Designierte Staatsministerin für Digitales Programmieren ist laut Bär "so wichtig wie Lesen und Schreiben"

Dorothee Bär soll sich als Staatsministerin um die Digitalisierung im Land kümmern. In Interviews kritisiert sie nun einen "Datenschutz wie im 18. Jahrhundert" und fordert Programmierunterricht für Grundschüler.

Dorothee Bär
LENNART PREISS/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Dorothee Bär


Die designierte Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, hat die Datenschutzregeln in Deutschland als völlig veraltet kritisiert. Das Land brauche endlich eine "smarte Datenkultur" vor allem für Unternehmen, sagte die CSU-Politikerin der "Bild"-Zeitung. "Tatsächlich existiert in Deutschland aber ein Datenschutz wie im 18. Jahrhundert."

Nötig sei ein Regelsystem, das den Unternehmen Chancen biete und sie nicht zerstöre. In den "Tagesthemen" der ARD sprach Bär davon, dass sie insbesondere den Unternehmen helfen wolle, "Champions League zu spielen, Weltmeister zu sein". Ihr gehe es viel, viel zu langsam.

Aus ihrer Sicht müsse der Staat Vorreiter bei der Digitalisierung sein, sagte sie im Zeitungsinterview. "Behörden müssen endlich so vernetzt werden, dass Bürger nicht Stunden auf Ämtern vergeuden, nur um sich zum Beispiel umzumelden."

Bär forderte zudem eine stärkere Digitalisierung der Schulen. "Es ist ein Irrglaube, dass alle Kinder, die sich für Computer interessieren, dick und faul werden." Programmieren gehöre in die Lehrpläne der Grundschule, es sei "so wichtig wie Lesen und Schreiben", sagte Bär. Dass Schüler Tablets im Klassenzimmer benutzen, sollte Norm sein, und "kein Privileg nur von Kindern in Privatschulen".

Die CSU hatte am Montag bekannt gegeben, welche Minister sie ins Bundeskabinett entsendet. Parteichef Horst Seehofer geht als Bundesinnenminister mit erweiterter Zuständigkeit für die Bereiche Bau und Heimat nach Berlin. Der bisherige CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer soll Bundesverkehrsminister werden. Entwicklungsminister Gerd Müller bleibt im Amt. Und Bär wird Staatsministerin für Digitales im Bundeskanzleramt.

Kritik am Ressortzuschnitt für Bär kam noch am Montag von FDP-Chef Christian Lindner. Bär werde keine wirkliche Handlungsfreiheit haben, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. "Die Kollegin kann vielleicht ein paar Arbeitsgruppen leiten oder Messen eröffnen. Aber mit der Macht eines Kabinettsmitglieds, das sich auf diese Fragen konzentrieren kann, kann sie eben nicht wirken." Angesichts der großen Herausforderungen durch die Digitalisierung sehe die FDP "zu wenig Tempo und Prioritätensetzung".

aar/dpa/AFP



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einjenachdemer 06.03.2018
1.
Vollkommener Blödsinn. Frau Bär sollte sich mal darum kümmern, dass die digitale Infrastruktur des Landes auf Vordermann gebracht wird. 4G? 5G? Breitband? Glasfaser? .... Programmieren lernen heisst in allererster Linie Mathematik, Logik und Orthografie lernen ..... Wer nicht gelernt hat logisch schlüssig zu argumentieren und richtig zu formulieren, kann auch nicht programmieren. Oh ja, aber dafür haben unsere Lehrer heute "keine Zeit mehr" (O-Ton eine Lehrers meines Sohnes).....
RalfHenrichs 06.03.2018
2. Der übliche Quatsch
Jeder muss in der Lage sein, als User mit Smartphones, PCs, Tablets etc. umzugehen, aber wer kein IT-Fachmann ist, muss nicht in der Lage sein, sie zu programmieren. Ich vergleiche es eher mit Auto fahren: als Erwachsener sollte man Auto fahren können (auch dann, wenn man selbst kein Auto hat. Man kann aber dennoch in die Situation kommen, ein Auto nutzen zu müssen), aber man muss nicht das Innerste eines Autos kennen. Dafür gibt es Experten. Im übrigen sollten wir besser in mehr Lehrer, bessere Schulausstattung (z.B. überall saubere Toiletten), gutes Kantinenessen, kleinere Klassen etc. investieren. Wenn dann noch Geld da ist, kann man auch in die IT-Ausstattung investieren. Wenn ein Haus aber in den Grundmauern morsch ist, sollte man nicht das Dachgestühl ausbauen.
Tschepalu 06.03.2018
3. Hm....
nicht schreiben und rechnen können, aber unbedingt Tabletts haben müssen. Tja dann mal auf Frau Ministerin. Grundwissen ist nicht sooo wichtig, aber Programmieren unbedingt nötig! Keine Kranken- und Altenpfleger, aber alle müssen Programmieren können. Armes Deutschland......
dieter-klaus.delacroix 06.03.2018
4.
"Programmieren ist laut Bär "so wichtig wie Lesen und Schreiben"" Was für ein Blödsinn! Die Menschen müssen lernen, von anderen Menschen entwickelte Anwendungen und Apps sinnvoll anzuwenden, nicht notwendiger Weise solche selbst zu entwickeln. Das nennt man "Arbeitsteilung"... Und wem das Entwickeln von Anwendungen und Apps gefällt, der kann sich halt entsprechend weiter bilden. Warum man ausgerechnet eine Politikwissenschftlerin mit einer solchen Aufgabe betraut, die mit NICHTS, absolut gar NICHTS für ihre Aufgabe fachlich qualifiziert ist, kann ich nicht nachhvollziehen. Allerdings zieht sich das durch das ganze bisher bekannte Kabinett: ALLE haben keinen blassen Schimmer von ihrem Aufgabengebiet!
hooge789 06.03.2018
5. Programmieren in der Grundschule
fände ich gut, denn dann würden Kinder verstehen, dass ein Computer, Tablette, Smartphone mehr als ein Spielzeug sein kann. Ein Arbeitswerkzeug.
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