Dresden Brandanschlag auf Auto von Politikwissenschaftler Patzelt

Die Polizei will nichts ausschließen - auch keine politisch motivierte Tat: In Dresden ist das Auto des Politikwissenschaftlers Patzelt angezündet worden. Er stand für seine Pegida-Freundlichkeit in der Kritik.

Politikwissenschaftler Werner Patzelt (2015)
DPA

Politikwissenschaftler Werner Patzelt (2015)


Dem Dresdner Politikprofessor Werner Patzelt wurde in der Vergangenheit eine mangelnde Distanz zum fremdenfeindlichen Pegida-Bündnis vorgeworfen. In der vergangenen Nacht stand nun sein Auto in Flammen. Der Wagen erlitt einen Totalschaden, teilte das für extremistische Straftaten zuständige Operative Abwehrzentrum der sächsischen Polizei (OAZ) mit.

Zeugen bemerkten in der Nacht den Brand des auf der Straße abgestellten Wagens und alarmierten die Feuerwehr. Das Autowrack wird nun kriminaltechnisch untersucht. Das OAZ ermittelt wegen Sachbeschädigung. Hinweise auf den oder die Täter gibt es noch nicht.

Die Ermittler schließen eine politisch motivierte Tat nicht aus. Patzelt ist insbesondere im linksextremen Spektrum umstritten. Er gilt dort als zu verständnisvoll gegenüber dem fremdenfeindlichen Pegida-Bündnis, das wöchentlich Kundgebungen in Dresden abhält.

Patzelt ist seit 1991 Politikprofessor an der Technischen Universität Dresden. Er erforscht unter anderem die Bewegung, die seit Herbst 2014 zu Demonstrationsmärschen in Dresden aufruft. Dazu veröffentlichten Patzelt und sein Team bereits mehrere Studien.

Pegida-Demos schrumpfen

Vor zwei Jahren war Patzelt von Studenten, aber auch Dozenten der TU, wegen seiner Äußerungen kritisiert worden. Patzelt hatte unter anderem nach der Absage einer Pegida-Demonstration aufgrund einer Anschlagsdrohung im Januar 2015 von einer Feindbildpflege der Gegendemonstranten gesprochen. Seine Mitarbeiter warfen Patzelt vor, mit seinen Äußerungen den Ruf der Gegendemonstranten negativ zu beeinträchtigen.

Pegida geht seit zweieinhalb Jahren fast wöchentlich in Dresden auf die Straße und macht Stimmung gegen Muslime, Flüchtlinge, Politiker und Medien. Seit rund einem Jahr befinden sich die Teilnehmerzahlen bei den Demos nach Angaben der unabhängigen Forschungsgruppe "durchgezählt" im Abwärtstrend. Zuletzt registrierten die Forscher in der vergangenen Woche 1900 bis 2300 Teilnehmer.

vks/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.