Grüne zu Trumps Klima-Entscheidung Wir dürfen nicht warten, bis Mar-a-Lago absäuft

Die Grünen-Spitze sieht Trumps Ausstieg aus dem Klimavertrag als Weckruf für Welt. In einem Gastbeitrag rufen Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir zum Gegenhalten auf.

Eisbärenfamilie
DPA

Eisbärenfamilie


Die Autoren
  • DPA
    Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir sind Spitzenkandidaten der Grünen zur Bundestagswahl 2017. Beide wurden in einer Urwahl ihrer Partei zum Spitzenduo für den Wahlkampf gekürt. Die Grünen fordern einen Kohleausstieg bis 2025 und einen Produktionsstopp für Verbrennungsmotoren ab dem Jahr 2030.

2015 war ein gutes Jahr für die Erde: 195 Staaten haben sich verpflichtet, die Erderhitzung auf unter zwei Grad zu bremsen. 2017 bringt eine katastrophale Entscheidung von Donald Trump dieses Ziel in Gefahr. Der unberechenbare US-Präsident hat sich von einem der völkerrechtlich wichtigsten Verträge verabschiedet, dem Pariser Klimavertrag.

Der Ausstieg aus dem Weltklimavertrag ist unverantwortlich. Dieser Schritt ist historisch dumm, und er ist wirtschaftspolitisch dumm, weil Trump die USA so von den wichtigsten Innovationsmärkten der Zukunft abhängt.

Glücklicherweise ist sein Land in großen Teilen weiter. Einzelne Bundesstaaten lassen sich nicht in ihrem Ehrgeiz bremsen und steigen auf Erneuerbare Energien um. Mit Bundesstaaten wie Kalifornien müssen wir jetzt verstärkt zusammenarbeiten.

Denn die Zeit drängt: Das Leben auf der Erde steckt in der Klimakrise. Meeresspiegel steigen, es gibt Dürren, immer häufiger Überflutungen, Wetterextreme nehmen zu - auch hierzulande. 2015 hatte die internationale Staatengemeinschaft signalisiert, dass das Leben auf unserer Erde langfristig nur überlebensfähig ist, wenn wir alle den Klimaschutz ernst nehmen. Selbst Staaten wie China - wahrlich nicht als Klimavorreiter bekannt - bekennen sich zum Klimaschutz und sind bereit, eigene Verpflichtungen zur Treibhausgasminderung zu übernehmen.

Kampfansage an junge Energiewende-Branche

Donald Trump wird auch seinem Sohn Barron oder seinen Enkeln Rede und Antwort stehen müssen, warum er ihnen einen kaputten Planeten hinterlassen will. Zudem isoliert Trump die USA, denn der Rest der Welt macht sich auf, Wirtschaft zukunftsfähig zu gestalten.

Ein Ausstieg aus dem Abkommen von Paris ist eine Kampfansage an die junge und innovative Branche der Erneuerbaren Energien. Der amerikanische Präsident stellt sich damit gegen diesen globalen Trend. Er hält an einer schmutzigen Dinosaurier-Technologie wie der Kohle fest. Auch ökonomisch ist die Kohle sinnlos.

Fotostrecke

8  Bilder
Klimaprotest gegen Trump: "Total Loser, so sad!"

Als Weltgemeinschaft müssen wir jetzt umso entschlossener handeln. Wir können nicht warten, bis Trump umschwenkt, wenn das Wasser bis zum Keller des Trump-Towers steht oder sein Ferienresort Mar-a-Lago absäuft.

Deutschland in der EU, China und die vielen anderen Staaten müssen jetzt erst recht handeln und dürfen nicht auf Trumps Drängen auf Nachverhandlung reinfallen. Warum soll man etwas neu verhandeln, wozu sich 195 Staaten zwei Jahrzehnte abstimmten?

Merkel kann konkret etwas tun

Wir fordern die Bundesregierung auf, endlich die Initiative zu ergreifen. Klimaschutz passiert nicht auf dem Papier sondern durch Taten. Die CO2-Emissionen sind 2016 genauso hoch wie 2009. Das heißt: Deutschland hat unter Merkel acht Jahre nichts getan. Es waren verlorene Jahre für den Klimaschutz. Merkel muss nun endlich den schönen Worten auf internationalem Parkett auch zu Hause Taten folgen lassen.

Wir erwarten von einer Bundesregierung, die verantwortungsvoll ist, wirksamen Klimaschutz. Deutschlands nationale C02-Emissionen müssen endlich sinken. Um das zu erreichen, müssen wir die Deckelung des Ausbaus von Solar- und Windenergie rückgängig machen und die Sonnensteuer für die Erneuerbaren abschaffen. Wir müssen im Wärmebereich die energetische Modernisierung vorantreiben und im Verkehrsbereich den Umstieg auf nichtfossile, emissionsfreie Fahrzeuge forcieren.

Dafür muss die Bundesregierung auf der europäischen Ebene aktiv werden und eine Klimaunion für Europa starten. Der G20-Gipfel in Hamburg wäre die Möglichkeit, den Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleverstromung und die Einführung eines europäischen CO2-Mindestpreises zu verkünden - notfalls muss Deutschland mit einem eigenen Mindestpreis vorangehen.

Das ist die notwendige Antwort auf die Herausforderung des Jahres 2017 und auf Trump. Das ist das richtige Signal an die Weltgemeinschaft, die sich in Paris klar zum Klimaschutz verpflichtet hat. Daran müssen sich Merkel und ihre Regierung messen lassen.

Die Wahrheit über die Erwärmung


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.