Dramatische Umfrage Deutsche haben Angst vor Preisexplosion

Immer höhere Kosten für Sprit, Lebensmittel, Energie: Die steigenden Preise für Alltagsgüter machen 85 Prozent der Bürger Angst, zeigt der neue ARD-Deutschlandtrend. Die Unzufriedenheit mit der Regierung wächst - viele sind angesichts der Inflation sogar dafür, den Atomausstieg zu kippen.


Berlin - 59 Prozent der Deutschen sparen beim Autofahren und 46 Prozent bei den Lebensmitteln. Außerdem 31 Prozent beim Strom, 30 Prozent bei der Kleidung und 24 Prozent beim Urlaub. Die Daten des neuen ARD-Deutschlandtrends zeigen, wie sehr ein einziges Thema derzeit die Stimmungslage der Deutschen beherrscht: die steigenden Preise. 69 Prozent der Befragten haben sich wegen der Inflation in den vergangenen Monaten bewusst fürs Sparen und gegen Geldausgaben entschieden.

Auto, Lebensmittel, Energie: 85 Prozent haben Angst vor Preisschüben
DDP; DPA

Auto, Lebensmittel, Energie: 85 Prozent haben Angst vor Preisschüben

85 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, die Entwicklung der Preise mache ihnen Angst. 62 Prozent spüren ernsthaft die Sorge, künftig mit ihrem Geld nicht mehr auszukommen; 49 Prozent sagen, dass sie nichts mehr zusätzlich sparen können - und nur 23 Prozent geben an, dass sie genug Geld haben und sich nicht einschränken müssen.

Die Sorgen schlagen laut der ARD-Umfrage auf die generelle wirtschaftliche und politische Stimmung der Deutschen durch:

  • Fast die Hälfte der Befragten erwarte, dass die eigene wirtschaftliche Situation in zehn Jahren schlechter ist als heute.
  • Drei Viertel seien unzufrieden mit der Bundesregierung.
  • Fast 80 Prozent würden kritisieren, dass sich die Politik zu wenig um die Inflation kümmert.
  • Nur noch 39 Prozent würden am Atomausstieg festhalten, wenn durch den weiteren Betrieb von Atomkraftwerken die Strompreise sinken würden - dieser Wert zeigt, wie stark sich die wirtschaftlichen Sorgen auf die politischen Einstellungen wirken. Denn eigentlich sind generell 51 Prozent für den Atomausstieg (2007: 58 Prozent).

Die Meinungsforscher sehen Indizien dafür, dass vor allem die Linkspartei von den Wirtschaftsturbulenzen profitiert. In der Umfrage wurde erhoben, welches Potential jede Partei hat, also wie viele Bürger sich vorstellen könnten, sie zu wählen. Die Linke kommt hier auf 22 Prozent - und würde der Sonntagsfrage zufolge derzeit von 13 Prozent gewählt (minus eins gegenüber Juni). Sie schöpft ihr Potential also "gegenwärtig ziemlich gut aus", schreiben die Experten.

Union und SPD haben den Daten zufolge ein Potential von 50 beziehungsweise 51 Prozent, kämen aber nur auf 36 und 25 Prozent (plus zwei, plus eins) - diese Zahl illustriert auf drastische Weise vor allem die Krise der Sozialdemokraten. Bei der FDP und den Grünen beträgt das Potential 40 und 38 Prozent, sie bekämen derzeit 12 und 11 Prozent (je minus eins).

Fast alle Politiker werden unbeliebter

Unzufriedenheit in der Bevölkerung zeigt sich auch in der verschlechterten Bewertung der deutschen Spitzenpolitiker: Mit Frank-Walter Steinmeier sind noch 67 Prozent zufrieden (minus 6), mit Kanzlerin Angela Merkel 66 (minus 5), mit Finanzminister Peer Steinbrück 52 (minus 2), mit Innenminister Wolfgang Schäuble 45 (plus 1), mit FDP-Chef Guido Westerwelle 40 (minus 11).

Erneut verschlechtert hat sich auch SPD-Chef Kurt Beck, er kommt nur noch auf 18 Prozent (minus 3). Die ARD-Meinungsforscher haben erstmals auch das Profil von Beck und Steinmeier verglichen. Der Parteivorsitzende führt dabei nur in zwei Punkten vor dem Außenminister, ansonsten liegt er hinten:

  • Steinmeier gewinnt bei der Frage, wer Deutschland besser in der Welt vertreten kann (69 zu 10 Prozent),
  • bei der Sympathie (59 zu 19 Prozent),
  • bei der Glaubwürdigkeit (58 zu 14 Prozent),
  • bei der Frage, wer mehr Unterstützung in der eigenen Partei hat (57 zu 18 Prozent), und
  • bei der Frage, wer mehr von der Wirtschaft versteht (43 zu 15 Prozent).
  • Beck ist dagegen aus Sicht der Befragten näher an den Menschen (41 zu 31 Prozent) und
  • wäre für sie der Kandidat, der sich stärker für die Interessen der kleinen Leute einsetzt (37 zu 22 Prozent).

Insgesamt messen der Umfrage zufolge 73 Prozent der SPD-Anhänger einem Kanzlerkandidaten Steinmeier bessere Chancen bei.

plö

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.