Gesundheit des Präsidenten Leidet Donald Trump an Demenz?

Neurolinguisten haben für das Wissenschaftsmagazin STAT Interviews von Trump verglichen und dabei eine deutliche Abnahme des Sprachvermögens festgestellt. Das erhärtet einen schrecklichen Verdacht.

US-Präsident Donald Trump
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Eine Szene, die ich vor ein paar Wochen zufällig auf SPIEGEL ONLINE gesehen habe: Der amerikanische Präsident hält im Rosengarten eine Pressekonferenz ab, mit dem rumänischen Staatschef Klaus Johannis an seiner Seite. Eine Reporterin fragt, ob die beiden über Visa-Erleichterungen für Rumänen gesprochen hätten.

"Wir haben nicht darüber geredet", antwortet Donald Trump. "Ich habe es angesprochen", sagt der Gast neben ihm. Eigenartig.

Trump schreibt auf Twitter Wörter, die keinen Sinn ergeben und die auch seine Presseleute nicht zu erklären vermögen. Er vertippt sich ständig. Oder er berichtet über Begebenheiten, die sich so nicht zugetragen haben können.

DPA

Die MSNBC-Moderatorin Mika Brzezinski, die Trump vergangene Woche beschuldigte, bei einem Treffen in seinem Golfresort über die Neujahrstage wegen eines Faceliftings im Gesicht geblutet zu haben, hat nicht nur nicht geblutet, wie man zweifelsfrei weiß. Sie war über den behaupteten Zeitraum auch nicht dort, wo der Präsident sagt, dass sie gewesen sei.

Was ist da los? Kann es sein, dass der Präsident der Vereinigten Staaten nicht mehr ganz bei sich ist?

Alle Welt echauffiert sich über den Mann im Weißen Haus, seine Unterstellungen und Beleidigungen, seine wilden Angriffe gegen die Presse. Die Analysten sehen dahinter eine Strategie. Indem er die Grenze verschiebe, was als wahr zu gelten habe, ändere er die Maßstäbe, an denen ein Präsident vom Volk gemessen werde.

Das klingt alles gar nicht gut

Politikjournalisten neigen dazu, auch hinter Fehlern einen Plan zu sehen. Wenn Angela Merkel in einem Interview auf offener Bühne eine Abstimmung freigibt, die sie eben noch verhindern wollte, wittern sie gleich Kalkül. Aber was, wenn es sich nur um einen Lapsus handelt? Oder wie im Fall Trump um unbeabsichtigte Aussetzer?

Wäre Donald Trump mein Vater, würde ich ihn zum Arzt schicken. Ein 71-Jähriger, der Schwierigkeiten hat, den Ablauf des Jahreswechsels 2016 in seinem eigenen Haus korrekt wiederzugeben? Das klingt nicht gut, würde ich sagen.

Ich musste diese Woche an einen Aufsatz denken, den ich Ende Mai auf dem Wissenschaftsportal STAT gelesen habe. STAT gehört zum Boston Globe - das ist die berühmte Tageszeitung, die für ihre Berichterstattung über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in dem Film "Spotlight" sogar zum Hollywoodstoff wurde. STAT unterhält mehrere Büros in den Vereinigten Staaten und hat sich darauf spezialisiert, Nachrichten aus Gesundheit und Medizin sowie wissenschaftliche Entdeckungen zu präsentieren.

In dem Artikel ging es um Trumps Sprachvermögen. Wissenschaftler hatten Interviews aus den vergangenen 30 Jahren genommen und miteinander verglichen. Dabei war ihnen aufgefallen, dass sich Trumps Sprache auffällig verändert hat. In Interviews aus den Neunzigerjahren benutzt er ein reichhaltiges Vokabular. Seine Sätze sind verschachtelt, aber führen am Ende immer auf einen Punkt. Er verliert selten den Faden, selbst wenn es um komplexe Sachverhalte geht.

Im Gegensatz dazu wirken die jüngsten Äußerungen wie die eines 10-Jährigen. Trump wiederholt sich jetzt ständig. Sein Vokabular ist stark reduziert, die Syntax gehorcht keinen klaren Regeln mehr. Oft springt er beim Sprechen von einem Gedanken zum anderen, ohne dass ersichtlich ist, worauf er hinauswill.

Ein typischer Trump-Satz sieht so aus: "... there is no collusion between certainly myself and my campaign, but I can always speak for myself - and the Russians, zero." Ins Deutsche übersetzt klingt das etwa so: "Es gibt mit Sicherheit keine Absprache zwischen mir und meiner Kampagne, aber ich kann in jedem Fall für mich sprechen - und die Russen, null."

Unterwegs wie eine Aufziehpuppe

Was mag diesen Wandel bewirkt haben? STAT hat dazu mehrere Neurolinguisten befragt. Ferndiagnosen sind eine heikle Sache, keine Frage. Aber die Wissenschaftler sind sich einig, dass der Verlust des Sprachvermögens Hinweis auf eine nachlassende Funktionsfähigkeit des Geistes sein kann. Im ungünstigsten Fall ist es ein erstes Anzeichen für eine degenerative Hirnkrankheit. Das wäre ein beunruhigender Befund, wenn er zuträfe, nicht nur für Trump und seine Angehörigen, sondern für die gesamte Welt.

Sicher, es gibt auch andere Erklärungen. Möglicherweise setzt Trump einfach der Stress zu, und er bekommt zu wenig Schlaf, was sich negativ auf seine Artikulationsfähigkeit auswirkt. Oder er denkt, dass seine Anhänger ihn nicht verstehen, wenn er zu gedrechselt redet. Aber die Veränderung erstreckt sich auf praktisch alle Auftritte, in denen er frei reden muss. Auch die Bewegungen wirken merkwürdig einstudiert. Wenn Trump sich einem Podium nähert, erinnert er an eine Aufziehpuppe und nicht an einen Mann, der nach eigenen Angaben jederzeit Profigolfer werden könnte.

Donald Trump ist der älteste Mensch, den die Amerikaner je ins Präsidentenamt gewählt haben. Das Alter spielt, wie man weiß, bei der Beweglichkeit des Geistes eine große Rolle. Sein Arzt Harold Bornstein hat Trump im Wahlkampf die beste Gesundheit bescheinigt, über die je ein Präsidentschaftsbewerber verfügt habe, aber das war schon damals nicht ganz ernst zu nehmen.

Leber- und Schilddrüsenwerte seien alle im normalen Bereich, schrieb der Arzt. Trump raucht und trinkt nicht, seine Testosteronwerte sind gut, wie Trump selbst hervorhob. Aber Testosteron sagt leider nichts darüber aus, ob jemand im Kopf klar ist.

Mit Menschen, die an Demenz leiden, muss man behutsam umgehen. Sie reagieren schnell gereizt, wenn sie merken, dass sie den Dingen nicht mehr folgen können. Auch Änderungen der Routine machen ihnen zu schaffen. Am besten man gibt ihnen das Gefühl, sie hätten die Dinge im Griff.

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insgesamt 295 Beiträge
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Seite 1
willibaldus 06.07.2017
1.
Das wäre wirklich keine gute Nachricht. Hatten wir aber bei Reagan schon. Sein Team hat ihn aufgefangen, auch wenn er seinen Stabschef nicht mehr erkannt hat. Man konnte ihm immer noch einen Zettel mit Stichworten in die Hand drücken und er konnte noch eine gute Rede liefern. Ob sein Team Trump auffangen kann, wenn es denn stimmen sollte?
whoispaul 06.07.2017
2. nun dies
würde so einiges erklären!
keine-#-ahnung 06.07.2017
3. Mensch ... Herr Fleischhauer.
Sie springen doch sonst nicht über jedes Stöckchen, was Ihnen hingehalten wird :-)
baronin 06.07.2017
4. Aufatmen. Endlich Klartext.
Es gibt viel Material zu Trump in YouTube. Er war ein erstaunlich eloquenter und charmanter Interviewpartner. Zu der Zeit war er auch geschäftlich noch erfolgreich. Irgendwann kamen nur noch Abschreibungsprojekte. Trump baut schon länger ab. Es tut gut, dass das Thema auf den Tisch kommt. Es wird uns alle vermutlich noch in extremer Weise beschäftigen.
muontec 06.07.2017
5. na dann hoffen wir Mal
...dass Donald sich vielleicht so noch vor der Kamera "outet" und so ein Grund für ne Abwahl da wäre... oder Europa übernimmt einfach die Führung... nur so ein Tagtraum
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