Krawalle bei NPD-Demonstration Dresdner Rechtsextreme attackieren Asylbefürworter 

In Dresden ist eine Zeltstadt für bis zu 1100 Flüchtlinge aus Syrien errichtet worden. Schon den Aufbau behinderten Rechtsextreme und sie bedrohten Helfer. Kurz vor Ankunft der Asylbewerber eskalierte die Gewalt.

NPD-Demonstranten rangeln mit Polizeibeamten: "Noch nie erlebt"
DPA

NPD-Demonstranten rangeln mit Polizeibeamten: "Noch nie erlebt"


Bei einer NPD-Demonstration gegen Asylbewerber in Dresden ist es zu gewalttätigen Ausschreitungen mit Verletzten gekommen. Rechtsextreme griffen am Freitagabend Gegendemonstranten an. Knallkörper explodierten, es flogen Wurfgeschosse. Drei Menschen wurden verletzt, darunter eine junge Frau, die stark blutend von Sanitätern versorgt werden musste.

Bereits am Freitagmittag hatte der NPD-Kreisverband Dresden zu der Demo gegen ein Notaufnahmelager aufgerufen. Das Pegida-Bündnis um Lutz Bachmann appellierte an seine Anhänger via Facebook, der NPD-Kundgebung fernzubleiben.

Etwa 200 Asylgegner aus dem rechten Lager standen 350 Asylbefürwortern gegenüber. Die Gegendemonstration wurde vom Linken-Politiker Mirko Schultze angemeldet. Er und seine Mitstreiter wollten nach Angaben der "Sächsischen Zeitung" die Flüchtlinge willkommen heißen. Sie sprachen von einer "gewollten Provokation" der NPD. Zwischenzeitlich rannten beide Lager aufeinander zu. Polizisten gingen dazwischen.

Eine Zeltstadt für 1100 Flüchtlinge

In der sächsischen Landeshauptstadt wurden am Abend etwa 500 Flüchtlinge aus Syrien erwartet. Insgesamt sollen an diesem Wochenende 800 Asylbewerber kommen, wie die Landesdirektion Sachsen am Nachmittag bekannt gab. Um sie unterbringen zu können, wurde eine Zeltstadt auf einem ungenutzten Industriegelände in der Dresdner Friedrichstadt mit einer Kapazität für bis zu 1100 Asylsuchende errichtet. Binnen 24 Stunden waren die Zelte aufgebaut.

Betreiber des Lagers ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Nach den Worten von DRK-Chef Rüdiger Unger waren Mitarbeiter der Hilfsorganisation schon am Donnerstagabend von Schaulustigen daran gehindert worden, Vorbereitungen für das Lager zu treffen. In einem Fall sei jemand sogar mit einem Auto auf einen DRK-Helfer zugefahren. "Ich habe so etwas noch nie erlebt", sagte Unger. Allen müsse klar sein, dass man hier humanitäre Nothilfe leiste.

Sachsens Innenstaatssekretär Michael Wilhelm (CDU) zeigte sich beschämt über die Vorfälle. Auch Mitarbeiter des Innenministeriums seien attackiert worden, als sie Informationsmaterial in die Briefkästen des Viertels warfen: "So etwas ist einfach nicht hinnehmbar." Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks hätten aus Angst vor Steinewerfern Helme mitgebracht.

"Lasst die Leute in Ruhe, die haben so viel durchgemacht."

Um die Sicherheit der Flüchtlinge zu garantieren, will das Innenministerium mehrere Züge der Polizei und der Bereitschaftspolizei in die Friedrichstadt verlegen. "Polizei wird vor Ort sein. Das ist klar. Denn wir rechnen mit Demonstranten." Wilhelm richtete einen eindringlichen Appell an die Asylgegner: "Lasst die Leute in Ruhe, die haben so viel durchgemacht."

Innenstaatssekretär Wilhelm sprach zugleich von einer enormen Hilfsbereitschaft, die zu spüren gewesen sei. Viele hätten Spielzeug und Geld spenden oder bei der Betreuung der Asylsuchenden helfen wollen. Dies seien ermutigende Zeichen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechs Mal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

jat/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.