Umstrittener Politikberater TU Dresden verweigert CDU-Berater Patzelt Seniorprofessur

Kritiker werfen ihm vor, der AfD und Pegida zu nahe zu stehen, trotzdem plant Werner Patzelt für die Sachsen-CDU den bevorstehenden Wahlkampf. Die TU Dresden will ihn indes nicht als Seniorprofessor.

Werner Patzelt (Archivbild)
DPA

Werner Patzelt (Archivbild)


Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt wird keine Seniorprofessur an der Technischen Universität Dresden bekommen. Der Dekan der Universität habe ihm mitgeteilt, einen entsprechenden Antrag nicht zu unterstützen, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Der 65-Jährige hatte sich um eine Seniorprofessur beworben, weil seine bisherige Professur regulär Ende März endet. Er geht in den Ruhestand.

Patzelt wurde in der Vergangenheit eine mangelnde Distanz zum fremdenfeindlichen Pegida-Bündnis vorgeworfen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte ihn dennoch überraschend im Januar zum Vizevorsitzenden der Programmkommission für den bevorstehenden Wahlkampf gemacht.

Kritiker werten das als Signal dafür, dass die ohnehin konservativ ausgerichtete Sachsen-CDU sich weiter nach rechts orientiert (Mehr dazu lesen Sie hier). Die Sorge ist groß, dass die AfD bei der Wahl am 1. September noch vor der CDU stärkste Partei werden könnte. Bei der Bundestagswahl lag die AfD in Sachsen mit 27 Prozent der Zweitstimmen bereits knapp vor der Union (26,9 Prozent).

Patzelt ist seit 1991 Politikprofessor an der TU Dresden und Mitglied der CDU. Er erforscht unter anderem die Pegida-Bewegung, die seit Herbst 2014 zu Demonstrationsmärschen in Dresden aufruft. Dazu veröffentlichten Patzelt und sein Team bereits mehrere Studien. Andere Dozenten und Studenten hatten ihn wegen seiner Äußerungen kritisiert.

Koalition mit der AfD?

Patzelt hatte unter anderem nach der Absage einer Pegida-Demonstration aufgrund einer Anschlagsdrohung im Januar 2015 von einer Feindbildpflege der Gegendemonstranten gesprochen. Seine Mitarbeiter warfen Patzelt vor, mit seinen Äußerungen den Ruf der Gegendemonstranten negativ zu beeinträchtigen.

Außerdem hatte Patzelt der CDU in der Vergangenheit via "Bild"-Zeitung empfohlen, eine Koalition mit der AfD zumindest zu prüfen, "um sich nicht von den Parteien links von der CDU erpressbar zu machen". Kretschmer hat dagegen ein solches Bündnis ausgeschlossen.

Die TU Dresden habe die Entscheidung damit begründet, dass Patzelt "auf unzulässige Weise die wissenschaftliche und die politische Rolle vermenge". Diesen Vorwurf wies er gegenüber dem RND zurück. "Ich habe keine Rollen vermengt. Ich habe mich immer nur für die freiheitlich-demokratische Grundordnung eingesetzt - auch gegenüber seinen Feinden und Gegnern."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Vorspanns dieses Artikels hieß es, die TU Dresden wolle Patzelt nicht mehr als Professor. Die Universität hat das allerdings in einer Pressemitteilung richtiggestellt: "Auch ohne Seniorprofessur bleibt Prof. Werner Patzelt wie alle Professoren, die beim Eintritt in den Ruhestand an der Technischen Universität Dresden unbefristet beschäftigt waren, Angehöriger der TU Dresden. Er behält seinen Professorentitel und kann selbstverständlich seine laufenden Projekte beenden." Wir haben die Stelle korrigiert.

koe



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