Mehrin schweigt. Der Sprecher ihres Büros in Brüssel verweist in einer E-Mail auf die Hochschule: "Ich bitte Sie, sich bei Fragen über den Inhalt oder eine Überprüfung der Dissertation von Frau Dr. Koch-Mehrin an die zuständigen Gremien der Universität Heidelberg zu wenden."

Die FDP-Politikerin will offenkundig nicht jenen Fehler begehen, den einst Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg machte und der bis heute die Öffentlichkeit beschäftigt: mit öffentlichen Äußerungen die Debatte um die Plagiatsvorwürfe zur Doktorarbeit erst recht zu befeuern. Die Universität soll klären, wie sie die Vorhaltungen einordnet, die auf der Homepage VroniPlag Wiki im Zusammengang mit ihrer Doktorarbeit erhoben werden. Die Europapolitikerin, die von Parteichef Guido Westerwelle gestützt und unterstützt wurde, ist ein bekanntes Gesicht. Sie verkörpert die andere, die sympathische FDP. Kürzlich saß sie, nachdem Philipp Rösler seine Kandidatur für den Bundesvorsitz erklärt hatte, in der ZDF-Sendung "Markus Lanz" und lachte mit über Gags, die zwei Kabarettisten über die FDP zum Besten gaben. Koch-Mehrin ist keine verbissene Politikerin.

Nun steht die 40-Jährige, seit zwei Jahren Vizepräsidentin des Europaparlaments, möglicherweise vor ihrer schwersten Bewährungsprobe. Es geht um nicht weniger als ihre Glaubwürdigkeit. Den Doktortitel hat Koch-Mehrin auf Plakaten und Werbezügen für die FDP stets mit angegeben. Sollte sich herausstellen, dass Teile ihrer Arbeit aus anderen Quellen abgeschrieben worden sind, wäre ihr Image zumindest angekratzt. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten und entzöge ihr die Hochschule den Titel, wäre ein Schicksal wie das Guttenbergs wohl auch nicht ausgeschlossen - das Ende einer politischen Laufbahn.

Die Universität Heidelberg wird auf jeden Fall in der Sache tätig. Der Promotionsausschuss hat am Dienstag seine Arbeit aufgenommen und will die 227 Seiten umfassende Dissertation prüfen. Die Hochschule hatte erst am Montag über die Internetplattform VroniPlag Wiki von den Vorwürfen erfahren. Daraufhin seien Rektorat und Fakultät informiert worden, sagt eine Sprecherin der Hochschule. Sollte sich der Verdacht erhärten, werde die "Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" eingebunden. Auch Koch-Mehrin werde um eine Stellungnahme gebeten. Die Prüfungen geschähen "so schnell wie möglich aber auch mit der gebotenen Sorgfalt", heißt es in Heidelberg.

Rund 13 Prozent der Arbeit stehen laut VroniPlag Wiki bislang im Verdacht, abgeschrieben worden zu sein. Koch-Mehrin hatte 1998 unter dem Titel "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" ihre Dissertation über die Lateinische Münzunion geschrieben.

Die FDP hat genug zu tun

Für die FDP ist der Vorgang unangenehm. Niemand will sich derzeit öffentlich äußern, doch wird der Fall in Berlin interessiert und auch mit Sorge beobachtet. Als hätte die FDP mit den Dauerangriffen gegen Außenminister und Noch-Parteichef Guido Westerwelle und der jüngst angekündigten Personalrochade an der Spitze mit Philipp Rösler nicht schon genug zu tun, kommen den Liberalen jetzt noch die Plagiatsvorwürfe dazwischen. Und das in einer Phase, in der die FDP einen neuen Aufbruch plant - mit einem Team aus jungen und älteren Kräften. Der Name Koch-Mehrins wurde dabei immer wieder mal genannt. Koch-Mehrin ist Mitglied des FDP-Präsidiums - sie gehört dem Gremium als Vorsitzende der FDP im Europaparlament automatisch an.

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Silvana Koch-Mehrin: Prominente FDP-Frau
Das Problem: Die Partei ist nicht gerade gesegnet mit prominenten Frauen. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger genießt Respekt, Fraktionschefin Birgit Homburger steht bei Teilen der Partei hingegen in der Kritik. Koch-Mehrin steht für eine jüngere Frauengeneration. Jüngst hatte sie im Streit über die Einführung einer Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten für Schlagzeilen gesorgt - als sie sich gegen ihre Partei stellte und offen Sympathien für eine gesetzliche 30-Prozent-Klausel zeigte, wie sie etwa der CDU-Politikerin und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen vorschwebt.

Schweigen im Europaparlament

In Straßburg und Brüssel hat Koch-Mehrin nicht wenige Gegner - auch, weil sie sich mit manchen Äußerungen vorwagte und Kollegen arg vergrätzte. Vor zwei Jahren etwa hielt sie männlichen Abgeordneten vor, diese verhielten sich bei den Sitzungstagen in Straßburg "wie im Landschulheim, nach dem Motto: Hier kennt mich keiner, hier kann ich machen, was ich will". Gemünzt war das auf angebliche Besuche von EU-Parlamentariern bei Prostituierten.

Das rächte sich. Als sie zur Vizepräsidentin gewählt wurde, schaffte sie es erst im dritten Anlauf und erzielte in der ersten beiden Wahlgängen das schlechteste Ergebnis aller Kandidaten. Nur wenige Wochen zuvor waren im Europawahlkampf auch Vorwürfe erhoben worden, sie zeige zu wenig Präsenz im Parlament - SPD und Union griffen sie gleichermaßen scharf an. Koch-Mehrin nahmen die heftigen Attacken damals mit - umso erleichterter wirkte sie, als ihr und der FDP mit einem ordentlichen Ergebnis dennoch der Wiedereinzug ins Europaparlament gelang.

Dort wollen sich deutsche Abgeordnete zu den Vorwürfen nicht äußern. Nein, dazu wolle er nichts sagen, sagt ein führender Abgeordneter aus der Union. Nur zu gut ist dort noch die Guttenberg-Affäre in Erinnerung. Auch bei den Sozialdemokraten ist man zurückhaltend. Martin Schulz, der wortmächtige Chef der sozialdemokratischen Fraktion im Europaparlament, der schon öfter mit Koch-Mehrin politisch gerangelt hat, rief sie am Dienstagnachmittag an und bat um Auskunft. "Das ist eine Frage der Kollegialität", sagt der SPD-Politiker zu SPIEGEL ONLINE. Koch-Mehrin habe auf die Prüfung durch die Universität verwiesen. "Ich warte das Ergebnis aus Heidelberg jetzt erst einmal ab", sagt Schulz.

Mit Material von Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 611 Beiträge
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1. Doktor
Maskulist5 13.04.2011
Gerade im bürgerlichen Lager ist der Doktortitel oftmals ein Ersatz für ecujte Kompetenz und Lebenserfahrung. Das merkte man bei Guttenberg, man merkt auch noch heute bei Westerwelle und Koch-Mehrin, die wegen ihrer seltenen Anwesenheit bereits als "Milli Vanilli" der EU-Politik einschlägig bekannt ist. Vermutlich sitzt sie lieber bei Kaffee bei den Lobbyisten und verhandelt über Parteispenden, wenn sie im richtigen Moment die Hand hebt, anstatt im Parlament ihrer Arbeit nachzugehen.
2. Prominenteste FDP-Frau?
shokaku 13.04.2011
Da ist doch noch Schnarri. Silvana 6000 taugte nur in einer Westerwelle FDP als Aushängeschild. Sollte sich diese Partei mal wieder auf Substanz besinnen, ist dann eh kein Platz mehr in der vordersten Linie. Vollkommen unabhängig von Plagiatsvorwürfen.
3. Gezielte Kampagne?
profoundthinker1 13.04.2011
Warum werden bisher gezielt nur konservativ-liberale Politiker "verfolgt"?
4. Na und nun?
paretooptimal 13.04.2011
Frau Koch-Mehrin wäre doch kein Verlust für die FDP. Wer kommt denn auf solch blöde Erkenntnis?
5. gesucht und gefunden
ergoprox 13.04.2011
Zitat von profoundthinker1Warum werden bisher gezielt nur konservativ-liberale Politiker "verfolgt"?
Woher wollen Sie das wissen? Gefunden wird offensichtlich gerade dort etwas, gesucht wird überall.
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