Dresden: Neonazi zu acht Monaten Haft verurteilt

Das Landgericht Dresden hat den Anführer der verbotenen rechtsextremen Organisation "Skinheads Sächsische Schweiz" zu acht Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt - der 32-Jährige hatte die Vereinigung nach ihrem Verbot weitergeführt und damit gegen das Vereinsgesetz verstoßen.

Dresden - Die Verurteilung von Thomas S. könnte ein Ermittlungsverfahren gegen den sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten Uwe Leichsenring nach sich ziehen, der den Skinhead und seine Anhänger um Unterstützung im Landtagswahlkampf gebeten haben soll.

Thomas S. wurde bereits im Mai 2003 wegen der Führung der "Skinheads Sächsische Schweiz" (SSS) zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Nun muss er damit rechnen, dass die Strafaussetzung aufgehoben und eine Gesamtfreiheitsstrafe gebildet wird. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist allerdings davon auszugehen, dass er Revision gegen das Urteil vor dem Oberlandesgericht einlegen wird. Erst wenn die Entscheidung rechtskräftig sei, könne der Widerruf der Bewährung bei Gericht beantragt und der Neonazi zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 32 Monaten Haft verurteilt werden.

Der Angeklagte wurde unter anderem wegen einer Reihe abgehörter Telefonate überführt. In einigen der Gespräche hatte er Kontakt mit Leichsenring. Die Staatsanwaltschaft erwägt nun, ein Ermittlungsverfahren gegen den NPD-Landtagsabgeordneten einzuleiten. Man denke darüber nach, spreche aber nicht darüber, hieß es in der Behörde. In einem Verfahren gegen Leichsenring müsste Thomas S. als Zeuge aussagen. Doch dem kann er sich verweigern, so lange er nicht selbst rechtskräftig verurteilt ist.

Die SSS wurde vor rund vier Jahren vom sächsischen Innenministerium verboten, weil sie sich offen zum Nationalsozialismus bekannt und für ihre Ziele auch Straftaten begangen hatte. Zahlreiche ihrer Anhänger wurden in der Folge wegen der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vom Landgericht Dresden überwiegend zu Bewährungsstrafen verurteilt. In den Prozessen wurde bekannt, dass es zwischen der NPD und der militanten Neonazigruppe Kontakte gab. So unterstützten SSS-Mitglieder in der Vergangenheit unter anderem NPD-Veranstaltungen mit Ordnerdiensten.

hen/AFP/AP

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