Dokumentation Das gesamte Wulff-Interview in Video und Wortlaut

Der Bundespräsident hat sich im TV-Interview zu seiner Kredit- und Medienaffäre geäußert. Lesen Sie hier Christian Wulffs Antworten auf die zentralen Vorwürfe und das komplette Interview im Wortlaut.

DPA/ BPK

Berlin - Bundespräsident Christian Wulff weist in einem Interview mit ARD und ZDF Vorwürfe wegen seines umstrittenen Hauskredits, der Urlaube bei reichen Freunden und Medienbeeinflussung zurück. Vor einem Millionenpublikum räumt er zwar Fehler ein, lehnte einen Rückzug aber ab. "Ich habe weder jetzt im Amt des Bundespräsidenten gegen irgendein Gesetz verstoßen noch vorher. Es geht nicht um Rechtsverstöße", sagte Wulff. So äußerte sich Wulff zu den Vorwürfen:

Wulff zu seinem umstrittenen Hauskredit von Edith Geerkens: "Letztlich gibt es natürlich auch Persönlichkeitsrechte, es gibt auch Menschenrechte selbst für Bundespräsidenten und auch deren Freunde, deren Angehörige, und ich möchte nicht Präsident in einem Land sein, wo sich jemand von Freunden kein Geld mehr leihen kann. Das will ich auch mal sagen [...]. [...] Aber ich räume hier ein, dass ich Beziehungen zu Frau Geerkens habe. Das hätte ich sagen sollen, wenn ich es heute noch mal entscheiden könnte von vornherein, dann würde ich heute in dem Moment, wo ich dieses Haus kaufe, ein Interview geben und sagen, ich habe dieses Haus gekauft mit Hilfe von Freunden, die mir für die Anfangszeit und Sanierung Geld zur Verfügung gestellt haben, ordentlich verzinst."

Wulff zu seinem günstigen Kredit bei der BW-Bank: "Es sind ganz normale übliche Konditionen. Das ist keine Immobilienfinanzierung, keine Hausfinanzierung, sondern es ist eine Kreditmarktbereitstellung. Jeweils immer für drei Monate."

Wulff über seine Urlaube bei reichen Freunden: "Wenn man als Ministerpräsident keine Freunde mehr haben darf und wenn alle Politikerinnen und Politiker in Deutschland ab sofort nicht mehr bei Freunden übernachten dürfen, sondern, wenn Sie bei den Freunden im Gästezimmer übernachten, nach einer Rechnung verlangen müssen, dann verändert sich die Republik zum Negativen. Davon bin ich fest überzeugt. Und deswegen stehe ich zu diesen sechs Urlauben bei Freunden auf Norderney oder fünf, sechs Tage dort in Italien oder sieben Tage bei Freunden, mit den Freunden zusammen zu kochen, zu frühstücken, im Gästezimmer zu schlafen. Da erhebe ich auch keine Rechnung, wenn mich die Freunde hier in Berlin besuchen."

Wulff zu dem wütenden Anruf beim "Bild"-Chefredakteur: "Der Anruf bei dem Chefredakteur der 'Bild'-Zeitung war ein schwerer Fehler, der mir leidtut, für den ich mich entschuldige", sagte Wulff. Er wolle "besonnen, objektiv, neutral, mit Distanz" als Bundespräsident agieren. Wulff habe sich in dem Moment eher als Opfer gesehen und nicht "als denjenigen, der eine Bringschuld hat gegenüber der Öffentlichkeit, Transparenz herzustellen und auch berechtigte Fragen zu beantworten". Trotzdem bittet er um Verständnis, ein "Impuls" habe zu dem Anruf geführt: "Vielleicht muss man die Situation auch menschlich verstehen. Wenn man im Ausland ist, in vier Ländern in fünf Tagen, zehn Termine am Tag hat und erfährt, dass Dinge während dieser Zeit in Deutschland veröffentlicht werden sollen, [...], dann muss man sich auch vor seine Familie stellen."

Wulff zu seinem Verhältnis zur Presse: Er müsse sein Verhältnis zu den Medien neu ordnen, so Wulff im Interview. Medien hätten eine wichtige Aufgabe in der Demokratie.

Wulff zu einem möglichen Rücktritt: Er habe nicht ernsthaft über einen Rücktritt nachgedacht, so der Bundespräsident. "Ich nehme meine Verantwortung gerne wahr, ich habe sie für fünf Jahre übernommen. Und ich möchte nach fünf Jahren eine Bilanz vorlegen, dass ich ein guter, erfolgreicher Bundespräsident war; und ich mache das mit Freude und aus Überzeugung und weiß, dass ich nichts Unrechtes getan habe, aber nicht alles richtig war, was ich getan habe. [...], wem es in der Küche zu heiß ist, der darf nicht Koch werden wollen, wie es Harry S. Truman gesagt hat. Und deswegen muss man offenkundig auch durch solche Bewährungsproben hindurch."

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sp0n 04.01.2012
1. 150€
Was bewegte Frau Schausten nur dazu - nachdem Herr Wulff sich gerade völlig unmissverständlich dazu bekannt hatte, Freunden keine Bewirtungskosten in Rechnung zu stellen - mit ihrem abstrusen 150€-Vorstoß zu kommen. "Was spricht dagegen eigentlich?" Die Sache ist schlechterdings unfassbar. War Frau Schausten Herrn Wulff noch einen Gefallen schuldig? Er kann sich jedenfalls freuen über dieses gewollte oder ungewollte Ablenkungsmanöver.
kiefer2012 05.01.2012
2. Schausten
Schausten: "Aber da hätten Sie natürlich auch sagen können: Ich gebe Euch mal pro Nacht 150 Euro. So was. Was spricht dagegen eigentlich?" Wulff: "Machen Sie das bei Ihren Freunden so?" Schausten: "Ja." Ja, so schnell verplappert man sich. Frau Schausten macht doch gerade vor wie schnell unbedachte Worte heraus sind. Wenn es wirklich so ist, hat sie hoffentlich Quittungen und ihre Freunde versteuern die Einnahmen. Solche Aussagen disqualifizieren Frau Schausten als seriöse Journalistin.
chuckal 05.01.2012
3. klar
Zitat von sysopDer Bundespräsident hat sich im TV-Interview zu seiner Kredit- und Medienaffäre geäußert. Lesen Sie hier Christian Wulffs Antworten auf die zentralen Vorwürfe und das komplette Interview im Wortlaut. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,807232,00.html
"Da erhebe ich auch keine Rechnung, wenn mich die Freunde hier in Berlin besuchen." ...das zahlt dann ja auch der Steuerzahler, wenn seine Osnabrücker und Hannoveraner Maschi-Geerken VW Porsche Gang im Bellevue BUBU macht...weil die Vroni keinen Bock auf die Lachshappen im Adlon hat... Mein Gott ist das alles klein
noworriesmate 05.01.2012
4. Journalisten sind Teil des Problems
Zitat von kiefer2012Schausten: "Aber da hätten Sie natürlich auch sagen können: Ich gebe Euch mal pro Nacht 150 Euro. So was. Was spricht dagegen eigentlich?" Wulff: "Machen Sie das bei Ihren Freunden so?" Schausten: "Ja." Ja, so schnell verplappert man sich. Frau Schausten macht doch gerade vor wie schnell unbedachte Worte heraus sind. Wenn es wirklich so ist, hat sie hoffentlich Quittungen und ihre Freunde versteuern die Einnahmen. Solche Aussagen disqualifizieren Frau Schausten als seriöse Journalistin.
Vielen Dank für diesen treffenden Beitrag. Meistens stellen sich Journalisten als neutral hin und geben vor nur die "Wahrheit" im Namen des Volkes erfahren zu wollen. Dabei sind sie selbst Teil eines medialen Wirtschaftsunternehmens das auf die Vermarktung und den Verkauf von Nachrichten angewiesen ist. Wer kann es da verdenken, daß die Journalisten ebenfalls empfänglich sind für gute Beziehungen zu Politikern die ihnen im Zweifelsfall sogar den Job retten können ? Es wäre jetzt auch schön wenn Frau Schausten " nur mal so zur Demonstration" Ihrer journalistischen Glaubwürdigkeit Beweise für ihre Behauptung vorlegen würde.
tomtok 05.01.2012
5.
Zitat von kiefer2012Schausten: "Aber da hätten Sie natürlich auch sagen können: Ich gebe Euch mal pro Nacht 150 Euro. So was. Was spricht dagegen eigentlich?" Wulff: "Machen Sie das bei Ihren Freunden so?" Schausten: "Ja." Ja, so schnell verplappert man sich. Frau Schausten macht doch gerade vor wie schnell unbedachte Worte heraus sind. Wenn es wirklich so ist, hat sie hoffentlich Quittungen und ihre Freunde versteuern die Einnahmen. Solche Aussagen disqualifizieren Frau Schausten als seriöse Journalistin.
Genau! Das war für mich der größte Skandal bei dem ganzen Interview - weil ich mal ganz frech behaupten will: "Frau Schausten, das war gelogen!" Und solche "Gutmenschen" stellen sich dann hin und werfen die berühmten "ersten Steine"! Pfui Teufel. Bei mir ist die Dame jedenfalls unten durch.
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